Viele Opfer melden sich erst Jahre nach den Missbrauchstaten. Denn Verdrängen ist eine Überlebensstrategie, sagt die Psychologin und Traumatherapeutin Sheila Bachmann (58). Daten von Opfern an Täter weiterzugeben ist genauso retraumatisierend wie das Totschweigen von Missbrauch in der Kirche.
Die Westschweizer Anhörungskommission für Opfer von sexuellem Missbrauch in der katholischen Kirche (Cecar) kritisiert die Untersuchung der Kirche zu Vortuschungsvorwürfen gegenüber Schweizer Bischöfen. Es sei ein Fehler gewesen, sie dem Bischof von Chur anzuvertrauen, sagt die Cecar-Präsidentin.
Tobias Vögeli (28) hat im Berner Kantonsparlament zwei Motionen eingebracht. Die Subventionen an die katholische Landeskirche sollen eingefroren werden, bis diese ein tragfähiges Schutzkonzept vorlegt. Auch das kantonale Kirchengesetz soll verschärft werden. Die Missbrauchsvorstudie sei ihm «sehr nah gegangen».
Die Stadtluzerner Peterskapelle widmet den sieben Todsünden ein einwöchiges Festival. Der Todsünde Zorn konnten jüngst Besucherinnen und Besucher ihren freien Lauf lassen, indem sie ihre Emotionen zum aktuellen Missbrauch in der katholischen Kirche an einen Baumstumpf nagelten. Das visuelle Ergebnis bekommt Bischof Felix Gmür als Foto zugeschickt.
Neue Geistliche Gemeinschaften neigen offenbar besonders zu Fehlentwicklungen, unter denen die Mitglieder leiden. Hannah A. Schulz (61) kennt die Schwachstellen junger Gemeinschaften: «Je erfolgreicher die Neugründungen werden, um so grösser die Tendenz zum Grössenwahn», sagt sie. Die Expertin für spirituellen Missbrauch weiss auch, was Abhilfe schaffen könnte.
Nach der Schweizer Untersuchung zu Missbrauch in der Kirche fordert nun auch der Verein für offene Kirche eine Missbrauchsstudie zum Erzbistum Vaduz: Auch Liechtenstein sei «keine Insel der Glücksseligkeit», ist Klaus Biedermann, Vorstandsmitglied des Vereins, überzeugt. Missbrauchsfälle im Bistum Chur könnten durchaus die Amtszeit von Wolfgang Haas in Chur tangieren.
Stefan Loppacher, Kirchenrechtler, Präventionsbeauftragter und Sprecher des Gremiums «Sexuelle Übergriffe» der SBK äussert sich gegenüber Medien. Die Räson gewisser Bischöfe sei «totaler Schwachsinn». Sex mit einer Frau sei lange als schlimmer bewertet worden als Missbrauch eines Buben. Er erwartet bis zu 15'000 Fällen sexuellen Missbrauchs im kirchlichen Umfeld.
Die Pilotstudie zu sexuellem Missbrauch und die jüngsten Vertuschungsvorwürfe an Bischöfe zeigen: Die Kirche hat systemische Probleme, die nicht der Vergangenheit angehören. Die von Bischof Bonnemain angekündigten Massnahmen greifen zu kurz. Es braucht Veränderungen am System. Eine Analyse.
Dass der Vatikan eine Untersuchung gegen die Schweizer Bischöfe eingeleitet hat, die Missbrauch vertuscht haben sollen, ist richtig. Aber wie er das tut, ist unmöglich. Es manövriert den beauftragten Bischof Bonnemain in mehrfache Loyalitätskonflikte hinein. Die Lösung wäre: ein unabhängiges Untersuchungsgremium.
Konfrontiert mit einem konkreten Missbrauchsfall in St. Gallen hat Bischof Markus Büchel zum mutmasslichen Täter E. M. gesagt: «Mir ist der Name des Priesters nicht bekannt. Die Identifikation läuft.» Jetzt korrigiert das Bistum diese Aussage. Dem Bischof sei der Name des Täters sehr wohl bekannt.
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