Die Bischöfe haben auf den kirchlichen Missbrauch spät und ungenügend reagiert. Es braucht Druck von aussen, sagt der Theologe Odilo Noti. Eine Kolumne.
Die Studie über Missbrauch in der katholischen Kirche bewegt auch die Politik in der Schweiz. National- und Ständeräte stellen Forderungen, auch in den Kantonen reichen Politikerinnen und Politiker Vorstösse ein. Die Zürcher Justizdirektorin gibt eine strafrechtliche Aufarbeitung der Missbrauchsfälle in Auftrag. In Bern will ein Grossrat die Kantonsgelder an die Kirche einfrieren.
Die geplante Domherreninstallation von Wieslaw Reglinski, residierender Domherr des Standes Bern, und von Reto Kaufmann, nicht residierender Domherr des Standes Zug, am 23. November in der St. Ursen-Kathedrale Solothurn wird abgesagt.
Ein Priester aus dem Jura soll einen Minderjährigen missbraucht haben. Er gehört der umstrittenen Gemeinschaft Saint-Jean an. Gegen ihn laufen derzeit Untersuchungen in Frankreich. Bischof Felix Gmür hat nach Bekanntwerdung der Anzeige gehandelt.
Die Zürcher Justizdirektorin Jacqueline Fehr (SP) hat eine strafrechtliche Aufarbeitung der Missbrauchsfälle bei der katholischen Kirche gefordert. Sie hat der Staatsanwaltschaft einen entsprechenden Auftrag gegeben.
Ein Priester aus dem Kanton Jura wurde per sofort seines Amtes erhoben. Er soll im Ausland einen Minderjährigen missbraucht haben. Bischof Felix Gmür habe die Justiz und den Vatikan eingeschaltet.
Die Römisch-Katholische Zentralkonferenz der Schweiz (RKZ), der Dachverband der Kantonalkirchen, verlangt zwingend die Mitarbeit externer Fachleute bei der Untersuchung der Vorwürfe gegenüber einigen Schweizer Bischöfen. Der Churer Bischof Joseph Bonnemain soll diese nicht alleine machen. Die Unterstützung der Opfer sei wichtiger als die Sorge um das Image der Kirche.
«Es wird Zeit, dass die Kirche sich klar auf Seite der Unterdrückten in ihren eigenen Strukturen positioniert», fordert die Theologin Nadja Waibel. Es muss hingeschaut und geredet werden.
Der Missbrauchsskandal und das Verhalten der St.Galler Bischöfe hat in der katholischen Basis tiefe Betroffenheit und Wut ausgelöst. Am Montagabend sind rund 500 Gläubige, darunter viele Mitarbeitende der katholischen Kirche, dem Aufruf zu einer Art Trauerfeier gefolgt. In einem sogenannten Anhörkreis haben Dutzende in Wortmeldungen Enttäuschung und Wut, aber auch Hoffnung ausgedrückt.
«So nicht!» lautet der Titel einer Zeitungsanzeige, mit der 107 kirchliche Mitarbeitende im Dekanat St. Gallen ihre Betroffenheit angesichts der Missbrauchsstudie, aber auch ihren Wunsch nach System- und Kulturwandel zum Ausdruck gebracht haben. Viele positive Reaktionen hat dieses Inserat bereits ausgelöst.
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