Felix Gmür, Präsident der Schweizer Bischofskonferenz, an der Pressekonferenz zur Missbrauchsstudie.
Schweiz

Bischof Felix Gmür: «Hinter jeder Zahl steht ein Mensch, ein Gesicht, ein Leben, das zerstört wurde»

Der Schlussbericht der Universität Zürich zu den sexuellen Missbräuchen in der römisch-katholischen Kirche in der Schweiz erschreckt und erschüttert gemäss Schweizer Bischofskonferenz. Um solche künftig zu verhindern, soll nicht nur eine Meldestelle eingerichtet werden. Seelsorgende sollen in der Ausbildung auch psychologische Eignungstests durchlaufen.

Die Ergebnisse würden Abgründe aufzeigen, so Bischof Felix Gmür, Präsident der SBK, in der Stellungnahme der Bischöfe. Diese würden nicht nur das persönliche Fehlverhalten einzelner Täter dokumentieren. Sondern gleichzeitig systemische Ursachen aufdecken, für welche die Bischöfe, ihre Vorgänger und andere Führungspersonen in der Kirche geradestehen müssen.

«Schuld kann nicht weggewischt werden»

«Zu viele kirchliche Führungspersonen haben jahrzehntelang verantwortungslos gehandelt», räumt der SBK-Präsident in der Stellungnahme ein. «Sie haben die Betroffenen nicht ernst genommen und die Täter geschützt. Sie standen auf der falschen Seite. Sie standen auf der Seite der Täter statt an der Seite der Betroffenen. Sie schützten das Ansehen der Kirche statt die Würde und Unversehrtheit der Menschen, die dadurch unsäglichem Leid ausgesetzt wurden. Sie liessen Täter versetzen und nahmen in Kauf, dass sich Missbräuche fortsetzten. Diese Schuld kann nicht einfach weggewischt werden.»

«Unermessliches Leid»

Denn «hinter jeder Zahl steht ein Mensch, ein Gesicht, ein Leben, das zerstört wurde», so Bischof Felix Gmür. «Hinter jeder Zahl steht unermessliches Leid, das nicht erkannt, nicht anerkannt, das verharmlost, verschwiegen und vertuscht wurde. Hinter jeder Zahl steht eine Familie, ein Umfeld, das gelitten hat und noch immer leidet. Die Mitglieder der Schweizer Bischofskonferenz anerkennen dieses Leid und die Schuld der Kirche. Sie versichern, alles Menschenmögliche zu unternehmen, damit die Betroffenen Gerechtigkeit erfahren und sexuelle Missbräuche in Zukunft verhindert werden.»

«Verantwortung übernehmen und handeln»

Geradestehen bedeute, so Gmür, dass die Mitglieder der Bischofskonferenz Verantwortung übernehmen und handeln. «Deshalb haben wir, zusammen mit den kantonalen Körperschaften und den Ordensgemeinschaften, erste Massnahmen beschlossen. Wir werden unabhängige Meldestellen schaffen und finanzieren.» Zudem sei das Personalwesen und die Personalauswahl zu professionalisieren. «Dazu müssen zukünftig alle Kandidatinnen und Kandidaten in einer Ausbildung für die Seelsorge einheitliche psychologische Tests durchlaufen.» (woz)


Felix Gmür, Präsident der Schweizer Bischofskonferenz, an der Pressekonferenz zur Missbrauchsstudie. | © Annalena Müller
12. September 2023 | 12:30
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