Bis Ende 2024 sei eine nationale Meldestelle für Missbrauchsbetroffene eingerichtet. Das sagte Bischof Joseph Maria Bonnemain am 12. September. Sechs Monate später rudern die Kirchenoberen zurück: zu kompliziert, zu wenig Personal. Jacqueline Fehr und Sandra Müller sehen das anders: Dank des Opferhilfegesetzes seien alle Strukturen vorhanden. Der zweite Teil der kath.ch-Serie «Wo stehen wir?»
Der Chorherr, der im November von seinem Amt als Dekanpfarrer von Saint-Maurice suspendiert wurde, darf nun wieder arbeiten. Der Fall sei juristisch abgeschlossen, begründet die Abtei den Entscheid. Eine Frau hatte den Chorherrn in der RTS-Sendung vom letzten 19. November vorgeworfen, sie als Zwölfjährige missbraucht zu haben.
Der neue Pfarrer in Urdorf, Joseph Naduvilaparambil, mag die «gesunde Streitkultur» in seiner Pfarrei. Mit Kritikern habe er sich versöhnt, sagte er. Er glaubt nicht, dass der Pflichtzölibat für Priester den Missbrauch verursacht habe.
Die Empörung war gross, als man letzten September erfuhr: Dem Forschungsteam, das Missbrauch in der Kirche untersucht, war der Zugang zum Archiv der Nuntiatur in Bern verweigert worden. Nun nimmt das Team einen neuen Anlauf. Wer ihm Zugang verschaffen kann, ist noch immer unklar.
Das Berner Kantonsparlament entscheidet ab nächster Woche, ob die Gelder weiterhin an die Landeskirchen fliessen. Laut einem Vorstoss sollen die Staatsgelder an die katholische Kirche als Druckmittel für die Missbrauchsaufarbeitung sistiert werden. Ein anderer Vorstoss verlangt, dass die Unternehmenssteuern an die Kirchen fortan freiwillig sein sollen.
Der Historiker und Theologe Ulrich L. Lehner hat ein Buch über sexuellen Missbrauch bei den Jesuiten geschrieben. Fast alle Probleme, vor denen die Kirche in der Missbrauchskrise steht, waren bereits im 17. und 18. Jahrhundert bekannt. Dem Wissenschaftler und gläubigen Katholiken Lehner ging es bei den Recherchen zeitweise «richtig dreckig». Das Buch habe er geschrieben, weil es niemand anderes tun wollte.
Der Einsiedler Pater Martin Werlen und die Theologin Elisabeth Fink-Schneider bilden zusammen die Anlaufstelle für Menschen, die im Bistum St. Gallen geistlichen Missbrauch erlebt haben. Vorfälle von Betroffenen geben sie anonymisiert ans Bistum weiter. «Meine Erwartung ist, dass das Bistum handelt», sagt Fink-Schneider.
Die Zürcher Kantonalkirche reagiert mit einer Image-Kampagne auf die vermehrten Kirchenaustritte. «Unser Image? Im Allzeittief. Unser Engagement? Konstant hoch», heisst es in der Kampagne. Sie will zum Verbleib in der Kirche motivieren.
Wie die Direktion der Justiz und des Inneren am Mittwoch in einer Medienmitteilung berichtet, hat die römisch-katholische Kirche im Jahr 2023 einen Mitgliederschwund von fast vier Prozent erlebt. Die evangelisch-reformierte Kirche verlor 3,2 Prozent ihrer Mitglieder.
Das Geld vom Kanton in die Landeskirche soll in Bern weiter fliessen. Zwei Vorstösse, dieses so lange zu sistieren, bis die katholische Kirche den Missbrauch aufgearbeitet habe, lehnte der Berner Regierungsrat ab. Aus seiner Sicht gibt es dafür weder eine Notwendigkeit noch eine Rechtsgrundlage.
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