Die Kirche hat Missbrauchbetroffene lange allein gelassen.
Vatikan

Vatikan startet weltweite Umfrage zu Anti-Missbrauchs-Leitlinien

Der Vatikan hat die kirchlichen Anti-Missbrauchs-Leitlinien aktualisiert. Nun soll eine weltweite Umfrage durchgeführt werden, in denen die Ortskirchen dazu Stellung beziehen können. Im Oktober 2024 soll dann das neue Modell für Schutzstandards veröffentlicht werden.

Die Päpstliche Kinderschutzkommission möchte ihre Arbeit beim Missbrauchsschutz weltweit bewerten lassen. Dazu startet sie eine Umfrage zu den von ihr kürzlich aktualisierten kirchlichen Anti-Missbrauchs-Leitlinien, wie die Kommission am Freitag mitteilte. Die Richtlinien dienen als Modell für Schutzstandards, die in jeder Ortskirche auf der ganzen Welt umgesetzt werden sollen.

Weltweite Umfrage zum Schutzkonzept

Nach der Vollversammlung der Kommission im Mai, hatte ihr Leiter Kardinal Sean O’Malley eine Überprüfung der aktuellen Richtlinien angekündigt. Neben Bischofskonferenzen und Leitern katholischer Orden soll nun ein jeder die aktualisierte Fassung bewerten können. Dazu hat die Kommission eine Online-Umfrage in vier Sprachen entwickelt – auf Englisch, Italienisch, Spanisch und Portugiesisch.

Nach einer Überprüfung der Antworten, sollen diese laut Kommission in das endgültige Schutzdokument einfliessen. Eine Genehmigung der neuen Leitlinien sei Ende 2023 geplant. Sie gelten für die katholische Kirche weltweit und verlangen etwa von den Ortskirchen, Systeme zur Meldung von Missbrauchsfällen einzurichten und Betroffene auf verschiedene Weisen zu unterstützen. Grundsätzlich soll ein sicheres Umfeld in der gesamten Kirche geschaffen werden, auch durch kontinuierlichen Ausbildung und Schulung aller Amtsträger.

Papst wird im Jahresbericht informiert


Papst Franziskus hatte der Kommission die Zuständigkeit für die Schutzrichtlinien innerhalb des Vatikans übertragen. Sie soll auch diejenigen Teile der Kirche unterstützen, die nicht über die finanziellen oder personellen Ressourcen verfügen, um die praktische Umsetzung dieser Vorschriften zu gewährleisten.

In einem Jahresbericht möchte der Papst über die Fortschritte der Arbeiten informiert werden. Einen ersten Entwurf will die Kommission im Oktober 2023 vorlegen. Ein vollständiger Bericht mit «Live-Daten» aus der gesamten Kirche soll im Oktober 2024 veröffentlicht werden. (cic)


Die Kirche hat Missbrauchbetroffene lange allein gelassen. | © Harald Oppitz/KNA
23. Juni 2023 | 16:00
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