Vertuschung, Befangenheit und Lernresistenz: Zum Wochenende stehen Felix Gmür und Joseph Bonnemain in schlechtem Licht. Der vatikanische Sonderermittler Bonnemain ist befangen und dem Basler Bischof sind zu viele «Fehler» passiert. Er ist nicht mehr tragbar, schreibt Annalena Müller in ihrem Kommentar.
Das Bistum Basel hat in einer Medienmitteilung auf die Vertuschungsvorwürfe reagiert. Die Mitteilung beruft sich auf das Kirchenrecht und insistiert, dass Felix Gmür richtig gehandelt habe. Aber die Mitteilung unterschlägt wichtige Details.
Vor einem Monat hat der «Beobachter» den Fall «Denise Nussbaumer» aufgedeckt und grosse Schatten auf das ehemalige Vorzeigebistum Basel geworfen. Nun gibt es weitere Vertuschungsvorwürfe gegen den Bischof Felix Gmür. In einem Gastbeitrag schreibt Denise Nussbaumer: «Die Fehler und die Vertuschung haben System.» Den Beteuerungen des Bischofs, dass Opfer im Zentrum stünden, kann sie nicht glauben.
Keine Kirchensteuergelder mehr für die Bischöfe – das kann sich die Präsidentin der Römisch-Katholischen Zentralkonferenz der Schweiz (RKZ) und Luzerner Synodalrätin, Renata Asal-Steger, vorstellen. «Ich schliesse nicht aus, dass wir zukünftig den Bischöfen die Geldzahlungen verweigern, sollte sich zu wenig bewegen.» Grundlegende Strukturen der Kirche müssten geändert werden, um Missbrauch im kirchlichen Kontext zu verhindern.
Das Bistum Basel kommt nicht zur Ruhe. 2011 soll sich Bischof Felix Gmür geweigert haben, einen Missbrauchsfall nach Rom zu melden. Er berief sich dabei auf die Verjährung. Es ist das zweite Mal innert einem Monat, dass Gmür Nichthandeln vorgeworfen wird.
Das Forschungsteam der Universität Zürich hatte Zugang zu den Archiven der Nuntiatur in Bern gefordert. Diese wird dem Team verweigert. Das erschwert die Aufarbeitung der Missbrauchsgeschichte der Schweizer Kirche. Die Nuntiatur ist die Vermittlerin zwischen den Schweizer Diözesen und Rom.
Der Termin stand schon lange in der Agenda. Alle fünf Jahre besucht der St. Galler Bischof die Gläubigen in Rapperswil-Jona SG. Am Freitagabend dominierte das Thema «Missbrauch» die Begegnung. «Wir stehen da mit Schmerz, es ist ein Schmerz des Versagens», sagte Büchel in der schlichten Eucharistiefeier. Anschliessend konnten Pfarreiangehörige die Fragen stellen, die ihnen seit Veröffentlichung der Pilotstudie zum Missbrauch in der Schweiz unter den Nägeln brennen.
Viele Opfer melden sich erst Jahre nach den Missbrauchstaten. Denn Verdrängen ist eine Überlebensstrategie, sagt die Psychologin und Traumatherapeutin Sheila Bachmann (58). Daten von Opfern an Täter weiterzugeben ist genauso retraumatisierend wie das Totschweigen von Missbrauch in der Kirche.
Die Westschweizer Anhörungskommission für Opfer von sexuellem Missbrauch in der katholischen Kirche (Cecar) kritisiert die Untersuchung der Kirche zu Vortuschungsvorwürfen gegenüber Schweizer Bischöfen. Es sei ein Fehler gewesen, sie dem Bischof von Chur anzuvertrauen, sagt die Cecar-Präsidentin.
Tobias Vögeli (28) hat im Berner Kantonsparlament zwei Motionen eingebracht. Die Subventionen an die katholische Landeskirche sollen eingefroren werden, bis diese ein tragfähiges Schutzkonzept vorlegt. Auch das kantonale Kirchengesetz soll verschärft werden. Die Missbrauchsvorstudie sei ihm «sehr nah gegangen».
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