Sechs Schweizer Bischöfen wird Vertuschung vorgeworfen. Die Vorwürfe sind so massiv, dass der Vatikan Bischof Joseph Bonnemain als Sonderermittler eingesetzt hat. Er ermittelt gegen seine Mitbrüder Jean-Marie Lovey, Charles Morerod, Alain de Raemy und Jean-Claude Périsset. Die Schweizer Bischofskonferenz bestätigt die laufenden Ermittlungen in einer Medienmitteilung.
Liliane Gross ist Präsidentin der «Kommission Genugtuung» der Schweizer Bischofskonferenz. Zentrales Kriterium für die Kommission ist nicht mehr nur die Schwere des Missbrauchs, sondern «wie sehr das Leben der betroffenen Person durch den Missbrauch geprägt wurde». Die Schweiz liegt bei Genugtuungsleistungen im europäischen Ranking weit hinten.
Das Bistum Limburg sieht sich bei der Aufarbeitung und Vorbeugung von Missbrauch gut aufgestellt. In den vergangenen drei Jahren seien dazu zahlreiche Empfehlungen von Experten umgesetzt worden. Bischof Georg Bätzing, der auch Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz ist, sprach an einer Pressekonferenz von Weichenstellungen für einen tiefgreifenden Kulturwandel.
Am 12. September erscheint die historische Pilotstudie zu sexuellem Missbrauch in der katholischen Kirche Schweiz. Ein Meilenstein in der Aufarbeitung eines dunklen Kapitels. Das Bemühen um einen verantwortungsvollen Umgang mit Missbrauch im kirchlichen Kontext und um Prävention setzte um die Jahrtausendwende ein. Ein Rückblick.
Georg Bier ist Professor für Kirchenrecht an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. Im Interview erklärt er die «Meldepflicht» und unter welchen Bedingungen ein Bischof seines Amtes enthoben werden kann. Gläubige könnten zwar den Rücktritt eines Bischofs fordern, aber kirchenrechtlich stehen ihnen keine Mittel zur Verfügung, diesen durchzusetzen.
Der Vorstand der Interessengemeinschaft für Missbrauchsbetroffene im kirchlichen Umfeld (IG-MikU) ist «erschüttert über den Umgang von Kirchenoberen mit Betroffenen». Er fordert «eine transparente und proaktive Kommunikation der Verfahrensabläufe».
Das Bistum Basel wusste im August 2019: Es muss den Fall Nussbaumer nach Rom melden. Dass dieser Schritt wider besseres Wissen unterlassen wurde, wirft Fragen auf. Genau wie der Umstand, dass das Bistum keine administrative Untersuchung will. Eine Spurensuche.
Der «Beobachter» hat schwere Fehler beim Umgang mit Missbrauch im Bistum Basel aufgedeckt. Denise Nussbaumer hat den Prozess als «kafkaesk» und «zynisch» erlebt. Die Stellungnahme des Bistums hat sie «positiv überrascht», eine persönliche Entschuldigung ist bisher allerdings ausgeblieben. Es bleiben viele offene Fragen.
Wegen «glaubwürdiger und substantieller» Vorwürfe des sexuellen Missbrauchs entliess Papst Franziskus ihn 2019 aus dem Klerikerstand. Aber einem Strafprozess entgeht der ehemalige Kardinal Theodore McCarrick nun. Aufgrund seiner fortgeschrittenen Demenz wurde der Prozess in Massachusetts eingestellt. Das mutmassliche Opfer ist enttäuscht: «Er geht als freier Mann und mir bleibt nichts.»
Der heute 67-Jährige ist als Jugendlicher geschlagen, gedemütigt und sexuell missbraucht worden. Und zwar durch Ordensmänner, welche die Arbeitserziehungsanstalt in Bad Knutwil LU führten. Endlich in Freiheit, half ihm der Zürcher Obdachlosenpfarrer Ernst Sieber, im Leben Fuss zu fassen. «Das war ein Lottosechser», sagt Mario Delfino. 2019 war er in Privataudienz bei Papst Franziskus.
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