Der neue Pfarrer in Urdorf, Joseph Naduvilaparambil, mag die «gesunde Streitkultur» in seiner Pfarrei. Mit Kritikern habe er sich versöhnt, sagte er. Er glaubt nicht, dass der Pflichtzölibat für Priester den Missbrauch verursacht habe.
Die Empörung war gross, als man letzten September erfuhr: Dem Forschungsteam, das Missbrauch in der Kirche untersucht, war der Zugang zum Archiv der Nuntiatur in Bern verweigert worden. Nun nimmt das Team einen neuen Anlauf. Wer ihm Zugang verschaffen kann, ist noch immer unklar.
Das Berner Kantonsparlament entscheidet ab nächster Woche, ob die Gelder weiterhin an die Landeskirchen fliessen. Laut einem Vorstoss sollen die Staatsgelder an die katholische Kirche als Druckmittel für die Missbrauchsaufarbeitung sistiert werden. Ein anderer Vorstoss verlangt, dass die Unternehmenssteuern an die Kirchen fortan freiwillig sein sollen.
Der Historiker und Theologe Ulrich L. Lehner hat ein Buch über sexuellen Missbrauch bei den Jesuiten geschrieben. Fast alle Probleme, vor denen die Kirche in der Missbrauchskrise steht, waren bereits im 17. und 18. Jahrhundert bekannt. Dem Wissenschaftler und gläubigen Katholiken Lehner ging es bei den Recherchen zeitweise «richtig dreckig». Das Buch habe er geschrieben, weil es niemand anderes tun wollte.
Der Einsiedler Pater Martin Werlen und die Theologin Elisabeth Fink-Schneider bilden zusammen die Anlaufstelle für Menschen, die im Bistum St. Gallen geistlichen Missbrauch erlebt haben. Vorfälle von Betroffenen geben sie anonymisiert ans Bistum weiter. «Meine Erwartung ist, dass das Bistum handelt», sagt Fink-Schneider.
Die Zürcher Kantonalkirche reagiert mit einer Image-Kampagne auf die vermehrten Kirchenaustritte. «Unser Image? Im Allzeittief. Unser Engagement? Konstant hoch», heisst es in der Kampagne. Sie will zum Verbleib in der Kirche motivieren.
Wie die Direktion der Justiz und des Inneren am Mittwoch in einer Medienmitteilung berichtet, hat die römisch-katholische Kirche im Jahr 2023 einen Mitgliederschwund von fast vier Prozent erlebt. Die evangelisch-reformierte Kirche verlor 3,2 Prozent ihrer Mitglieder.
Das Geld vom Kanton in die Landeskirche soll in Bern weiter fliessen. Zwei Vorstösse, dieses so lange zu sistieren, bis die katholische Kirche den Missbrauch aufgearbeitet habe, lehnte der Berner Regierungsrat ab. Aus seiner Sicht gibt es dafür weder eine Notwendigkeit noch eine Rechtsgrundlage.
Im Bistum Sitten hat ein Priester zwei Kinder über Jahre hinweg misshandelt. Der Täter streitet die Taten ab und hielt sich nicht an die Sanktionen. Bischof Jean-Marie Lovey informierte deswegen die aktiven Priester über den Missbrauchstäter. «Er darf nicht mehr als Priester auftreten». Und: Der Bischof von Sitten will mit Gesprächsabenden Vertrauen zurückgewinnen.
Die Studienergebnisse zum Missbrauch in der evangelischen Kirche «muss uns als EKS zu denken geben». Das «positive Selbstbild» habe dazu geführt, dass die reformierte Kirche die eigenen Schwachstellen zu lange ausgeblendet habe. Rita Famos rechnet damit, dass für die Schweiz bald eine eigene Studie kommen wird.
‹›