Die Justizministerin im Bundesrat, Elisabeth Baume-Schneider, setzt aktuell auf die Strafbehörden, um den Missbrauch in der Kirche anzugehen. «Das Strafrecht steht über dem Kirchenrecht», sagt sie. Ansonsten seien primär die Kantone für Religionsfragen zuständig.
Der Schweizer Kardinal Koch hat sich erstmals zur Schweizer Missbrauchsstudie geäussert. Dabei räumt er ein, dass er und seine Mitarbeitenden im Fall eines übergriffigen Priesters zu zögerlich reagierten. Er beteuert aber, durch das Vorgehen nichts vertuscht haben zu wollen.
Im Rahmen der Ernennung der 21 neuen Kardinäle durch Papst Franziskus in Rom wurde auch wieder die Frage virulent, ob der Vatikan Einblick gibt in Akten in Zusammenhang mit Schweizer Missbrauchsfällen. Diese Forderung wurde bekanntlich von der Universität Zürich bei der Veröffentlichung der Missbrauchsstudie vergangenen Monat gestellt.
Priester vergehen sich an Gläubigen, die Kirche vertuscht: Seit Jahrhunderten sorgt sexueller Missbrauch durch Kleriker für Skandale. Das hat nichts mit der Freizügigkeit der Gesellschaft zu tun, meint Theologin und Philosophin Doris Reisinger. Aber mit dem kirchlichen Recht, das blind ist für die Opfer der Taten.
Was geschieht, wenn der Kirchgemeinderat von Röschenz in der Sache Franz Sabo von einem «Vorfall» oder «Fehltritt» spricht? Das ist ein «verharmlosendes Framing» meint Claus Noppeney im Gastkommentar. «Wer einen Täter in dieser Weise zum Opfer erklärt, macht den Betroffenen zum Täter.»
Bischof Joseph Maria Bonnemain untersucht Vorwürfe gegen vier Mitglieder der Schweizer Bischofskonferenz. Aktuell nicht untersucht werden die Vertuschungsvorwürfe gegen Felix Gmür. RKZ-Generalsekretär Urs Brosi schliesst nicht aus, dass sich dies in Zukunft ändern könnte.
Die Fokolar-Bewegung schliesst im nächsten Jahr ihr Ausbildungszentrum in der Freiburger Ortschaft Montet. Wohin gehen dann die Akten? Die Medienverantwortliche der Fokolar Schweiz, Beatrix Ledergerber sagt: «Wir haben den Studienleiterinnen den Zugang zugesichert».
Missbrauchsvorwürfe gegen den Generalvikar des Bistums Lausanne, Genf und Freiburg. Bernard Sonney legt sein Amt nieder. Er begründet: «Zu meiner grossen Überraschung wurden Vorwürfe gegen mich erhoben.» Ausserdem hat das Bistum einen Priester aus Neuenburg suspendiert, dem im Ausland Vorwürfe gemacht werden.
Die Fachstelle Migratio bietet für Migrantinnen und Migranten eine Helpline an. Betroffene von Missbrauch können sich per Mail oder telefonisch melden – in ihrer Muttersprache. Migrierende melden sexuelle Übergriffe seltener, weil sie Angst haben, ihre Aufenthaltsbewilligung zu verlieren, sagt Nationaldirektorin Isabel Vasquez.
Der katholische Theologe Daniel Ammann (62) engagiert sich in der Männerbewegung und sagt: «Es braucht eine radikale Umkehr.» Die patriarchale Männlichkeit, die das System Kirche seit Jahrhunderten präge, müsse überarbeitet – und das Wissen darüber in der Ausbildung vermittelt werden. «Die Schnellbleiche-Kurse zu Nähe und Distanz sind Peanuts», so Ammann.
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