Das Bistum Köln muss 300'000 Euro Schmerzensgeld in einem Missbrauchsfall bezahlen. Das Besondere: der Fall ist verjährt. In der Schweiz schaut man mit besonderem Interesse auf Köln. Obwohl die Juristin Liliane Gross keine Klagewelle erwartet, sagt sie, dass das Kölner Urteil durchaus Signalwirkung für die Schweiz haben könnte.
Der Vatikan hat die kirchlichen Anti-Missbrauchs-Leitlinien aktualisiert. Nun soll eine weltweite Umfrage durchgeführt werden, in denen die Ortskirchen dazu Stellung beziehen können. Im Oktober 2024 soll dann das neue Modell für Schutzstandards veröffentlicht werden.
Muss die Kirche als Institution dafür haften, wenn sich Priester oder andere Angestellte schuldig machen durch sexualisierte Gewalt oder andere Vergehen? Der Prozess in Traunstein könnte Signalwirkung haben für weitere Verfahren.
Vor dem Landgericht Traunstein beginnt heute der zweite Schadensersatzprozess eines Missbrauchsopfers gegen die katholische Kirche in Deutschland. Ein Mann aus Oberbayern fordert 300'000 Euro Schmerzensgeld vom Erzbistum München-Freising sowie 50'000 Euro von den Erben des früheren Papstes Benedikt XVI.
Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Georg Bätzing, sprach beim Kirchentag in Nürnberg über Kardinal Woelki und die Aufarbeitung von Missbrauch im Erzbistum Köln. «Es gibt Menschen, auf die man wie auf ein totes Pferd einreden kann und findet kein Verständnis.» Ebenso plädiert Bätzing für die Lockerung des Pflichtzölibats.
Karin Iten hat als Präventionsbeauftragte polarisiert – und sehr vehement die feministische Ausrichtung vertreten, sagt Thomas Bergamin, Präsident der Katholischen Landeskirche Graubünden. Wer von Präventionsfachleuten eine brave, unterwürfige und systemtreue Prävention erwarte, habe keine Ahnung vom Thema, sagt Itens Teamkollege Stefan Loppacher.
Aus Sicht des Kinderschutzexperten und Jesuiten Hans Zollner müsste Papst Franziskus die Missbrauchsaufarbeitung stärker fokussieren. «Er hat es leider nicht zu der Priorität Nummer eins seines Pontifikats gemacht», sagte Zollner im Interview der «taz» (Samstag).
Neue Recherchen zeigen: katholische Geistliche haben im kommunistischen Polen mehr als 1'000 Minderjährige missbraucht. Unabhängige Experten wollen nun die Kirchenarchive durchforsten. Die Kirchenführung zeigt sich zögerlich.
Marie-Dominique Philippe lehrte fast 40 Jahre Theologie in Freiburg. Heute ist bekannt: Zusammen mit seinem Bruder Thomas und dem Arche-Gründer Jean Vanier waren sie die Köpfe hinter einer kruden erotischen Mystik. Diese lebten sie mit hunderten Frauen aus. An einem Studienabend stellt sich die Universität Freiburg ihrer Vergangenheit.
Die deutsche «Initiative Sauerteig» fordert: auch bereits verjährte Missbrauchsverbrechen müssen aufgeklärt werden. Sie fordert, mittels einer Dunkelfeldstudie pädokriminelle Strukturen in der Kirche sichtbar zu machen.
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