Kirchenrechtler Wolfgang F. Rothe wurde vom konservativen Kleriker zum Kirchenrebellen. Dazu haben seine eigenen Erfahrungen von Missbrauch und Moralismus im traditionalistischen Milieu beigetragen. Rothe vertritt den Missbrauchsbetroffenen Josef Henfling. Missbrauch sei dort, «wo der lehramtlichen Sexualmoral eine zentrale Rolle zugesprochen wird, vorprogrammiert.»
Die Zürcher Pilotstudie zum Missbrauch in der katholischen Kirche hat aufgerüttelt. 91 Personen haben sich seither an Meldestellen in der Romandie gewandt, um einen Missbrauch zu melden, die meisten bei den unabhängigen Stellen.
Pfarrer Thomas Jäger steht vor Gericht. Er soll ein Mädchen unsittlich berührt und andere gefilmt haben. Gegen den Churer Priester Andreas wird wegen versuchter Vergewaltigung ermittelt. Beide Kleriker waren geistliche Leiter beim Pfadibund «Feuerkreis Niklaus von Flüe». Die Struktur und Abschottung mache den Bund zu einer «Hochrisikozone», so Experten.
Der Pfarreileiter von St. Johannes in Luzern hätte sich mehr erhofft von Bischof Felix Gmür. Auf das Anliegen, das Privatleben der kirchlichen Mitarbeitenden solle nicht mehr anstellungs- oder kündigungsrelevant sein, habe der Bischof inhaltlich nicht geantwortet. Dabei hätte er sich auf «Gaudium et spes» berufen können.
Der Schwyzer Kirchenratspräsident Urs Zehnder bedauert die vielen Kirchenaustritte, die aufgrund des Missbrauchsskandals mitgeteilt würden. Und dass dabei oft keine Rücksprache erwünscht sei.
Angehörige des verstorbenen Aachener Weihbischofs August Peters haben kritisiert, dass ihr Verwandter als mutmasslicher Missbrauchstäter eingestuft wird. Dies in einem direkten Gespräch mit Bistumsvertretern.
Vertuschung oder Vorverurteilung: Bei der Kommunikation von Verdachtsfällen können die Bistümer nur falsch handeln. Es ist ein Dilemma, um welches die Bischöfe nicht zu beneiden sind. Unter dem Strich gilt aber: Lieber frühzeitig als zu spät mit Informationen an die Öffentlichkeit treten.
Der deutsche Historiker Klaus Grosse Kracht bezeichnet die Aufarbeitung von Missbrauch in der Kirche als «gesamtgesellschaftliche Aufgabe». Er verlangt dafür dringend Zugang zu Akten.
Der Kommunikationschef der Zürcher Kirche geisselt die Vermeidungshaltung der Churer Bistumsleitung. Diese hat einen «verhaltensauffälligen Priester» in ein Frauenkloster abgeschoben. «Wer für ‹normale Leute› nicht zumutbar ist, ist für Ordensschwestern offenbar noch immer gut genug».
Der römisch-katholische Priester Stefan Loppacher gibt im «Beobachter» mehr Brisantes von sich preis. Etwa dass er sich bereits als Seminarist verliebt hat – ihm aber dann mit dem Teufel gedroht wurde. Und dass er keine Liturgie mehr erträgt.
‹›