Im Nachgang der Vorstellung der «Pilotstudie zur Geschichte sexuellen Missbrauchs im Umfeld der römisch-katholischen Kirche» denkt SRF-Radioprediger Matthias Wenk laut über einen Kirchenaustritt nach.
Die katholische Kirche wird seit der Publikation der Pilotstudie zum Missbrauch durchgeschüttelt. Wie gehen Pfarreien damit um? In Greifensee ist die Thematik sehr präsent. Co-Pfarreileiterin Hella Sodies ist wichtig, das Thema zu bearbeiten und den Wandel «jeden Tag selbst zu leben».
In der «theo Loge» sitzen und mit Begeisterung über Kirchenrecht sprechen: Das hat Adrian Loretan (64) am Donnerstag in der Paulus Akademie getan. Loretan bezeichnet den Klerikalismus als «eine Kultur des Todes». Und er sagt zum Thema Missbrauch: «Sexuellen Missbrauch gibt es dort, wo Macht unkontrolliert ist.»
Daniel Bogner wagt sich auf das komplizierte Terrain von Sexualität und Männlichkeit in der katholischen Kirche. Seine Bild-Beispiele an der Ringvorlesung der Uni Zürich zeigen: Es gibt in der Kirche nur ein gebrochenes Mann-Sein. Und er deutet das Bild von Monika Schmids Abschiedsgottesdienst: «Es handelt sich um einen Akt des zivilen Ungehorsams».
Im Interview mit kath.ch äussert sich Kirchenrechtler Nicolas Betticher über das Bistum Sitten. Dieses habe einen Missbrauchstäter, der in den 1980er Jahren vor Gericht stand, vierzig Jahre im Amt gelassen. Das Bistum reagiert verschnupft und erklärt: Es habe von nichts gewusst und ein Gerichtsverfahren habe es nie gegeben. Dabei stammt die Information vom Bistum selbst.
Die Universität entlässt einen Dozenten wegen antisemitischer Tweets. Die Institutsleiterin, die den Dozenten schützte, wird suspendiert und die Institutionsstrukturen durch eine externe Untersuchung beleuchtet. So geht Aufarbeitung. Die katholische Kirche sollte sich ein Beispiel daran nehmen, findet Annalena Müller in ihrem Kommentar.
Der Apostolische Administrator Alain de Raemy will sich demnächst mit den Gläubigen im Bistum Lugano treffen – um zu beten und nachzudenken über das Thema Missbrauch im kirchlichen Umfeld. Insgesamt sind sechs Begegnungen in den verschiedenen Vikariaten vorgesehen. Eine Fachperson wird ihn begleiten.
Nicolas Betticher (61) hat als Richter das kirchenrechtliche Verfahren gegen den Sittener Priester geleitet. In dem Verfahren wurde F.-X. A. des Missbrauchs für schuldig befunden und aus dem Klerikerstand entlassen. «Allein eine klare Gewaltenteilung» könne künftig faire Urteile sichern, denn die Sachlage sei «nur selten so eindeutig wie in diesem Fall».
Hermann Bruhin vergleicht in einer Predigt die Studie zum Missbrauch in der Kirche Schweiz mit «einer Art Erdbeben», das die Kirche erschüttert. «Wie können wir da noch Lichter anzünden, Texte lesen und hören, die vom Licht sprechen?». Nicht schuldig gewordene Menschen seien das Zentrum der Kirche, sondern Jesus Christus, sagt er. «Mit Gott unterwegs im Leben»: Dieser Gedanke soll Mut machen.
Die Expertin für spirituellen Missbrauch, Doris Reisinger, hat am Donnerstag an der Universität Zürich aufgezeigt: «Es gibt tote Winkel in der Missbrauchs-Forschung. Das sind Aspekte, die wir nicht sehen.» Sie spricht von Abtreibung zur Vertuschung von sexuellem Missbrauch durch Priester. Aber auch Ordensmänner, nichtgeweihte Täter oder Übergriffe auf Behinderte gehören dazu.
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