«Erzbischof Fernandez muss weg! Sie müssen ihn aus dieser Position entfernen», fordern Missbrauchsbetroffene von Papst Franziskus. Sie präsentierten drei Fälle, bei denen der neue Glaubenspräfekt nicht angemessen gehandelt habe.
Der katholische Theologe Daniel Ammann (62) engagiert sich in der Männerbewegung und sagt: «Es braucht eine radikale Umkehr.» Die patriarchale Männlichkeit, die das System Kirche seit Jahrhunderten präge, müsse überarbeitet – und das Wissen darüber in der Ausbildung vermittelt werden. «Die Schnellbleiche-Kurse zu Nähe und Distanz sind Peanuts», so Ammann.
Der deutsche Kirchenrechtler Thomas Schüller begrüsst die Absicht der Schweizer Bischöfe, ein nationales Strafgericht einzurichten. «Gut ausgebildete Kleriker sind auch im rechtlichen Bereich ein Segen», sagt er und übt Kritik an der jetzigen Generation von Bischöfen. Schüller geht davon aus, dass Rom der Errichtung des Strafgerichts zustimmt.
Der Schutz vor sexuellem Missbrauch soll Priorität bei der kommenden Weltsynode im Vatikan haben. Das fordert die Päpstliche Kinderschutzkommission in einem am Mittwoch veröffentlichten Aufruf. Zudem verlangt sie von der Kirchenleitung ein stärkeres Engagment für den Schutz von Betroffenen – auch finanziell.
Betroffenenvertreter drängen die katholische Kirche zu höheren freiwilligen Zahlungen an Missbrauchsopfer. Damit sollen Zivilklagen unnötig werden. Unterdessen zieht sich ein solcher Prozess in Bayern in die Länge.
An der Podiumsdiskussion in der Paulus-Akademie finden die Missbrauchsbetroffene Vreni Peterer und der Kirchenrechtler Stefan Loppacher klare Worte. Bischof Joseph Maria Bonnemain will schweigen und redet viel von Rom. Aber es bewegt sich etwas: Der Bischof votiert für ein interdiözesanes Gericht und schliesst Kontrollbefugnisse der geplanten Meldestelle nicht mehr aus.
Die Kirchgemeinde Adligenswil blockiert Kirchensteuerzahlungen ans Bistum Basel – bis vier Forderungen des Kirchenrats zur Missbrauchsbekämpfung erfüllt sind. Die Luzerner Kirchgemeinde will damit ein Zeichen setzen und andere Schweizer Kirchgemeinden animieren, ihrem Beispiel zu folgen. Kirchenratspräsidentin Monika Koller Schinca sagt im Interview: «Gemeinsam können wir den Druck erhöhen.»
Mario Delfino wurde als Teenager von Mönchen sexuell missbraucht. Nur schon in der Erziehungsanstalt Bad Knutwil LU hätten 500 bis 1000 Buben dasselbe Schicksal gehabt, schätzt er. Es habe viel mehr Missbrauch gegeben, als die Vorstudie angab. Doch Akten seien vernichtet worden – auch in Bad Knutwil.
Vor kurzem sind 40 Jahre alte Vorwürfe sexueller Belästigung gegen Franz S. wieder in den Medien aufgetaucht. Nun gibt der streitbare Pfarrer aus Röschenz BL im Bistum Basel auf: Nach 25 Jahren in der Gemeinde spüre er zum ersten Mal Misstrauen.
Daniel Pittet (64) wurde als Bub von einem Kapuziner missbraucht und schrieb darüber ein Buch. Am Samstag ist er in der Kathedrale Freiburg zum Diakon geweiht worden. Pittet sei ein Zeuge des Glaubens, attestierte ihm Charles Morerod in einem Grussschreiben.
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