Papst Franziskus entschuldigt sich in Kanada für die Verbrechen der katholischen Kirche im Kolonialismus. Papst Benedikt XVI. behauptet hingegen in Brasilien, die indigenen Völker Amerikas hätten «sich im Stillen nach Christus gesehnt». Odilo Noti spricht im kath.ch-Interview über das schwierige Verhältnis von Joseph Ratzinger zur Befreiungstheologie.
Der deutsche Kurienkardinal Walter Kasper hat sich gegen eine schnelle Heiligsprechung von Benedikt XVI. ausgesprochen. Man fahre nicht mit einem Hochgeschwindigkeitszug in den Himmel, kommentierte der Kirchenmann die «Santo subito»-Diskussion gegenüber der Zeitung «La Repubblica».
Seit Sonntagmorgen ist das Grab von Benedikt XVI. für die Öffentlichkeit zugänglich. Die letzte Ruhestätte des früheren deutschen Papstes befindet sich in der Nähe des Petrusgrabes in den Vatikanischen Grotten unter dem Petersdom.
Aus Sicht des US-Kardinals Wilton Gregory hat sich der verstorbene Papst Benedikt XVI. – wenn auch nicht explizit in seinen Schriften – doch durch sein Weltbild gegen Rassismus positioniert.
In den italienischen Medien geht die Debatte um das demnächst erscheinende Buch von Erzbischof Georg Gänswein weiter. Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin versucht, die Wogen zu glätten. Zwar seien zwei lebende Päpste eine «potenziell delikate Situation». Aber: Franziskus und Benedikt seien brüderlich verbunden gewesen.
Joseph Ratzinger war in der katholischen Kirche ganz und gar eine öffentliche Person mit höchsten Ämtern und grössten Machtbefugnissen – schon als Erzbischof von München, vor allem aber als Präfekt der Kongregation für die Glaubenslehre und als Papst Benedikt XVI. Da wäre es schlicht sträflich, wegen des Respekts dem Verstorbenen gegenüber vom Negativen zu schweigen.
Der Präsident der Schweizer Bischofskonferenz, Felix Gmür, würdigt in Bern Benedikt XVI. als grossen Theologen und intellektuellen Papst. Der Dreikönigstag passe perfekt, um des verstorbenen Pontifex zu gedenken: Wie die Heiligen Drei Könige habe Benedikt XVI. die Wahrheit gesucht, gefunden – und sie verkündet.
Die italienische Zeitung «Il Giornale» veröffentlicht einen Auszug aus Georg Gänsweins Enthüllungsbuch. Darin geht’s um die Entmachtung von Benedikts Weggefährten im Jahr 2020. Papst Franziskus habe ihn gedemütigt und zum «halbierten Präfekten» gemacht, kritisiert Gänswein. Eine Intervention von Benedikt XVI. sei folgenlos geblieben.
Benedikt XVI. liegt in einem Zypressensarg, der wiederum in einem Zink- und Eichensarg liegt. Warum der Aufwand? Zypresse stehe für die Unsterblichkeit der Seele, sagt ein Bestattungsexperte. Der Zinksarg schliesse den Inhalt «quasi luftdicht» ab. Italien lege mehr Wert auf die Sargqualität: «Wir führen in Zürich spezielle Italiener-Särge, die teurer sind als herkömmliche Särge.»
Früher lehrte Rudolf Voderholzer (63) an der Uni Freiburg. Zusammen mit Erzbischof Georg Gänswein dürfte er der wichtigste Mann sein, was die Deutungshoheit von Benedikt XVI. betrifft. Der Bischof von Regensburg verwaltet Benedikts Nachlass.
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