Was macht Karin Iten bei den Freikirchen?
Die Schweizerische Evangelische Allianz hat das Netzwerk «Gemeinsam gegen Grenzverletzung» gegründet. Dabei gehe es um einen «professionellen, achtsamen und offenen Umgang mit grenzverletzendem Verhalten», teilten die Freikirchen mit. Die Churer Präventionsbeauftragte Karin Iten hielt einen Vortrag über spirituellen Missbrauch.
Regula Pfeifer
Die Schweizerische Evangelische Allianz (SEA) hat das Netzwerk «Gemeinsam gegen Grenzverletzung» gegründet. Sie haben zur Auftaktveranstaltung einen Vortrag gehalten. Warum?
Karin Iten*: Als Geschäftsführerin der Fachstelle Limita habe ich neben weiteren Landeskirchen auch Freikirchen beraten. Ich war vor drei Jahren bei der Ausrichtung und Initiierung der SEA-Charta kurz involviert. Die SEA nimmt und nahm in ihren Grundlagen dazu die Ansätze und Bausteine der Fachstelle Limita auf und orientiert sich klar daran. Aktuell habe ich keine weitere Rolle inne. Ich wurde lediglich als Referentin für die Startkonferenz eingeladen. Ich habe zu spirituellem Missbrauch referiert, weil ich es wichtig finde, dieses Thema explizit aufzunehmen.
Wie schätzen Sie das neue Netzwerk gegen Grenzverletzungen ein?
Iten: Es ist wertvoll, sich zu vernetzen, voneinander zu lernen und gegenseitig von der präventiven Arbeit zu profitieren. Die Vernetzung muss jedoch immer auch über den kirchlichen Bereich hinaus passieren. So orientiert sich die erarbeitete SEA- Charta zum Beispiel auch stark an der Charta «Prävention sexueller Ausbeutung» im Bereich Menschen mit Behinderungen. Bei dieser Charta war Limita ebenfalls involviert.
Ist das eine erste Absichtserklärung?
Iten: Genau. Die Charta ist eine Absichtserklärung. Es ist darin noch wenig konkretisiert und umgesetzt. Die Konkretisierung muss nun auf der Ebene der einzelnen Kirchen passieren. Diese müssen die Absichtserklärungen operationalisieren, damit sie im Alltag sichtbar werden und greifen.
Worin liegt der Unterschied zum Verhaltenskodex im Bistum Chur?
Iten: Die Charta unterscheidet sich klar von einem Verhaltenskodex, der viel konkreter auf der Verhaltensebene angesiedelt ist – wie der Name schon sagt. Der Verhaltenskodex konkretisiert abstrakte Absichtserklärungen im Bereich des Risikomanagements einer Organisation. Organisationen, die sich für diese Charta bekennen, verpflichten sich jedoch dazu, ein konkreteres Risikomanagement aufzubauen, zum Beispiel in Form eines Verhaltenskodex. Einzelne Freikirchen haben das bereits getan. Auch in der Konkretisierung wäre unbedingt die Verwobenheit des spirituellen und sexuellen Missbrauchs zu berücksichtigen. Diese Verwobenheit ist auch ein Thema für die Freikirchen.
* Karin Iten ist Präventionsbeauftragte des Bistums Chur. Zuvor hat sie die Fachstelle Limita geleitet.
Am 6. Dezember hielt sie im Rahmen einer Auftaktveranstaltung des Netzwerks «Gemeinsam gegen Grenzverletzung» einen Vortrag. Das Netzwerk hat das Ziel, die Präventionsarbeit der Schweizerischen Evangelischen Allianz zu professionalisieren. Mehr dazu hier.
Dieses Interview wurde schriftlich geführt.
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