Es braucht in der Kirche Beschränkung und Teilung von Macht, sagt der Theologe Daniel Kosch. So könnte das Kirchenvolk an der Wahl des Bischofs beteiligt und seine Amtszeit «auf vielleicht zwölf Jahre beschränkt» sein. Zudem würde das Bischofsamt aufgewertet werden, «wenn es nicht nur zölibatären Männern offenstünde, sondern auch Frauen».
In Deutschland will eine katholische Gemeinde die Personalentscheidung des Bistums Essen nicht akzeptieren und rebelliert gegen einen Priester, dem sexuell grenzverletzendes Verhalten vorgeworfen wird. Die Katholische Junge Gemeinde (KjG) zeigt sich in einem offenen Brief an Bischof Franz-Josef Overbeck erschüttert.
Im Bistum Sitten hat ein Priester zwei Kinder über Jahre hinweg misshandelt. Der Täter streitet die Taten ab und hielt sich nicht an die Sanktionen. Bischof Jean-Marie Lovey informierte deswegen die aktiven Priester über den Missbrauchstäter. «Er darf nicht mehr als Priester auftreten». Und: Der Bischof von Sitten will mit Gesprächsabenden Vertrauen zurückgewinnen.
Vorwürfe gegen einen weiteren Papstberater: Dem Erzbischof von Quebec, Gerald Cyprien Lacroix, werden im Rahmen einer Sammelklage sexuelle Übergriffe vorgeworfen. Der französischsprachige Kardinal gehört zu den engen Beratern des Papstes.
Die Studienergebnisse zum Missbrauch in der evangelischen Kirche «muss uns als EKS zu denken geben». Das «positive Selbstbild» habe dazu geführt, dass die reformierte Kirche die eigenen Schwachstellen zu lange ausgeblendet habe. Rita Famos rechnet damit, dass für die Schweiz bald eine eigene Studie kommen wird.
Der Mannheimer Psychiater Harald Dressing kritisiert die Kooperation der evangelischen Landeskirchen Deutschlands bei der Missbrauchsstudie. Sie hätten die vertraglich zugesagten Daten und Akten nur schleppend und auch nur in Teilen geliefert.
Auch in der evangelischen Kirche gibt es Missbrauch in erschütterndem Ausmass. Dies zeigt eine heute veröffentlichte Studie. Kirchen müssen ihre «täterschützenden Strukturen» endlich anpacken, schreibt Annalena Müller. «Nur so können wir bewahren, was bewahrenswert ist: die christliche Lehre von Liebe und Mitmenschlichkeit».
Die Zahl der Missbrauchsopfer in der evangelischen Kirche und Diakonie Deutschlands ist viel höher als bislang angenommen. Laut einer am Donnerstag vorgestellten Studie sind seit 1946 in Deutschland nach einer Hochrechnung 9355 Kinder und Jugendliche sexuell missbraucht worden. Die Zahl der mutmasslichen Täter liegt bei 3497.
Detlev Zander erlebt als Kleinkind in einem evangelischen Kinderheim in Deutschland sexuelle Gewalt. Seit Jahren drängt er die evangelische Kirche zur Aufarbeitung. Über die Studie, die am Donnerstag vorgestellt wird, sagt er: «Das wird ein Beben auslösen».
«Der Spiegel» enthüllt weitere Details zu MeToo-Vorwürfen gegen einen katholischen Kirchenhistoriker in Deutschland. Er hatte mit einer Studentin Sex während einer Online-Lehrveranstaltung und war später für den Cäcilienverband tätig.
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