Die Walliser Abtei Saint-Maurice reagiert auf die Missbrauchsvorwürfe, die gegen neun ihrer Chorherren in der Sendung «Mise au point» von RTS erhoben wurden. Das Kapitel werde am Dienstag darüber befinden, am Mittwoch sollen die Beschlüsse kommuniziert werden.
Das Westschweizer Fernsehen RTS hat einen Missbrauchsskandal in der Walliser Abtei Saint-Maurice enthüllt. Neun Chorherren wurden am Sonntag in der RTS-Sendung «Mise au point» des Missbrauchs oder der Pädokriminalität beschuldigt – unter ihnen der aktuelle Prior Roland Jaquenoud. Dieser vertritt Abt Jean Scarcella, der wegen Missbrauchsvorwürfen sein Amt vorläufig sistiert hat.
Es ist ein Schlag, der tief sitzt. Aus dem Kloster Saint-Maurice ist seit Sonntagabend bekannt, dass neun Priester in Fälle von sexuellen Übergriffen auf Minderjährige verstrickt sind. Einige von ihnen sind immer noch im Amt. «Die Recherche von RTS deckt nicht nur Einzelfälle auf, sondern ein ganzes System», sagt Charles Martig im Kommentar. «Das ist schockierend.»
Die Vertuschung von Missbrauch in der katholischen Kirche sei «weder akzeptabel noch verhandelbar», sagte der Papst bei einem Treffen mit Vertretern von Meldestellen. Der Papst appellierte ausserdem, sich gegen Kinderpornographie im Internet einzusetzen.
Der Papst hat der Schaffung eines nationalen Kirchenstraf- und Disziplinargerichts zugestimmt. Die Meldung, dass der Papst auch die Archive der Nuntiatur öffne, sei hingegen «nicht korrekt», sagt Felix Gmür im Interview mit kath.ch.
Felix Gmür und Joseph-Maria Bonnemain haben Papst Franziskus zu Gesprächen getroffen. Themen waren das geplante nationale Kirchenstrafgericht, die Aussetzung der Aktenvernichtung und die Öffnung der Nuntiatur-Archive in Bern. Das Präsidium der RKZ wertet das «Engagement der Bischöfe und die Bereitschaft des Papstes für dieses Treffen sehr positiv».
Das Bistum Trier will jährlich informieren, was es in den Bereichen Prävention, Intervention und Aufarbeitung von sexuellem Missbrauch tut. Für 2022 liegt der erste Bericht vor. Das Vorgehen des deutschen Bistums könnte ein Vorbild für die geplante Schweizer Meldestelle sein.
Statt Geldhahn-Drohung forderte die Synode in Solothurn jüngst Reformen – unter anderem zur Gleichstellung der Frau und zur Abschaffung des Zölibats. Solothurner Katholiken wollen auch keine Akten mit Missbrauchsbezug vernichten. Der Landeskirchenrat Thurgau sieht bereits «positive Schritte» in Form der vom Bistum Basel inzwischen getroffenen Reformmassnahmen.
Seit Freitag ist es amtlich. Bischof Joseph Bonnemain erhält als Sonderermittler zwei Engel zur Seite gestellt. Brigitte Tag und Pierre Cornu schauen ihm über die Schulter, wenn es um die Untersuchung gegen seine Amtsbrüder in der Bischofskonferenz geht. «Das schafft Vertrauen», meint Charles Martig. Aber er betont auch: «Das Ganze ist und bleibt ein kirchenrechtliches Verfahren.»
Die katholische Kirche ahndet sexuelle Übergriffe in ihrem Umfeld unprofessionell. Darüber sind sich kirchliche Expertinnen und Experten auf dem Podium der Universität Zürich einig. «Wir wussten früher nicht, wie mit Missbrauchsmeldungen umgehen. Und wir sind heute nicht viel weiter», sagte Nicolas Betticher, Offizial am Interdiözesanen schweizerischen kirchlichen Gericht.
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