Am 8. Mai 2025 wählten die Kardinäle den US-Amerikaner Robert Prevost im vierten Wahlgang des Konklaves zum Papst. Unter dem Namen Leo XIV. leitet er seither die katholische Kirche. Inzwischen hat sich sein Pontifikat profiliert: erste programmatische Ansprachen, personelle Weichenstellungen und Akzente in Fragen von Reform, Einheit und Weltkirche geben Hinweise auf die Richtung seines kirchlichen Handelns. Dieses Dossier bündelt Hintergründe zur Wahl, zentrale Themen seines Pontifikats und die bisherigen Reaktionen.
Kardinal Robert Francis Prevost O.S.A. ist ein US-amerikanischer Ordensgeistlicher und hochrangiger Kurienkardinal, der seit 2023 das einflussreiche Dikasterium für die Bischöfe im Vatikan leitete. Er galt als enger Vertrauter von Papst Franziskus und wurde als möglicher Kandidat für das Papstamt gehandelt.
Frühes Leben und Ausbildung
Robert Prevost wurde am 14. September 1955 in Chicago, Illinois, geboren und wuchs in Dolton auf, einem Vorort im Süden der Stadt. Seine Familie war tief im katholischen Gemeindeleben verwurzelt. Er besuchte die St. Mary of the Assumption Parish und engagierte sich früh als Ministrant und Lektor in seiner Pfarrei. Nach dem Abitur trat er 1977 in das Noviziat des Augustinerordens ein und legte 1981 seine feierlichen Ordensgelübde ab. Er studierte Theologie an der Catholic Theological Union in Chicago und erwarb später ein Lizenziat und einen Doktortitel im Kirchenrecht an der Päpstlichen Universität Heiliger Thomas von Aquin in Rom.
Missionarische Tätigkeit in Peru
Ab Mitte der 1980er-Jahre war Prevost als Missionar in Peru tätig, insbesondere in der Territorialprälatur Chulucanas und später in Trujillo. Dort übernahm er vielfältige Aufgaben: als Prior, Ausbildungsleiter, Dozent für Kirchenrecht und Moraltheologie sowie als Kirchengerichtsvikar. Seine tiefe Verbundenheit mit dem Land führte dazu, dass er die peruanische Staatsbürgerschaft im Jahr 2015 annahm.
Leitungsfunktionen im Orden und in der Kirche
1999 wurde Prevost zum Provinzial der Augustiner in den USA gewählt. Bereits zwei Jahre später, 2001, wählte ihn das Generalkapitel zum Generalprior des weltweiten Augustinerordens – ein Amt, das er zwölf Jahre lang innehatte. 2014 ernannte ihn Papst Franziskus zum Apostolischen Administrator der Diözese Chiclayo in Peru und später zum Bischof dieser Diözese. Von 2015 bis 2023 leitete er die Diözese und war zudem Vizepräsident der peruanischen Bischofskonferenz.
Aufstieg in der römischen Kurie
2020 wurde Prevost Mitglied der Kongregation für die Bischöfe. Im Januar 2023 ernannte ihn Papst Franziskus zum Präfekten des Dikasteriums für die Bischöfe. Dieses Dikasterium ist zuständig für die sogenannten Ad-limina Besuche der Bischöfe aus aller Welt. Zudem ist er als Präfekt dieses Dikasteriums massgeblich an der Auswahl und Ernennung von Bischöfen weltweit beteiligt. Prevost arbeitete im Dikasterium für die Bischöfe auch mit drei von Papst Franziskus im Jahr 2022 ernannten Frauen zusammen. Darunter ist auch Sr. Raphaela Petrini, die seit März 2025 Regierungschefin des Vatikans ist. Prevost war ebenfalls Präsidenten der Päpstlichen Kommission für Lateinamerika. Am 30. September 2023 wurde er zum Kardinaldiakon der Titelkirche Santa Monica erhoben.
Theologisches Profil und Bedeutung
Kardinal Prevost gilt als gemässigter Reformer, der traditionelle Lehre mit pastoraler Offenheit verbindet. Er betont die Bedeutung synodaler Prozesse und legt Wert auf eine Kirche, die zuhört und auf die Bedürfnisse der Gläubigen eingeht. Sein Wahlspruch lautet: In illo uno unum – „In dem einen (Christus) sind wir eins“.
13 Päpste hiessen bisher Leo. Unter ihnen war Leo der Grosse (440-461), der als einer von nur zwei Päpsten diesen besonderen Beinamen trägt. Der bislang letzte war Leo XIII. (1878-1903), der das Papsttum auf die Schiene ins 20. Jahrhundert setzte. Leo der XIII. schrieb die Sozialenzyklika «Rerum Novarum». Indem Leo XIV diesen Namen wählte, setzt er ein Zeichen. Mit dem Namen Leo verbindet man in der neueren Kirchengeschichte den Auftakt der Soziallehre in der römisch-katholischen Kirche. Die Soziallehre der römisch-katholischen Kirche legt grundlegende ethische Prinzipien für das gesellschaftliche Zusammenleben vor. Sie gibt Orientierung zu Themen wie Gerechtigkeit, Menschenwürde, Solidarität, Familie, Wirtschaft, Arbeit, Umwelt und Frieden.
Die Wahl dieses Namens lässt hoffen, dass Leo XIV. sich für ein gerechtes Zusammenleben aller einsetzen wird. Dazu wird ihm seine Erfahrung aus Lateinamerika den Blick geschärft haben.
Das Wappen von Papst Leo XIV. ist eine Weiterentwicklung seines bisherigen Wappens als Bischof und Kardinal. Es vereint marianische und augustinische Elemente und symbolisiert damit seine spirituelle Ausrichtung sowie seine Zugehörigkeit zum Augustinerorden.
Der Wappenschild:
Der Wappenschild ist geteilt:
- blaues Feld: eine silberne Lilie, die Reinheit und Unschuld symbolisiert und auf die Gottesmutter Maria verweist.
- silbernes Feld: ein rotes, brennendes Herz, das von einem Pfeil durchbohrt ist und auf einem geschlossenen Buch ruht. Dieses Motiv ist das Heiligenattribut des heiligen Augustinus.
Äussere Insignien:
Wie bei seinen unmittelbaren Vorgängern ersetzt Papst Leo XIV. die traditionelle Tiara durch eine dreibandige Mitra. Hinter dem Schild befinden sich die gekreuzten Schlüssel Petri – ein goldener und ein silberner –, die von einer roten Kordel zusammengehalten werden. Diese Symbole stehen für die päpstliche Autorität und die Bindungs- und Lösegewalt auf Erden und im Himmel.
Wahlspruch:
Der Wahlspruch “In illo Uno unum“ (“In dem Einen sind wir eins“) ist einem Kommentar des Heiligen Augustinus zu Psalm 127 von Salomo entnommen.. Er betont die Einheit der Kirche in Christus und spiegelt das Bestreben von Papst Leo XIV. wider, Brücken zu bauen und die Gemeinschaft der Gläubigen zu stärken.
Am 4. Oktober 2025 hat Papst Leo XIV. sein erstes Lehrschreiben «Dilexi te» in Form einer Apostolischen Exhortaion herausgegeben. Der Titel ist der Offenbarung des Johannes 3,9 entnommen: «Ich (habe) dir meine Liebe zugewandt.» Papst Leo befasst sich in seinem Lehrschreiben mit Fragen der Armut, des caritativen Handelns der Kirche und den globalen Märkten. Einige der Teile wurden von Papst Franziskus verfasst. Papst Leo XIV. hat das Dokument übernommen, ergänzt und nun veröffentlicht. «Dilexi te» erklärt die Haltung und die Verantwortung der Kirche für die Armen und Benachteiligten. Die katholische Soziallehre spielt in diesem Lehrschreiben eine wichtig Rolle, ebenso die strukturellen Ursachen für die Armut. Apostolische Exhortationen geben nicht die Lehre der Kirche vor, sondern sind Anregungen oder Ermutigungen zu einem bestimmten Thema oder einer bestimmten Praxis.
Apostolische Exhortation Dilexi te von Papst Leo XIV. über die Liebe zu den Armen
