Helena Jeppesen-Spuhler, vor dem bewachten Eingang zum Weltsynode-Saal Aula Paolo VI., Oktober 2024
Schweiz

Helena Jeppesen-Spuhler: «Schlussdokument der Synode regt an auszuprobieren»

Zurzeit konferieren im österreichischen Puchberg bei Wels rund 180 internationale Teilnehmende über die Zukunft der Synodalität in Europa. Helena Jeppesen-Spuhler von Fastenaktion, Weltsynodenteilnehmerin und Mitorganisatorin der Tagung, erzählt kath.ch im Interview über Ziele der Konferenz.

Wolfgang Holz

Frau Jeppesen-Spuhler, Sie sind ja Mitorganisatorin der Konferenz Synodalität in Europa. Wie sind Sie mit dem Stand und dem Verlauf der Konferenz bislang zufrieden?

Helena Jeppesen-Spuhler: Die Organisation vor Ort hier liegt vor allem bei Professorin Klara Csiszar und dem Institut für Synodalität der KU Linz, die das Symposium in sehr angenehmen Rahmen und mit vielen kreativen methodischen Ideen umgesetzt haben.

Das Programm der internationalen Synodalitätskonferenz
Das Programm der internationalen Synodalitätskonferenz

Die Task Force des Rates der europäischen Bischofskonferenzen (CCEE) hat das Ganze vorbereitet, begleitet hier im Hintergrund – und denkt bereits über dieses Treffen hinaus. Ich bin zufrieden mit dem bisherigen Verlauf, der viele Begegnungen möglich macht und Austausch in Gang bringt, den wir in der europäischen Kirche dringend brauchen.

«Auch wenn die katholische Kirche in der Gesellschaft weniger beachtet wird, ist das synodale Kirchesein glaubwürdig und ‹ein prophetisches Zeichen› in der Welt.»

«In unseren Gesellschaften wird viel gesprochen und wenig gehört»: Mit dieser Diagnose hat Kardinal Jean-Claude Hollerich zum Auftakt der internationalen Tagung den Anspruch der katholischen Kirche beschrieben, über innerkirchliche Reformen hinaus auch einen Beitrag zum gesellschaftlichen Zusammenleben zu leisten. Was meint er damit und wie aussichtsreif ist diese These angesichts der schwindenden Bedeutung der katholischen Kirche in den europäischen Gesellschaften?

Jeppesen-Spuhler: Die Treffen in den Tischgruppen hier in Wels zeigen, dass dieses Zuhören und Einander-ernst-nehmen innerkirchlich in Europa wirklich notwendig sind, denn nur wenn wir voneinander wissen und uns besser kennen, lassen wir neue Erfahrungsräume in Ost und West zu. Nur dann lassen wir auch Verschiedenheit zu. Auch wenn die katholische Kirche in der Gesellschaft weniger beachtet wird, ist das synodale Kirchesein glaubwürdig und «ein prophetisches Zeichen» in der Welt, wie es das Schlussdokument sagt: Dialog, Partizipation, Spannungen zuzulassen und von diesen zu lernen. Dadurch kann auch eine polarisierte Gesellschaft einen Impuls bekommen.

Arbeitsgruppen während der Konferenz
Arbeitsgruppen während der Konferenz

«In Albanien wird die Umsetzung der Synodalität anders angegangen als in Schweden oder in der Schweiz.»

Es soll über Synodalität in Europa gesprochen werden bei der Konferenz. Geht es dabei darum, einfach mal zu schauen, welche Arten und Varianten von Synodalität in Europa derzeit bestehen, oder soll es auch darum gehen, einen einheitlichen Weg in Sachen Synodalität zu entwickeln?

Jeppesen-Spuhler: Im Vordergrund stehen hier der Austausch zum Stand der Umsetzung der Synode und die Begegnung unter den 187 Teilnehmenden. Das Schlussdokument der Synode regt an auszuprobieren. Es wird viele Wege geben, in den unterschiedlichen Kontexten in Europa eine synodale Kirche zu gestalten. Einen einheitlichen Weg anzustreben würde der Synode widersprechen. In Albanien wird die Umsetzung anders angegangen als in Schweden oder in der Schweiz.

«Die Schweizer Delegation ist die zweitgrösste.»

Wie viele und welche Vertreter der Schweiz sind denn präsent an der Konferenz und haben sich diese schon inhaltlich eingebracht?

Jeppesen-Spuhler: Die Schweizer Delegation ist die zweitgrösste. Die neun Teilnehmenden aus der Schweiz sind in unterschiedlichen Gruppen eingeteilt. Da bringen sich alle ein. Einige moderieren Gruppen, andere sind Sekretäre und Sekretärinnen der Gruppe, wieder andere sind Teilnehmende. Es gab auch Schweizer Fragen im Plenum. Ich nahm gestern an einem Podium zur Frage teil, was dringend weiterbearbeitet werden muss und was im synodalem Prozess in Europa weggelassen werden kann. (siehe Box unten)

Der tschechische Geistliche Tomas Halik
Der tschechische Geistliche Tomas Halik

Treten Sie als Mitorganisatorin der Konferenz auch mit einer eigenen Position zur Synodalität auf?

Jeppesen-Spuhler: Für mich ist eines der wichtigen Anliegen, dass wir die Gleichberechtigung in der katholischen Kirche vorantreiben, weil daran die Glaubwürdigkeit einer synodalen Kirche gemessen wird, die auf der gleichen Würde in der Taufe basiert. Ein zweiter wichtiger Aspekt ist für mich die Einführung von Rechenschaftspflicht und Transparenz in den Kirchenstrukturen, um die systemischen Ursachen von Missbrauch anzugehen.

Sollen die erarbeiteten Positionen zur Synodalität am Ende der Konferenz auch in die nächste vatikanische Weltsynode einfliessen und diese beschleunigen?

Jeppesen-Spuhler: Ja, die Diskussionen hier sollen in einem weiteren Symposium nächstes Jahr im Oktober im belgischen Louvain weitergeführt und dann in die europäische kirchliche Versammlung 2028 eingebracht werden.

«Nur gleichberechtigte Kirche strahlt aus»

Die Schweizer Synodenteilnehmerin Helena Jeppesen-Spuhler verwies bei der Synodalitätskonferenz in Österreich auf die Bedeutung der persönlichen Begegnung. Die Erfahrungen aus der Weltsynode und den europäischen Treffen hätten deren Wichtigkeit aufgezeigt. Begegnungen und Austausch veränderten den Diskurs. Europa müsse deshalb auf dem synodalen Weg weitergehen und die Ergebnisse der Synode in den Ortskirchen umsetzen.

Eine zentrale Frage sei dabei die Stellung der Frauen in der Kirche: «Synodale Kirche kann nur ausstrahlen, wenn sie eine gleichberechtigte Kirche ist», so die Programmverantwortliche für die Philippinen beim Hilfswerk «Fastenaktion».

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Die Frage der Gleichberechtigung der Frau müsse deshalb auch in der Weltkirche weiter angesprochen werden. Eine weitere Spannung wurde beim Thema Migration und Europas Aussengrenzen sichtbar. Jeppesen-Spuhler betonte, die Kirche müsse sich weiterhin für «Gerechtigkeit, Diakonie, die Schwächsten in unseren Gesellschaften» einsetzen. Auch die Frage der Migration müsse dabei eine wichtige Rolle spielen. Die Kirche verfüge zugleich über ein grosses internationales Netzwerk kirchlicher und nichtkirchlicher Akteure, die sich für Gerechtigkeit und Transformation einsetzten. (KAP)


Helena Jeppesen-Spuhler, vor dem bewachten Eingang zum Weltsynode-Saal Aula Paolo VI., Oktober 2024 | © Regula Pfeifer
16. September 2026 | 16:00
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