Die Stadtluzerner Peterskapelle widmet den sieben Todsünden ein einwöchiges Festival. Der Todsünde Zorn konnten jüngst Besucherinnen und Besucher ihren freien Lauf lassen, indem sie ihre Emotionen zum aktuellen Missbrauch in der katholischen Kirche an einen Baumstumpf nagelten. Das visuelle Ergebnis bekommt Bischof Felix Gmür als Foto zugeschickt.
Neue Geistliche Gemeinschaften neigen offenbar besonders zu Fehlentwicklungen, unter denen die Mitglieder leiden. Hannah A. Schulz (61) kennt die Schwachstellen junger Gemeinschaften: «Je erfolgreicher die Neugründungen werden, um so grösser die Tendenz zum Grössenwahn», sagt sie. Die Expertin für spirituellen Missbrauch weiss auch, was Abhilfe schaffen könnte.
Nach der Schweizer Untersuchung zu Missbrauch in der Kirche fordert nun auch der Verein für offene Kirche eine Missbrauchsstudie zum Erzbistum Vaduz: Auch Liechtenstein sei «keine Insel der Glücksseligkeit», ist Klaus Biedermann, Vorstandsmitglied des Vereins, überzeugt. Missbrauchsfälle im Bistum Chur könnten durchaus die Amtszeit von Wolfgang Haas in Chur tangieren.
Stefan Loppacher, Kirchenrechtler, Präventionsbeauftragter und Sprecher des Gremiums «Sexuelle Übergriffe» der SBK äussert sich gegenüber Medien. Die Räson gewisser Bischöfe sei «totaler Schwachsinn». Sex mit einer Frau sei lange als schlimmer bewertet worden als Missbrauch eines Buben. Er erwartet bis zu 15'000 Fällen sexuellen Missbrauchs im kirchlichen Umfeld.
Die Pilotstudie zu sexuellem Missbrauch und die jüngsten Vertuschungsvorwürfe an Bischöfe zeigen: Die Kirche hat systemische Probleme, die nicht der Vergangenheit angehören. Die von Bischof Bonnemain angekündigten Massnahmen greifen zu kurz. Es braucht Veränderungen am System. Eine Analyse.
Konfrontiert mit einem konkreten Missbrauchsfall in St. Gallen hat Bischof Markus Büchel zum mutmasslichen Täter E. M. gesagt: «Mir ist der Name des Priesters nicht bekannt. Die Identifikation läuft.» Jetzt korrigiert das Bistum diese Aussage. Dem Bischof sei der Name des Täters sehr wohl bekannt.
Der Bischof von Lausanne, Genf und Freiburg (LGF), Charles Morerod, hat den Rücktritt von seinem Amt nicht ausgeschlossen. Sollte er feststellen, dass er grosse Fehler gemacht habe, sei es besser zu gehen, sagte er in einem Interview. Er sprach in der Zeitung «La Liberté» von einer «Befreiung».
Markus Büchel bestätigt, dass er erstmals am 5. September vom Fall des Ostschweizer Priesters E. M. Kenntnis erhielt und unmittelbar eine Voruntersuchung ausgelöst hat. «Mir ist der Name des Priesters nicht bekannt. Die Identifikation läuft.» Einen Rücktritt schliesst er vorläufig aus: «Ich will das Ergebnis der Voruntersuchung abwarten.» Die Missbrauchsbetroffene Vreni Peterer zeigt sich «schwer enttäuscht von Bischof Ivo Fürer».
1002 Fälle, 510 Beschuldigte, 921 Betroffene: Die Zahlen sind erschreckend. Die kirchliche Basis schweigt nicht dazu. Von kath.ch befragte Seelsorgende reagieren auf die Missbrauchsstudie, die am Dienstag an der Universität Zürich präsentiert wurde. Mit klaren Worten.
Derzeit wird eine Voruntersuchung gegen den Sittener Bischof Jean-Marie Lovey geführt. Er soll einen Missbrauchsfall vertuscht haben. Die Pilotstudie zeigte zudem: Akten wurden systematisch vernichtet. Das Bistum bestätigt, dass auch der Vorgängerbischof, Norbert Brunner, dies getan hat.
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