Den Kampf der katholischen Kirche gegen den sexuellen Missbrauch Minderjähriger durch Geistliche will Papst Franziskus weltweit verstärken. Dies teilte er in einem Schreiben an Bischöfe und Experten in Lateinamerika mit.
Laut Kinderschutzexperte Hans Zollner mangelt es in der katholischen Kirche an einheitlichen Bewertungskriterien für künftige Priester. Zudem fehle es an speziellen Eignungstests für diese Berufsgruppe, so der Jesuit in einem Interview mit Psychiater Stefano Lassi. Auch gebe es keine Tests, die darauf schliessen lassen, wie Priester ticken.
Kirchliche Amtsträger haben lange ihre Augen vor sexuellem Missbrauch verschlossen. Eine Studie für das Bistum Essen benennt Priesterseminare als «eigenwillige Sozialisationsmilieus» und fordert Ausbilder auf, deutlich zwischen sexualisierter Gewalt, Homosexualität und Zölibatsbruch zu unterscheiden.
Neue Recherchen von «Correctiv» und Bayerischem Rundfunk werfen die Frage auf, ob Kardinal Joseph Ratzinger, der spätere Papst Benedikt XVI., im Fall des mehrfachen Missbrauchstäters H. früher hätte reagieren müssen.
Dem slowenischen Priester und Mosaikkünstler Marko Rupnik sind ab sofort öffentliche Auftritte verboten. Diese Verschärfung der disziplinarischen Massnahmen beschloss der Jesuitenorden nach Anhörung zahlreicher Zeugen.
Die Zeitschrift «Beobachter» kritisiert die Schweizer Bischöfe. Missbrauchsopfer würden nicht aktiv informiert, dass sie Anspruch auf Entschädigung haben. Und Abt Urban Federer hält ein Gutachten zum Missbrauch im Kloster Einsiedeln unter Verschluss. «Die Bischöfe sollen eine Selbstverpflichtung abgeben, keine Akten mehr zu vernichten», fordert Vreni Peterer.
Laut Bischof Charles Morerod soll es in seiner Diözese weder geistlichen noch sexuellen noch Machtmissbrauch geben. Er begrüsst darum die Einführung eines Verhaltenskodexes über den Umgang mit Macht.
Ein Chorherr vom Grossen Sankt Bernhard hat Anfang 1980er-Jahre einen Schüler sexuell missbraucht. Das hält das Kirchengericht fest und bestraft ihn mit einem zehnjährigen Sakramentenspende-Verbot und fünfjährigem Hausarrest. Der Verurteilte bleibt Kleriker.
Die Schweizerische Evangelische Allianz hat das Netzwerk «Gemeinsam gegen Grenzverletzung» gegründet. Dabei gehe es um einen «professionellen, achtsamen und offenen Umgang mit grenzverletzendem Verhalten», teilten die Freikirchen mit. Die Churer Präventionsbeauftragte Karin Iten hielt ein Vortrag über spirituellen Missbrauch.
In einem Gastbeitrag schreibt Alois Riklin über die «grösste Fehlleistung» Joseph Ratzingers im Missbrauchsskandal. Durch die absolute Gehorsamspflicht wurden nicht nur die Bischöfe zur Geheimhaltung verpflichtet. Auch Opfer wurden eingeschüchtert.
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