Hans Zollner: «Schweiz ist keine Insel der Seligen»
Der Jesuitenpater Hans Zollner war bis 2023 Mitglied der Päpstlichen Kinderschutzkommission. Er äussert sich zur gerade veröffentlichten Missbrauchsstudie der Universität Zürich und sagt, dass «der Bericht ein Weckruf sein soll an alle, die sich dem christlichen Glauben und der katholischen Kirche angehörig fühlen».
«Das Ergebnis zeigt: Die Schweiz ist mit Blick auf sexuellen Missbrauch, der von kirchlichen Mitarbeitern verübt wurde, und auf seine Vertuschung keine Insel der Seligen. Die Schweizer katholische Kirche zeigt dieselben systemischen Fehler und Unzulänglichkeiten, die in der Kirche weltweit zu Verbrechen und ihrer Vertuschung geführt haben.
Jetzt gilt es herauszukommen aus der Lähmung, aus der masslosen Enttäuschung und Wut, und das beizutragen, was jede und jeder für sich und sein Umfeld tun kann: Betroffene von Missbrauch anzuhören, vor ihren Geschichten und ihren Anliegen nicht wegzulaufen, ihren Schmerz und ihre Verwundungen soweit als möglich mitzutragen – und im Gespräch mit ihnen herauszufinden, was Kirche und Gesellschaft hilft, soweit als möglich Missbrauch zu verhindern.
Viel zu oft wurden bisher Betroffenen die Türen zugeschlagen, wenn sie sich äussern wollten; wurden die Täter auch von Pfarrgemeinden und deren Laienvertretern mild behandelt – und von Vorgesetzten versetzt; stand der Ruf von Pfarrei, Diözese und Kirche zu weit oben auf der Prioritätenliste.»
Der Jesuitenpater Hans Zollner (57) teilt in einem Text auf der Homepage des Pfarrblatts forum Zürich seine Gedanken zur Missbrauchsstudie mit. Der Theologe, Psychologe und Psychotherapeut leitet das römische «Institut für Anthropologie» (https://iadc.unigre.it/). Von 2014 bis 2023 war er Mitglied der Päpstlichen Kinderschutzkommission. In einer persönlichen Erklärung nannte er «strukturelle und praktische Probleme» als Gründe für seinen Rücktritt im März 2023. (sas)
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