Dass der Vatikan eine Untersuchung gegen die Schweizer Bischöfe eingeleitet hat, die Missbrauch vertuscht haben sollen, ist richtig. Aber wie er das tut, ist unmöglich. Es manövriert den beauftragten Bischof Bonnemain in mehrfache Loyalitätskonflikte hinein. Die Lösung wäre: ein unabhängiges Untersuchungsgremium.
Konfrontiert mit einem konkreten Missbrauchsfall in St. Gallen hat Bischof Markus Büchel zum mutmasslichen Täter E. M. gesagt: «Mir ist der Name des Priesters nicht bekannt. Die Identifikation läuft.» Jetzt korrigiert das Bistum diese Aussage. Dem Bischof sei der Name des Täters sehr wohl bekannt.
Der Bischof von Lausanne, Genf und Freiburg (LGF), Charles Morerod, hat den Rücktritt von seinem Amt nicht ausgeschlossen. Sollte er feststellen, dass er grosse Fehler gemacht habe, sei es besser zu gehen, sagte er in einem Interview. Er sprach in der Zeitung «La Liberté» von einer «Befreiung».
Markus Büchel bestätigt, dass er erstmals am 5. September vom Fall des Ostschweizer Priesters E. M. Kenntnis erhielt und unmittelbar eine Voruntersuchung ausgelöst hat. «Mir ist der Name des Priesters nicht bekannt. Die Identifikation läuft.» Einen Rücktritt schliesst er vorläufig aus: «Ich will das Ergebnis der Voruntersuchung abwarten.» Die Missbrauchsbetroffene Vreni Peterer zeigt sich «schwer enttäuscht von Bischof Ivo Fürer».
1002 Fälle, 510 Beschuldigte, 921 Betroffene: Die Zahlen sind erschreckend. Die kirchliche Basis schweigt nicht dazu. Von kath.ch befragte Seelsorgende reagieren auf die Missbrauchsstudie, die am Dienstag an der Universität Zürich präsentiert wurde. Mit klaren Worten.
Derzeit wird eine Voruntersuchung gegen den Sittener Bischof Jean-Marie Lovey geführt. Er soll einen Missbrauchsfall vertuscht haben. Die Pilotstudie zeigte zudem: Akten wurden systematisch vernichtet. Das Bistum bestätigt, dass auch der Vorgängerbischof, Norbert Brunner, dies getan hat.
Monika Dommann und Marietta Meier leiten das Forschungsprojekt zum Missbrauch in der katholischen Kirche. Zusammen mit ihrem Mitarbeiter Lucas Federer geben sie Einblicke in ihre Arbeit. Ein Gespräch über Geheimarchive, Aktenvernichtung und die Frage: Warum schaut die Kirche bei Missbrauch weg?
Der Jesuitenpater Hans Zollner war bis 2023 Mitglied der Päpstlichen Kinderschutzkommission. Er äussert sich zur gerade veröffentlichten Missbrauchsstudie der Universität Zürich und sagt, dass «der Bericht ein Weckruf sein soll an alle, die sich dem christlichen Glauben und der katholischen Kirche angehörig fühlen».
Jean César Scarcella wird Missbrauch vorgeworfen. Gegen ihn ermittelt der apostolische Sonderermittler Joseph Bonnemain. Am Mittwochmorgen kündigte Scarcella an, dass er sein Amt ruhen lasse, bis die Ermittlungen abgeschlossen seien. Als Abt der Territorialabtei Saint-Maurice ist Scarcella Mitglied der Schweizer Bischofskonferenz
Der Bericht der Zürcher Historikerinnen und Historiker hat es in sich. Er zeigt: Akten zu sexuellem Missbrauch wurden teilweise vernichtet. Archive wurden unseriös geführt. Das systemische Problem bleibt bestehen, solange die Nuntiatur in Bern und der Vatikan abblocken. Aufarbeitung ist dann nur im Stückwerk möglich.
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