Synodaler Prozess

Dossier zum synodalen Prozess

Synodeneröffnung mit Jugendlichen Bischof Josef Bonnemain | Christian Merz

«Eine synodale Kirche: Gemeinschaft, Partizipation, Mission».

Papst Franziskus ruft einen weltweiten synodalen Prozess aus. Um die Kirche insgesamt synodaler zu machen, soll über die für Herbst 2023 in Rom geplante Bischofssynode zunächst auf diözesaner, dann auf kontinentaler Ebene beraten werden. Thema der Beratungen ist «Eine synodale Kirche: Gemeinschaft, Partizipation, Mission».

Informationen zum synodalen Prozess aus den einzelnen Bistümern:

Aktionsseite wir-sind-ohr.ch:

Was ist der Synodale Prozess?

Laut Papst Franziskus geht es beim synodalen Prozess der katholischen Weltkirche zunächst eher um einen neuen Stil kirchlichen Lebens als um konkrete inhaltliche Themen. Daher empfiehlt ein Begleit-Leitfaden zur ersten Phase der Weltsynode einzelne Haltungen und warnt vor Fallstricken. Kath.ch dokumentiert diese Listen in gekürzter Form und eigener Übersetzung.

«Einstellungen, um beim Synodalen Prozess mitzumachen:

– Synodal zu sein, verlangt Zeit zu teilen.

– Der Demut zuzuhören muss der Mut entsprechen zu reden.

– Dialog führt uns zu Neuerung.

– Offenheit führt zu Bekehrung und Veränderung.

– Synoden sind eine kirchliche Übung zu geistlicher Unterscheidung.

– Wir sind Zeichen einer Kirche, die zuhört und unterwegs ist.

– Lass Vorurteile und Stereotypen hinter dir.

– Überwinde die Plage des Klerikalismus.

– Bekämpfe das Virus der Selbstgenügsamkeit.

– Überwinde Ideologien.

– Gib Anlass zur Hoffnung.

– Synoden sind eine Zeit zu träumen und ‘Zeit mit der Zukunft zu
verbringen’.

(…)

Fallstricke vermeiden:

– Die Versuchung, dass wir uns selbst führen wollen anstatt uns von
Gott führen zu lassen

– Die Versuchung, uns auf uns selbst und unsere unmittelbaren
Anliegen zu fokussieren

– Die Versuchung, nur ‘Probleme’ zu sehen

– Die Versuchung, nicht über die sichtbaren Grenzen der Kirche
hinauszublicken

– Die Versuchung, die Ziele des Synodalen Prozesses aus dem Blick zu
verlieren

– Die Versuchung von Konflikt und Trennung

– Die Versuchung, die Synode als eine Art Parlament zu behandeln

– Die Versuchung, nur jene zu hören, die ohnehin schon kirchlich
aktiv sind (…)»

Zehn Themenfelder für die erste Phase der Weltsynode

«I. DIE WEGGEFÄHRTEN (…) Wenn gesagt wird ‘unsere Kirche’ – wer gehört dazu? Wer bittet darum, gemeinsam zu gehen? Wer sind die Reisegefährten, auch ausserhalb des kirchlichen Sprengels? Welche Personen oder Gruppen werden absichtlich oder tatsächlich aussen vorgelassen?

II. ZUHÖREN (…) Wie wird den Laien, besonders den Jugendlichen und den Frauen, zugehört? Wie wird der Beitrag der gottgeweihten Frauen und Männer (Ordensleute, Anm.d. Red.) integriert? Welchen Raum hat die Stimme der Minderheiten, der Ausgestossenen und der Ausgeschlossenen? Gelingt es, Vorurteile und Stereotypen zu identifizieren, die das Zuhören behindern? (…)

III. DAS WORT ERGREIFEN (…) Wie wird innerhalb der Gemeinschaft und ihrer Organe ein freier und authentischer kommunikativer Stil gefördert, ohne Doppeldeutigkeit und Opportunismus? Wie sieht es im Hinblick auf die Gesellschaft aus, deren Teil wir sind? Wann und wie gelingt es, das zu sagen, was ihnen am Herzen liegt? Wie funktioniert die Beziehung zu den Medien (nicht nur der katholischen)? Wer spricht im Namen der christlichen Gemeinschaft, und wie wird er oder sie ausgewählt?

IV. FEIERN (…) Auf welche Weise inspirieren und orientieren tatsächlich das Gebet und die Feier der Liturgie das ‘gemeinsame Gehen’? Wie werden ihre wichtigsten Entscheidungen inspiriert? Wie werden die aktive Teilnahme aller Gläubigen an der Liturgie und am Heiligungsdienst gefördert? (…)

V. MITVERANTWORTUNG IN DER SENDUNG (…) Wie unterstützt die Gemeinschaft die eigenen Mitglieder, die in einem Dienst in der Gesellschaft engagiert sind (sozialer und politischer Einsatz, Tätigkeit in der wissenschaftlichen Forschung und in der Lehre, in der Förderung der sozialen Gerechtigkeit, im Schutz der Menschenrechte und der Pflege des gemeinsamen Hauses, usw.)? Wie hilft sie ihnen, diesen Einsatz in einer missionarischen Perspektive zu leben? (…)

VI. IN DER KIRCHE UND IN DER GESELLSCHAFT DIALOG FÜHREN (…) Welches sind die Orte und die Modalitäten des Dialogs im Inneren unserer Teilkirche? Wie wird mit den unterschiedlichen Sichtweisen, mit Konflikten und Schwierigkeiten umgegangen? (…) Wie tritt die Kirche mit anderen Instanzen der Gesellschaft in Dialog und lernt von ihnen: der Welt der Politik, der Wirtschaft, der Zivilgesellschaft, der Armen …?

VII. MIT DEN ANDEREN CHRISTLICHEN KONFESSIONEN (…) Welche Beziehungen werden mit den Schwestern und Brüdern der anderen christlichen Konfessionen unterhalten? Welche Bereiche sind umfasst? Welche Früchte sind durch dieses ‘gemeinsame Gehen’ gereift? Welche Schwierigkeiten sind entstanden?

VIII. AUTORITÄT UND TEILNAHME (…) Wie werden die zu verfolgenden Ziele, die einzuschlagenden Wege und die zu erfolgenden Schritte festgelegt? Wie wird innerhalb unserer Teilkirche die Autorität ausgeübt? Wie sieht die Praxis der Teamarbeit und der Mitverantwortung aus? Wie werden die laikalen Dienste und die Übernahme von Verantwortung durch die Gläubigen gefördert? Wie funktionieren die synodalen Organismen auf Ebene der Teilkirche? (…)

IX. UNTERSCHEIDEN UND ENTSCHEIDEN (…) Wie wird die Teilnahme an Entscheidungen innerhalb hierarchisch strukturierter Gemeinschaften gefördert? Wie wird die Phase der Konsultation mit derjenigen der Entscheidung verbunden, den Prozess des decision-making mit dem Moment des decision-taking? Auf welche Art und Weise und durch welche Mittel werden Transparenz und Rechenschaft gefördert?

X. SICH IN DER SYNODALITÄT BILDEN (…) Wie werden die Menschen ausgebildet, besonders diejenigen, die innerhalb der christlichen Gemeinschaft verantwortliche Stellen einnehmen, um sie zu befähigen, ‘gemeinsam zu gehen’, sich gegenseitig zuzuhören und miteinander in Dialog zu treten? Welche Ausbildung wird im Hinblick auf die Unterscheidung und die Ausübung der Autorität angeboten? (…)»

Wie läuft der synodale Prozess ab?

Auf die ersten Phase auf Ebene der Ortskirchen bis zum 15. August 2022 folgt 2022/2023 ein weiterer synodaler Prozess auf Kontinentalebene, der wiederum in eine Versammlung der Bischofssynode selbst im Oktober 2023 in Rom mündet.

Die jeweiligen Zwischenergebnisse werden von Bischofskonferenzen und Synodensekretariat ausgewertet und zusammengefasst, um der nächsten Runde als Arbeitsgrundlage zu dienen.

Ab 2024 sollen die Ergebnisse der Bischofssynode weltweit vor Ort implementiert werden. Ziel ist es, bei allem eine möglichst grosse Zahl auch sehr unterschiedlicher Mitglieder der Kirche zu beteiligen.

Bereits 2018 hatte Franziskus die Ordnung der 1965 von Papst Paul VI. gegründeten Bischofssynode so geändert, dass Vor- und Nachbereitung ein grösseres Gewicht bekommen und daran mehr Menschen beteiligt werden.

Newsbeiträge zum Thema

Meldungen aus anderen Medien zum Thema

Veranstaltungen zum synodalen Prozess

Synodalität – Solidarität – Partizipation:
Zu Stilfragen des Kircheseins

MITTWOCH, 3. NOVEMBER 2021
PAULUSAKADEMIE ZÜRICH

«Der Weg der Synodalität ist das, was Gott sich von der Kirche des dritten Jahrtausends erwartet. Gemeinsam voranzugehen ist ein Konzept, das sich leicht in Worte fassen lässt, aber nicht so leicht umzusetzen ist.» (Papst Franziskus)

Synodalität umschreibt den Stil der Kirche auf ihrem Weg im dritten Jahrtausend. Unsere Tagung geht der Frage nach, wie dieser Stil der Kirche in der Deutschschweiz gelebt werden kann. Synodalität muss in allen Praxisfeldern immer neu erprobt, gelernt und weiterentwickelt werden – in der Kirche und mit den Menschen, zu denen sie gesandt ist.

TAGUNGSPROGRAMM

09.15   Kaffee & Gipfeli
09.45   Videoclips zum Einstieg
10.00   Keynote: Prof. Dr. Thomas Sternberg
10.45   Workshop-Phase 1
11.45   Workshop-Phase 2
13.00   Mittagspause
14.00   Biblischer Impuls: Prof. Dr. Hildegard Scherer/Dr. Daniel Kosch
14.45   Workshop-Phase 3
15.45   Schlussplenum
16.15   Impuls: Bischof Dr. Joseph M. Bonnemain
16.30   Abschluss der Tagung

Anmeldung bis spätestens 27.10.2021 unter folgendem Link: Jahrestagung

Planen auch Sie eine Veranstaltung zum “synodalen Prozess”. Gerne dürfen Sie uns Details zukommen lassen. Wir werden Ihre Veranstaltung hier ebenfalls auflisten. Füllen Sie dazu das u.s. Formular aus.

    Impressionen zum synodalen Prozess

    Bischof Felix Gmür eröffnet die Kampagne zum synodalen Prozess. | © Bistum Basel
    Papst Franziskus zum Auftakt des synodalen Prozesses in Rom. | © KNA
    Dompfarrer Beat Grögli zeigt das Bild, das um die Welt geht: Papst Franziskus in einer hörenden Haltung. | © Sabine Rüthemann
    Bischof Lazzeri eröffnet den synodalen Prozess in der Kathedrale Lugano
 | © Ti-Press / Samuel Golay
    Gebetshalt mit Bischof Lovey | © Vera Rüttimann
     | © Silvan Hohl
    Bischof Morerod verabschiedet sich in der Kathedrale Freiburg von den Gläubigen | © Georges Scherrer
    Bischof Morerod eröffnet in der Kathedrale Freiburg den synodalen Prozess | © Georges Scherrer
    Auch der St. Galler Bischof Markus Büchel will zuhören. | © Barbara Ludwig
    Jugendliche der spanischsprachigen Mission beim Start des synodalen Prozesses in Einsiedeln. | © Raphael Rauch
    Plakat der Jugend zum Auftakt des synodalen Prozesses in Einsiedeln. | © Raphael Rauch
    Welche Befürchtungen hat Katharina Jost mit Blick auf den synodalen Prozess? | © Manuela Matt