Die Pilotstudie zu sexuellem Missbrauch in der katholischen Kirche bringt das Ausmass an Vertuschung und des Wegschauens ans Licht. Über 1000 Fälle sind bislang bekannt. Vertreter und Vertreterinnen der Landeskirchen, Interessensgemeinschaften und katholischer Verbände fordern die rasche Umsetzung von Meldestellen, Kulturwechsel und strengere Richtlinien werden nun gefordert.
Die über 1000 Fälle von sexuellem Missbrauch in der katholischen Kirche Schweiz sind erst die «Spitze des Eisbergs», wie die Historikerin Marietta Meier von der Universität Zürich betonte. Bischof Joseph Bonnemain versprach auf der Medienkonferenz zur Pilotstudie, dass Aktenvernichtung nun verboten sei und dass eine nationale Meldestelle für Missbrauchsbetroffene geschaffen werde.
Aus Sicht der katholischen Ordensgemeinschaften der Schweiz zeichnen die Fallbeispiele der Missbrauchsstudie auf beklemmende Weise nach, wie es zu Machtmissbrauch, zu spiritueller Manipulation und sexuellen Übergriffen gekommen ist. Sie rufen alle Ordensleute dazu auf, die Präventionsmassnahmen gegen Missbrauch mitzutragen.
Sie vertreten Missbrauchsbetroffene in der katholischen Kirche – die Gruppe Sapec und die IG Miku. Sie unterstützen die Erkenntnisse der Vorstudie zum sexuellen Missbrauch in der Kirche Schweiz. Diese entsprächen ihren Erfahrungen.
Der Schlussbericht der Universität Zürich zu den sexuellen Missbräuchen in der römisch-katholischen Kirche in der Schweiz erschreckt und erschüttert gemäss Schweizer Bischofskonferenz. Um solche künftig zu verhindern, soll nicht nur eine Meldestelle eingerichtet werden. Seelsorgende sollen in der Ausbildung auch psychologische Eignungstests durchlaufen.
Die Kirche hat Missbrauch vertuscht und verschwiegen. «Das ist zutiefst beschämend», sagt Renata Asal-Steger, Präsidentin der Römisch-Katholischen Zentralkonferenz der Schweiz. Sie will sich für einen «unerlässlichen Kulturwandel in der Kirche» einsetzen.
Die Vorstudie deckt auf: Ein Priester des Bistums St. Gallen soll Jahrzehnte lang Kinder missbraucht haben. Bischof Ivo Fürer ignorierte die Meldungen. Auch sein Nachfolger, Bischof Markus Büchel, agierte nicht. Der Priester wird bis heute als Seelsorger eingesetzt.
Das Forschungsteam der Universität Zürich hat 1002 Fälle sexuellen Missbrauchs aufgedeckt. Bis zur Jahrtausendwende wurde systematisch vertuscht und kaum Fälle nach Rom gemeldet. Auch danach bleiben Meldungen Ausnahmen. Nur der Druck von Betroffenenorganisationen und Medien zwingt die Kirche in der Schweiz, Missbrauch zu verfolgen.
Heute werden die Ergebnisse der Studie «Sexueller Missbrauch im Umfeld der katholischen Kirche der Schweiz» vorgestellt. Um 9.30 Uhr endet die Sperrfrist. Das erwartet Sie heute auf kath.ch.
Lisbeth Binder (72) ist mehrfach Betroffene von sexuellem Missbrauch durch Priester – wie im Film «Unser Vater» zu erfahren ist. «Das kann die Kirche nicht mehr gutmachen», sagt sie. Sie erhofft sich von der Missbrauchsstudie, dass damit das Machtgehabe der Kirchenleitung aufhört. Und die Kirche soll sich betreffend Wiedergutmachung ein Vorbild am Staat nehmen.
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