Sie vertreten Missbrauchsbetroffene in der katholischen Kirche – die Gruppe Sapec und die IG Miku. Sie unterstützen die Erkenntnisse der Vorstudie zum sexuellen Missbrauch in der Kirche Schweiz. Diese entsprächen ihren Erfahrungen.
Der Schlussbericht der Universität Zürich zu den sexuellen Missbräuchen in der römisch-katholischen Kirche in der Schweiz erschreckt und erschüttert gemäss Schweizer Bischofskonferenz. Um solche künftig zu verhindern, soll nicht nur eine Meldestelle eingerichtet werden. Seelsorgende sollen in der Ausbildung auch psychologische Eignungstests durchlaufen.
Die Kirche hat Missbrauch vertuscht und verschwiegen. «Das ist zutiefst beschämend», sagt Renata Asal-Steger, Präsidentin der Römisch-Katholischen Zentralkonferenz der Schweiz. Sie will sich für einen «unerlässlichen Kulturwandel in der Kirche» einsetzen.
Die Vorstudie deckt auf: Ein Priester des Bistums St. Gallen soll Jahrzehnte lang Kinder missbraucht haben. Bischof Ivo Fürer ignorierte die Meldungen. Auch sein Nachfolger, Bischof Markus Büchel, agierte nicht. Der Priester wird bis heute als Seelsorger eingesetzt.
Das Forschungsteam der Universität Zürich hat 1002 Fälle sexuellen Missbrauchs aufgedeckt. Bis zur Jahrtausendwende wurde systematisch vertuscht und kaum Fälle nach Rom gemeldet. Auch danach bleiben Meldungen Ausnahmen. Nur der Druck von Betroffenenorganisationen und Medien zwingt die Kirche in der Schweiz, Missbrauch zu verfolgen.
Heute werden die Ergebnisse der Studie «Sexueller Missbrauch im Umfeld der katholischen Kirche der Schweiz» vorgestellt. Um 9.30 Uhr endet die Sperrfrist. Das erwartet Sie heute auf kath.ch.
Lisbeth Binder (72) ist mehrfach Betroffene von sexuellem Missbrauch durch Priester – wie im Film «Unser Vater» zu erfahren ist. «Das kann die Kirche nicht mehr gutmachen», sagt sie. Sie erhofft sich von der Missbrauchsstudie, dass damit das Machtgehabe der Kirchenleitung aufhört. Und die Kirche soll sich betreffend Wiedergutmachung ein Vorbild am Staat nehmen.
Kann ein Bischof aus eigener Initiative sein Amt niederlegen? Werden Kleriker, die Sexualdelikte begangen haben, exkommuniziert? Solche und andere heikle Fragen im Zusammenhang mit der kirchlichen Missbrauchsproblematik beantwortet Stefan Loppacher, Kirchenrechtler und Präventionsbeauftragter im Bistum Chur. Er stellt klar: «Der Papst ist der Einzige, der das kirchliche Strafprozessrecht ändern kann.»
Bischof Charles Morerod und Weihbischof Alain de Raemy vom Bistum Lausanne, Genf und Freiburg sollen Missbrauch vertuscht haben. Gegen sie ermittelt der Untersuchungsleiter Bischof Joseph Bonnemain. «Die Ergebnisse der Untersuchung werden es ermöglichen, die notwendigen Massnahmen einzuleiten», sagt LGF-Sprecherin Laure-Christine Grandjean.
Sechs Bischöfe sollen aktiv Missbrauchsfälle vertuscht haben. Einem aktiven Mitglied der SBK wird selbst Missbrauch eines Minderjährigen vorgeworfen. Bischof Joseph Bonnemain muss nun gegen seine Mitbrüder ermitteln. «Am liebsten hätte ich den Auftrag von Rom abgelehnt», sagt der Churer Bischof. Er glaubt, dass er professionelle Distanz wahren kann.
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