An diesem Wochenende, 4. Oktober, beginnt im Vatikan die Bischofssynode zu Fragen über Ehe und Familie. Es ist ein zentrales Anliegen von Papst Franziskus, dass die Kirchenvertreter aus der ganzen Welt diese Themen breit diskutieren. Was ist von dieser Synode zu erwarten? Ein Kommentar von Charles Martig und ein neues Webdossier von kath.ch.
Die Erwartungen vor einer Bischofssynode waren selten so hoch. Vielleicht weil es bei Ehe und Familie auch um heisse Eisen geht wie die katholische Sexualmoral. Ob sich danach aber wirklich was ändert, ist längst nicht klar.
Er ist einer der massgeblichen Wortführer der Kirchenoberhäupter Afrikas: Kurienkardinal Robert Sarah aus Guinea spricht sich vor der Bischofssynode gegen jegliche Reformen gegenüber wiederverheirateten Geschiedenen und Homosexuellen aus und wehrt sich gegen einen «ideologischen Kolonialismus» des Westens.
Für den Wiener Pastoraltheologen Paul Zulehner ist der Gegensatz zwischen «hoch besorgten Ideologen und einfühlsamen Hirten» gross. Er fordert ein Nachdenken über die Frage: Besteht Ehe ohne Liebe überhaupt noch?
Franziskus bei «fliegender Pressekonferenz»: Annullierungsreform keine Infragestellung der Unauflöslichkeit der Ehe – Synode müsse ernsthaft Ehevorbereitung überdenken – Auch Vertuschen von Missbrauch etwas «ausgesprochen Hässliches».
Nicht alle Kontinente ticken in Familienfragen wie Europa oder die USA. Vor allem aus Afrika sind oft sehr andere Töne zu hören. So auch in einem Thesenpapier für die afrikanischen Teilnehmer der Weltbischofssynode.
Papst Franziskus hat in der Debatte über den kirchlichen Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen eine Verengung auf die Zulassung zur Kommunion kritisiert. Das sei «keine Lösung», sagte Franziskus in der Nacht auf Montag deutscher Zeit auf dem Flug von Philadelphia nach Rom vor mitreisenden Journalisten.
Papst Franziskus ist nicht nur als kirchlicher Hirte sondern auch als Staatsoberhaupt international unterwegs. Die Amerikareise dient vor allem der Diplomatie und dem Dialog zwischen Kuba und den USA, meint Charles Martig, Direktor des Katholischen Medienzentrums in seinem Kommentar. Dennoch sind in den kommenden Tagen auch deutliche Signale aus Washington, New York und Philadelphia zu erwarten.
«Bezüglich der herkömmlichen Sexualmoral würde ich der Kirche ein Moratorium empfehlen, nämlich vorerst zu schweigen.» Das schreibt Leo Karrer in seinem Kommentar für kath.ch. Er nimmt Stellung zu den Aussagen von Bischof Jean-Marie Lovey, die im Interview von kath.ch am 16.9.15 veröffentlicht wurden. Karrer ist emeritierter Professor für Pastoraltheologie.
Bischöfe aus der Schweiz, Deutschland und Frankreich haben am Montag an einer theologischen Tagung zu Fragen der Familiensynode teilgenommen. Aus der Schweiz waren die Bischöfe Jean-Marie Lovey und Felix Gmür angereist.
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