Hermann Bruhin vergleicht in einer Predigt die Studie zum Missbrauch in der Kirche Schweiz mit «einer Art Erdbeben», das die Kirche erschüttert. «Wie können wir da noch Lichter anzünden, Texte lesen und hören, die vom Licht sprechen?». Nicht schuldig gewordene Menschen seien das Zentrum der Kirche, sondern Jesus Christus, sagt er. «Mit Gott unterwegs im Leben»: Dieser Gedanke soll Mut machen.
Die Expertin für spirituellen Missbrauch, Doris Reisinger, hat am Donnerstag an der Universität Zürich aufgezeigt: «Es gibt tote Winkel in der Missbrauchs-Forschung. Das sind Aspekte, die wir nicht sehen.» Sie spricht von Abtreibung zur Vertuschung von sexuellem Missbrauch durch Priester. Aber auch Ordensmänner, nichtgeweihte Täter oder Übergriffe auf Behinderte gehören dazu.
Die Reformbewegung «Allianz Gleichwürdig Katholisch» will ein klares Zeichen gegen Klerikalismus setzen und ruft Seelsorgende auf, das liturgische Gewand im Rahmen eines Gottesdienstes abzulegen. Der symbolische Akt soll Gespräche fördern, aber auch das Ringen um eine gleichwürdige Kirche zeigen.
Die Luzerner Mitte-Nationalrätin Priska Wismer-Felder (53) hat eine Motion zum Schutz von Kindern vor Missbrauch eingereicht. Es sei wichtig, die Prävention zu verstärken – in den Kirchen, aber auch in den Sportverbänden und anderen Organisationen. Zur Missbrauchsstudie der Kirche meint die Katholikin: «Nun muss die Kirche die Konsequenzen daraus ziehen.»
Vor dreieinhalb Wochen ist die Missbrauchsstudie erschienen. Seither erhalten die Schweizer Bistümer neue Hinweise auf mutmassliche Übergriffe. Insgesamt sind in fünf von sechs Diözesen rund 40 Meldungen eingegangen.
Die Weltbischofsynode ist eine ausgezeichnete Gelegenheit, um diplomatische Fäden zu spinnen und Hintergrundgespräche zu führen. Der Basler Bischof Felix Gmür nutzt die Zeit in Rom, um mit Staatssekretär Pietro Parolin zu sprechen. Es geht vermutlich um das nationale Strafgericht, das in der Schweiz für Missbrauchsfälle eingeführt werden soll. Und er trifft wahrscheinlich den Papst.
Derzeit findet ein Massenexodus aus der katholischen Kirche statt. Im Kanton Aargau zeigt eine Momentaufnahme: Die Austritte haben sich mehr als vervierfacht im Vergleich zum September des vergangenen Jahres. In einer Kirchgemeinde sind es sogar 21 Mal mehr. Betroffen von der Austrittswelle ist aber die ganze Deutschschweiz.
Erstmals will sich das Schwule Museum Berlin in einer Ausstellung mit «Sexualisierter Gewalt gegen Kinder und Jugendliche im Namen der Emanzipation» beschäftigen. In der Ausstellung sollen Betroffene zu Wort kommen und von ihren Missbrauchserfahrungen berichten, wie das Museum am Donnerstag mitteilte.
Bischof Felix Gmür vom Bistum Basel fordert ebenfalls wie Bischof Joseph Bonnemain vom Bistum Chur eine unabhängige Meldestelle für Missbrauchsopfer. Alle Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche sollen strafrechtlich abgeklärt werden.
Es braucht einen besseren Opferschutz und eine verbesserte Transparenz, sagt die Freiburger Kirchenrechtsprofessorin Astrid Kaptijn. Auch Änderungen im Kirchenrecht seien notwendig. Dies als Reaktion auf die Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche der Schweiz.
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