Bischof Jean-Marie Lovey: «Wenn Bonnemain mir Vertuschung nachweist, trete ich zurück»
Derzeit wird eine Voruntersuchung gegen den Sittener Bischof Jean-Marie Lovey geführt. Er soll einen Missbrauchsfall vertuscht haben. Die Pilotstudie zeigte zudem: Akten wurden systematisch vernichtet. Das Bistum bestätigt, dass auch der Vorgängerbischof, Norbert Brunner, dies getan hat.
Jacqueline Straub
Ein Tag nach Veröffentlichung der Pilotstudie zu sexuellem Missbrauch versammelten sich etliche Medienschaffende im Bischofshaus in Sitten. Bischof Jean-Marie Lovey hat zu einer Pressekonferenz eingeladen.
Es ging darum, Stellung zum Schlussbericht der Pilotstudie zu nehmen – und daraus resultierende Massnahmen fürs Bistum aufzuzeigen. «Die Bischöfe nehmen die Ausführungen dieser Studie sehr ernst und hoffen und wünschen, dass deren Veröffentlichung zu einer besseren Anerkennung des zugefügten Leids führt», heisst es in einem Dokument für die Medienschaffende. «Dafür müssen die Verantwortlichen geradestehen und Verantwortung übernehmen.»
Ans kanonische Gesetz gehalten
Aus der Pilotstudie wird deutlich: Im Bistum Sitten wurden systematisch Akten vernichtet. Wer hierfür zur Verantwortung gezogen wird, kann nicht gesagt werden. «Es ist schwierig jemanden zu verurteilen, wenn er sich an das kanonische Gesetz gehalten hat», sagt Mediensprecher Paul Martone.
Nach zehn Jahren kann in den Archiven «aufgeräumt» und Akten vernichtet werden. Es sei «komisch» jemanden zu sanktionieren, für etwas, was Rom vorgeschrieben hat. Auf Rückfrage bestätigt Bischof Lovey: Sein Vorgänger, Norbert Brunner, hat Akten vernichtet. Lovey geht davon aus, dass auch andere Vorgänger wie Kardinal Schwery und Bischof Nestor Adam Akten vernichtet haben.
Es wäre nicht fair, den Vorgängern nun einen «Strick zu drehen», nur weil sie sich an das Kirchenrecht gehalten und die Akten vernichtet haben. «Entweder man hält sich an das Gesetz oder man ändert es», sagt Paul Martone.
Bischof muss selber entscheiden
Generalvikar Richard Lehner fügt hinzu, dass der Vorgängerbischof ja Spuren hinterlassen habe. Das was vernichtet wurde, sei ersichtlich. «Der Bischof muss selber entscheiden, welche Akten er vernichtet und welche nicht.»
Bei der Pressekonferenz betonte der Sittener Bischof, dass der von Papst Franziskus eingeleitete synodale Prozess wie eine «Vorsehung» sei. Denn sie wird das tun, was auch die Studie fordert: über Strukturen der Kirche nachdenken.
Vorerst kein Ruhenlassen
Derzeit läuft eine Untersuchung gegen den Bischof aus Sitten. Der Churer Bischof Joseph Bonnemain wurde vom Vatikan zum Sonderermittler eingesetzt, um zu untersuchen, ob mehrere Bischöfe aktiv Missbrauch vertuscht haben. Bis die Untersuchung abgeschlossen ist, gedenkt Bischof Jean-Marie Lovey nicht, sein Amt ruhen zu lassen. «Wenn Bonnemain mir Vertuschung nachweist, trete ich zurück», sagt er.
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