Der deutsche Historiker Klaus Grosse Kracht bezeichnet die Aufarbeitung von Missbrauch in der Kirche als «gesamtgesellschaftliche Aufgabe». Er verlangt dafür dringend Zugang zu Akten.
Der Kommunikationschef der Zürcher Kirche geisselt die Vermeidungshaltung der Churer Bistumsleitung. Diese hat einen «verhaltensauffälligen Priester» in ein Frauenkloster abgeschoben. «Wer für ‹normale Leute› nicht zumutbar ist, ist für Ordensschwestern offenbar noch immer gut genug».
Der römisch-katholische Priester Stefan Loppacher gibt im «Beobachter» mehr Brisantes von sich preis. Etwa dass er sich bereits als Seminarist verliebt hat – ihm aber dann mit dem Teufel gedroht wurde. Und dass er keine Liturgie mehr erträgt.
Der vatikanische Präventionsbeauftragte äussert sich zur Schweizer Missbrauchsstudie. «Vertuschen und Leugnen des Missbrauchs durch die Kirchenoberen» sei für viele der eigentlichen Skandal. Nicht nur Bischöfe, sondern auch Laien müssen Verantwortung übernehmen. Nur so kann die Kirche verlorenes Vertrauen zurückgewinnen, sagt Hans Zollner.
Der Bund wird keine Untersuchung über den sexuellen Missbrauch in der katholischen Kirche initiieren. Eine entsprechende Motion wurde abgelehnt, da die Verantwortung bei den Kantonen liege. Im Wallis wird die Politik hingegen aktiv.
Die kirchliche Bewegung «Reformen jetzt« hat sich mit Verantwortlichen des Bistums St. Gallen getroffen. Die Beteiligten fordern ein Mitspracherecht bei der künftigen Bischofswahl und Respekt vor der Privatsphäre der Seelsorgenden. «Bischof und Bistumsleitung sehen und anerkennen die Initiative als einen wichtigen Beitrag zur Entwicklung der Kirche in unserem Bistum», teilt das Bistum mit.
Der Walliser Bildungsdirektor Christophe Darbellay hat es bereits angekündigt. Nun soll die Vereinbarung zwischen Schule und Kirchen überprüft werden. Dies wegen den mutmasslichen Missbrauchsfällen in der Abtei Saint-Maurice – und den an Schulen tätigen Chorherren.
Die Meditationslehrerin Heide-Rose Decurtins (80) hat den früheren Leiter der ökumenischen Gemeinschaft von Beinwil SO kennengelernt: als einen Menschen, der «tief in seinem Sein» ist. Sie ist «total erschreckt» ob der Missbrauchsvorwürfe gegen ihn. Selber hat sie ihn in positiver Erinnerung.
Am 19. November enthüllt RTS Missbrauchsvorwürfe gegen neun Chorherren der Abtei Saint-Maurice. Seither sind mehr als ein Dutzend weiterer Anzeigen bei den Walliser Strafverfolgungsbehörden eingegangen. «Jede Anzeige werde berücksichtigt», heisst es aus Ermittlerkreisen.
Seit der Veröffentlichung der Pilotstudie «Missbrauch im kirchlichen Umfeld» werden die Forderungen nach Veränderungen innerhalb der Kirche lauter. Der Jesuitenpater Hans Zollner hat die Missbrauchsstudie der Universität Zürich umfassend analysiert. Er beobachtet in den Reaktionen auf den Bericht «dieselben destruktiven Muster wie zuletzt in Deutschland oder Frankreich».
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