Tobias Fontein hat als Vertreter des Bistums Basel an der Synode der Aargauer Landeskirche zur Missbrauchsstudie gesprochen. Dabei zeigte er auf, wie die katholische Kirche seit rund 20 Jahren Missbrauch bekämpft, und präsentierte die neuste Massnahme des Bistums. Seine Ansprache enthielt auch defensive Klarstellungen.
Ein Manifest bei Gipfeli und Kaffee: So formierte sich am Mittwochmorgen in aller Früh auf dem Franziskanerplatz in Luzern der Kirchenprotest für «eine offene und glaubwürdige Kirche». Dem Aufruf der katholischen Kirche der Stadt Luzern waren rund 250 Kirchenvertreterinnen und -vertreter sowie Gläubige gefolgt. Unmittelbar vor der Herbstsession der Synode wollten sie dem Parlament den Rücken für mutige Entscheidungen stärken.
Seit heute Morgen tagt die Synode der Landeskirche in Luzern. Sie steht ganz im Schatten der Missbrauchskrise der katholischen Kirche. Die nationale Missbrauchsstudie hat zu einer Rebellion von Kirchgemeinden im Kanton Luzern geführt. Protestierende Gläubige haben deshalb ein Spalier gebildet, das die Synodalen auf dem Weg zur Versammlung durchschreiten mussten.
Die Römisch-katholische Kirche Basel-Stadt hat sich in einem Offenen Brief an die Stadtbevölkerung gewandt und zur Missbrauchskrise Stellung bezogen. «Das Vertrauen ist in Schieflage geraten», sagt Kirchenratspräsident Christian Griss.
Die Verhandlungen laufen seit Wochen. Dem vatikanischen Sonderermittler Joseph Bonnemain soll ein externer Kompagnon zur Seite gestellt werden. «Es geht um die Glaubwürdigkeit der Kirche», meint Charles Martig. «Alles muss auf den Tisch: Je schneller und effizienter, desto besser.»
Kirchgemeinden im Kanton Luzern halten Kirchensteuern zurück. So haben sie die Kirchenaustrittswelle gebrochen. Das sei ein gutes Zeichen, denn es zeige, dass die Menschen in der Kirche sein und bleiben wollen. Von der Synode der Landeskirche erhoffen sich die Gemeinden Rückendeckung. «Wir haben schlicht keine Zeit zu warten, ob die Bischöfe wirklich etwas machen.»
Nicolas Betticher (61) erhielt nach der Veröffentlichung seines Briefes Morddrohungen. «Die Kantonspolizei sagte, sie sei in Sorge», erzählt der Berner Pfarrer gegenüber der «SonntagsZeitung». Zum nationalen Kirchenstrafgericht fordert Betticher: Der Bundesrat soll beim Papst intervenieren. «Nur dann kriegen wir meines Erachtens eine Chance auf ein unabhängiges Gericht».
Bischof Jean-Marie Lovey lässt die Missstände im eigenen Bistum extern untersuchen. Der Schritt zeigt: Die Kirchenoberen sind bereit, aus ihren Fehlern zu lernen. Medien und Öffentlichkeit spielen in diesem Prozess eine wichtige Rolle, schreibt Annalena Müller in ihrem Kommentar.
Hochkarätig besetzt und erstaunlich selbstkritisch: So gab sich ein Podium von Journalistinnen und Journalisten an der Uni Zürich. Thema war die Rolle der Medien in der Missbrauchsdebatte. Otto Hostettler sagte: «Wir waren viel zu nett, zu höflich und zurückhaltend.» Und Simon Hehli gab offen zu: «Ich war überrascht von der medialen Welle, die die Pilotstudie ausgelöst hat.»
Der Priester Heinz Angehrn bloggt auf kath.ch zur Frage, warum Vertuschung in der katholischen Kirche ein Rätsel ist. «Weil ein geweihter Priester kein gewöhnlicher Mensch mehr ist, weil er gemäss Lehre und Doktrin ein Geheiligter ist», meint Angehrn.
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