Der Mannheimer Psychiater Harald Dressing kritisiert die Kooperation der evangelischen Landeskirchen Deutschlands bei der Missbrauchsstudie. Sie hätten die vertraglich zugesagten Daten und Akten nur schleppend und auch nur in Teilen geliefert.
Auch in der evangelischen Kirche gibt es Missbrauch in erschütterndem Ausmass. Dies zeigt eine heute veröffentlichte Studie. Kirchen müssen ihre «täterschützenden Strukturen» endlich anpacken, schreibt Annalena Müller. «Nur so können wir bewahren, was bewahrenswert ist: die christliche Lehre von Liebe und Mitmenschlichkeit».
Die Zahl der Missbrauchsopfer in der evangelischen Kirche und Diakonie Deutschlands ist viel höher als bislang angenommen. Laut einer am Donnerstag vorgestellten Studie sind seit 1946 in Deutschland nach einer Hochrechnung 9355 Kinder und Jugendliche sexuell missbraucht worden. Die Zahl der mutmasslichen Täter liegt bei 3497.
Detlev Zander erlebt als Kleinkind in einem evangelischen Kinderheim in Deutschland sexuelle Gewalt. Seit Jahren drängt er die evangelische Kirche zur Aufarbeitung. Über die Studie, die am Donnerstag vorgestellt wird, sagt er: «Das wird ein Beben auslösen».
«Der Spiegel» enthüllt weitere Details zu MeToo-Vorwürfen gegen einen katholischen Kirchenhistoriker in Deutschland. Er hatte mit einer Studentin Sex während einer Online-Lehrveranstaltung und war später für den Cäcilienverband tätig.
Matthias Fischer thematisiert in seiner Ausstellung in der Berner Heiliggeistkirche sexualisierte und spirituelle Gewalt durch die katholische Kirche. Und zwar in Bildern, Installationen und szenischen Fotografien. Der reformierte Pfarrer wurde als Kind selbst missbraucht – systematisch durch ein Netzwerk pädophiler katholischer Priester in Deutschland. Vergebung ist für ihn keine Option.
Papst Franziskus hat sich zur Medienberichterstattung über Skandale in der katholischen Kirche geäussert. Es gebe Skandale, sagte er am Montag bei einer Audienz für rund 150 am Vatikan akkreditierte Journalistinnen und Journalisten. Er dankte den Anwesenden für den Respekt und das besondere Taktgefühl, mit dem sie über diese berichteten.
Das deutsche Bistum Münster hat an einem Missbrauchsopfer eine hohe Summe zur Anerkennung seines Leids gezahlt. 300'000 Euro seien überwiesen worden, sagte der Interventionsbeauftragte Stephan Baumers. Die betroffene Person habe «schwersten sexuellen Missbrauch über einen längeren Zeitraum» erlitten.
Auf kritische Fragen, Unverständnis und Wut antwortet Bischof Felix Gmür mit seinem Hirtenwort 2024. Innovationsforscher Claus Noppeney hätte mehr als schöne Worte erwartet: «Mit einem aufrichtigen Abschiedswort sollte Bischof Felix den Weg für einen radikalen Neuanfang im Bistum Basel freimachen.»
Auch in den evangelischen Kirchen gab und gibt es Missbrauch – und Vertuschung. Die Täter agierten hier nicht nur im Umfeld einer beengenden Sexualmoral – vergleichbar mit der katholischen -, sondern auch unter dem Vorzeichen der «freien Liebe». Das zeigen Recherchen wenige Tage vor der Publikation der Studie in Deutschland.
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