Vreni Peterer zum Bistums-Verhalten: «Das Nicht-Feiern ist nur kosmetisch»
Die Allianz Gleichwürdig Katholisch und die Betroffenenorganisation IG-M!kU kritisieren das Bistum Basel für seinen Umgang mit der Ehrendomherr-Verleihung an einen ehemaligen Offizial. Der Mann habe in einem Missbrauchsfall Fehler gemacht. Das Bistum zeige zu wenig Sensibilität.
Wie am Montag bekannt wurde, feiert das Bistum Basel nun die Ernennung eines umstrittenen Kirchenmannes zum Ehrendomherrn nicht. Das zeigt laut den beiden Organisationen, dass das Bistum das Befremden gegenüber dem «Automatismus» einer solchen Ernennung sieht, «jedoch nicht zu einer klaren Haltung findet». So schreiben sie es am Dienstag in einer gemeinsamen Mitteilung.
Prozesse hinterfragen
Die Präsidentin der IG-M!kU, Vreni Peterer, bringt es darin auf den Punkt: «Für einen echten Kulturwandel müssen die Prozesse hinterfragt und angepasst werden. Das Nicht-Feiern ist nur kosmetisch und zeigt, dass unsere Fragen und Bedenken nicht ernst genommen werden.» Das Bistum zeige «wenig Sensibilität» für die Situation von Missbrauchsbetroffenen.
Die beiden Organisationen haben laut Mitteilung bereits am 16. August letzten Jahres bei der Bistumsleitung eine gemeinsame Anfrage zur Praxis bei Personalentscheiden und Ernennungen gemacht. Dies, nachdem das Bistum angekündigt hatte, einen bisherigen Domherrn zum Ehrendomherrn zu ernennen.
Fehlentscheide bei einem Missbrauchsfall
Das Problematische daran war, dass der betreffende Kirchenmann während seiner Amtszeit als Leiter des Offizialats des Bistums Basel den «Fall Nussbaumer» bearbeitet hat. Dabei seien Fehler und Fehleinschätzungen passiert, schreiben die beiden Organisationen und verweisen auf eine Stellungnahme des Bistums vom 18. August, in dem dies erwähnt war.
Die beiden Organisationen wandten sich mit ihrer Anfrage vom vergangenen August an Bischof Felix Gmür und Generalvikar Markus Thürig. Darin betonten sie laut Mitteilung, «dass die katholische Kirche nicht glaubwürdig auftreten kann, wenn nicht auch in der Leitung und in der Kommunikation ein Wandel stattfindet». Sie äusserten sich besorgt darüber, dass Personalentscheide wie bei diesem Kirchenmann zu einer «Retraumatisierung von Betroffenen» führen könnten. Dies müsse möglichst vermieden werden.
Hinweise auf eine neue «best practice»
Im Schreiben stellten die beiden Organisationen Fragen, die ihre Erwartungshaltung an die Bistumsleitung offenbarten. So schrieben sie:
«Werden vergangene Fehler (Fehlentscheidungen) in Bezug auf die Bearbeitung von Missbrauchsfällen in Personalentscheiden miteinbezogen? Haben sie Konsequenzen?
Wird die Perspektive von Betroffenen von Missbrauch im kirchlichen Umfeld, insbesondere die Perspektive der direkt Betroffenen, die unter den entsprechenden Fehlentscheiden leiden, in Personalprozessen mitgedacht?
Werden die Betroffenenorganisationen oder die direkt Betroffenen, die unter dem entsprechenden Fehler leiden, im Vorfeld solcher Personalentscheide benachrichtigt?
Werden gegenüber den Betroffenen und Betroffenenorganisationen solche Personalentscheide nachvollziehbar begründet?
Wie wird der angestrebte Kulturwandel in Personalentscheiden berücksichtigt? Insbesondere in Personalentscheiden, die einen «automatisierten» Charakter haben?»
Keine Antwort vom Bischof
Bischof Gmür sei auf die Fragen in seinem Antwortschreiben nicht ein, schreiben dei AGK und die IG-M!kU. Hingegen habe er darauf hingewiesen, dass es gemäss den Statuen des Domkapitels Usus sei, dass Domherren mit ihrem Austritt aus dem Domkapitel zu Ehrendomherren ernannt würden. Dies hatte das Bistum auch bei einer Anfrage von kath.ch so geäussert.
Doch damit geben sich die AGK und die IG-M!kU nicht zufrieden. Sie erwarteten vom Bistum weiterhin eine Antwort, schreiben sie in der Mitteilung. Auch würden sie weiter beobachten, «wie der gewünschte Kulturwandel im Bistum Basel und in der Kirche Schweiz anvisiert wird».
Allianz Gleichwürdig Katholisch und IG-M!kU
In der «Interessengemeinschaft für Missbrauchsbetroffene im kirchlichen Umfeld» (kurz IG-M!kU) stehen Betroffene und nicht direkt Betroffene gemeinsam dafür ein, dass Missbrauch im kirchlichen Umfeld – körperlicher oder seelischer Art – nicht totgeschwiegen wird.
Die Allianz Gleichwürdig Katholisch (AGK) ist eine gesamtschweizerische reformkatholische Organisation und versteht sich als offene Projektgemeinschaft. Ihr zugehörig sind Personen und Organisationen, die die Anliegen der AGK teilen und unterstützen: Einzelpersonen und Personen, die verschiedene Organisationen, Initiativen, Verbände, Pfarreien, Kirchgemeinden und Landeskirchen vertreten. Darunter der SKF (Schweizerischer Katholischer Frauenbund), die Jubla (Jungwacht Blauring Schweiz), die KAB Schweiz, der VKP (Verband Katholischer Pfadi), die Juniainitiave, die Landeskirche Thurgau, die Zöfra, die IG M!kU. (rp)
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