Die Kirchgemeinde Adligenswil blockiert Kirchensteuerzahlungen ans Bistum Basel – bis vier Forderungen des Kirchenrats zur Missbrauchsbekämpfung erfüllt sind. Die Luzerner Kirchgemeinde will damit ein Zeichen setzen und andere Schweizer Kirchgemeinden animieren, ihrem Beispiel zu folgen. Kirchenratspräsidentin Monika Koller Schinca sagt im Interview: «Gemeinsam können wir den Druck erhöhen.»
Mario Delfino wurde als Teenager von Mönchen sexuell missbraucht. Nur schon in der Erziehungsanstalt Bad Knutwil LU hätten 500 bis 1000 Buben dasselbe Schicksal gehabt, schätzt er. Es habe viel mehr Missbrauch gegeben, als die Vorstudie angab. Doch Akten seien vernichtet worden – auch in Bad Knutwil.
Vor kurzem sind 40 Jahre alte Vorwürfe sexueller Belästigung gegen Franz S. wieder in den Medien aufgetaucht. Nun gibt der streitbare Pfarrer aus Röschenz BL im Bistum Basel auf: Nach 25 Jahren in der Gemeinde spüre er zum ersten Mal Misstrauen.
Daniel Pittet (64) wurde als Bub von einem Kapuziner missbraucht und schrieb darüber ein Buch. Am Samstag ist er in der Kathedrale Freiburg zum Diakon geweiht worden. Pittet sei ein Zeuge des Glaubens, attestierte ihm Charles Morerod in einem Grussschreiben.
Der Präsident der Schweizer Bischofskonferenz (SBK) Felix Gmür spricht sich gegen den Zölibat und für Priesterinnen aus – und gesteht Fehler bei der Missbrauchsaufklärung ein. «Die betroffenen Personen kamen zu wenig zum Zug. Das tut mir sehr leid.»
Der Kirchenverwaltungsrat der Katholischen Kirche Region Rorschach reagiert auf die Missbrauchsskandale der letzten Tage. Er fordert seine Seelsorgenden in einem Schreiben dazu auf, Reformmassnahmen sofort umzusetzen. Und zwar auch gegen den Willen des Bischofs. Der Rat selbst bereite politische Reform-Vorstösse vor.
RKZ-Generalsekretär Urs Brosi verkündete im «SRF Club» vier Forderungen an die Schweizer Bischofskonferenz (SBK) und drohte damit, notfalls Zahlungen zu sistieren. Dem «Eskalationspotential einer solchen Drohung» seien sich alle bewusst. Aber die Römisch-katholische Zentralkonferenz (RKZ) wisse auch, «dass Pseudo-Massnahmen ohne juristischen ‹Biss› nicht ausreichen.»
Die Gemeinschaft der Kirche habe versagt und Vertrauen zerstört, schreibt der Mediensprecher für den deutschsprachigen Teil des Bistums Sitten, Paul Martone über die Resultate der Missbrauchs-Vorstudie. Die Täter müssten zur Rechenschaft gezogen werden. Priorität habe das Wohlergehen der Kinder.
Claude Bumann steht im Bistum Sitten dem Fachgremium «Sexuelle Übergriffe im kirchlichen Umfeld» vor. Dieses sei nicht von jenem Mann kontaktiert worden, der dem Abt von Saint-Maurice Missbrauch vorwirft. Bumann kritisiert die fehlende Unabhängigkeit des Gremiums.
Die Schweizer Bischöfe haben am Samstag erste Massnahmen gegen den Missbrauch in der katholischen Kirche kommuniziert. Darunter befinden sich: eine nationale Meldestelle, schweizweit psychologische Abklärungsverfahren, eine Professionalisierung der Personalakten und ein kirchliches Straf- und Disziplinargericht.
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