Die Fachstelle Migratio bietet für Migrantinnen und Migranten eine Helpline an. Betroffene von Missbrauch können sich per Mail oder telefonisch melden – in ihrer Muttersprache. Migrierende melden sexuelle Übergriffe seltener, weil sie Angst haben, ihre Aufenthaltsbewilligung zu verlieren, sagt Nationaldirektorin Isabel Vasquez.
Der katholische Theologe Daniel Ammann (62) engagiert sich in der Männerbewegung und sagt: «Es braucht eine radikale Umkehr.» Die patriarchale Männlichkeit, die das System Kirche seit Jahrhunderten präge, müsse überarbeitet – und das Wissen darüber in der Ausbildung vermittelt werden. «Die Schnellbleiche-Kurse zu Nähe und Distanz sind Peanuts», so Ammann.
Der deutsche Kirchenrechtler Thomas Schüller begrüsst die Absicht der Schweizer Bischöfe, ein nationales Strafgericht einzurichten. «Gut ausgebildete Kleriker sind auch im rechtlichen Bereich ein Segen», sagt er und übt Kritik an der jetzigen Generation von Bischöfen. Schüller geht davon aus, dass Rom der Errichtung des Strafgerichts zustimmt.
An der Podiumsdiskussion in der Paulus-Akademie finden die Missbrauchsbetroffene Vreni Peterer und der Kirchenrechtler Stefan Loppacher klare Worte. Bischof Joseph Maria Bonnemain will schweigen und redet viel von Rom. Aber es bewegt sich etwas: Der Bischof votiert für ein interdiözesanes Gericht und schliesst Kontrollbefugnisse der geplanten Meldestelle nicht mehr aus.
Es begann mit einem Zeitungsinserat, in dem 107 kirchliche Mitarbeitende im Dekanat St. Gallen ihre Betroffenheit angesichts der Missbrauchsstudie und ihren Wunsch nach einem System- und Kulturwandel zum Ausdruck brachten. Unterdessen wurde die Aktion «So nicht!» für alle Katholikinnen und Katholiken des Bistums St. Gallen geöffnet. Über 1500 Personen haben bislang unterzeichnet.
Die Kirchgemeinde Adligenswil blockiert Kirchensteuerzahlungen ans Bistum Basel – bis vier Forderungen des Kirchenrats zur Missbrauchsbekämpfung erfüllt sind. Die Luzerner Kirchgemeinde will damit ein Zeichen setzen und andere Schweizer Kirchgemeinden animieren, ihrem Beispiel zu folgen. Kirchenratspräsidentin Monika Koller Schinca sagt im Interview: «Gemeinsam können wir den Druck erhöhen.»
Mario Delfino wurde als Teenager von Mönchen sexuell missbraucht. Nur schon in der Erziehungsanstalt Bad Knutwil LU hätten 500 bis 1000 Buben dasselbe Schicksal gehabt, schätzt er. Es habe viel mehr Missbrauch gegeben, als die Vorstudie angab. Doch Akten seien vernichtet worden – auch in Bad Knutwil.
Vor kurzem sind 40 Jahre alte Vorwürfe sexueller Belästigung gegen Franz S. wieder in den Medien aufgetaucht. Nun gibt der streitbare Pfarrer aus Röschenz BL im Bistum Basel auf: Nach 25 Jahren in der Gemeinde spüre er zum ersten Mal Misstrauen.
Daniel Pittet (64) wurde als Bub von einem Kapuziner missbraucht und schrieb darüber ein Buch. Am Samstag ist er in der Kathedrale Freiburg zum Diakon geweiht worden. Pittet sei ein Zeuge des Glaubens, attestierte ihm Charles Morerod in einem Grussschreiben.
Der Präsident der Schweizer Bischofskonferenz (SBK) Felix Gmür spricht sich gegen den Zölibat und für Priesterinnen aus – und gesteht Fehler bei der Missbrauchsaufklärung ein. «Die betroffenen Personen kamen zu wenig zum Zug. Das tut mir sehr leid.»
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