Kardinal Victor Fernandez, Präfekt des Glaubensdikasteriums
Vatikan

Öffnung der Archive im Vatikan und in Bern?: «Das können wir prüfen»

Im Rahmen der Ernennung der 21 neuen Kardinäle durch Papst Franziskus in Rom wurde auch wieder die Frage virulent, ob der Vatikan Einblick gibt in Akten in Zusammenhang mit Schweizer Missbrauchsfällen. Diese Forderung wurde bekanntlich von der Universität Zürich bei der Veröffentlichung der Missbrauchsstudie vergangenen Monat gestellt.

Wie der «Sonntagsblick» berichtet, hat der neu zum Kardinal ernannte Victor Manuel Fernandez, der Chef der Glaubenskongregation, in deren Archiv unter anderem Dossiers über Schweizer Missbrauchsfälle lagern, eingeräumt, dass man einerseits Transparenz im Vatikan wolle. «Auf der anderen Seite gibt es in den Archiven Zeugenaussagen von Menschen, die um absolute Geheimhaltung gebeten haben» so Kardinal Victor Manuel Fernandez. «Wir können dem Willen dieser Menschen nicht widersprechen.»

«Ohne den Willen einiger Menschen zu verletzen»

Fernandez führte weiter aus, dass man zu diesem Thema mit der italienischen Bischofskonferenz gesprochen habe, «um zu sehen, was wir konkret tun können, ohne den Willen einiger Menschen zu verletzen».

Pietro Parolin, Kardinalstaatssekretär.
Pietro Parolin, Kardinalstaatssekretär.

So weit, so unkonkret, was die Öffnung der Archive im Vatikan anbelangt. Und wie sieht es mit den Akten der Berner Nuntiatur aus? Die sollen bekanntlich auch eingesehen werden können durch die Universität Zürich.

Noch keine Anfrage aus der Schweiz

Kardinalsstaatssekretär Pietro Parolin, Vorgesetzter des Papst-Botschafters in der Schweiz, Erzbischof Martin Krebs, erklärte dazu, dass seitens der Schweizer Bischöfe noch keine Anfrage diesbezüglich im Vatikan eingegangen sei, so der «Sonntagsblick». Diplomatische Akten würden der Geheimhaltung unterliegen. Parolin sagte aber zu, dass man punktuelle Einsichten in Missbrauchsakten prüfen könne.

Von links: Erzbischof Martin Krebs (Nuntius), Abt Peter von Sury (Mariastein), Weihbischof Martin Gächter
Von links: Erzbischof Martin Krebs (Nuntius), Abt Peter von Sury (Mariastein), Weihbischof Martin Gächter

Derweil laufen auch in der Schweiz Bestrebungen, um die Missbrauchsaufarbeitung voranzutreiben. Laut «Sonntagsblick» verlangt die Westschweizer Opferschutzorganisation Sapec in einem offenen Brief an Bundesrätin Elisabeth Baume-Schneider, man dürfe die Kirche bei der Einrichtung eines nationalen Kirchengerichts nicht allein lassen. Und die Zürcher Justiz- und Religionsministerin Jacqueline Fehr plant eine interkantonale schweizweite Initiative der Staatsanwaltschaft zur Aufarbeitung und zur strafrechtlichen Untersuchung der Missbrauchsfälle. (woz)


Kardinal Victor Fernandez, Präfekt des Glaubensdikasteriums | © Oliver Sittel
1. Oktober 2023 | 10:13
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