Familie
Vatikan

Mit Spannung erwartete Familiensynode beginnt am Sonntag in Rom

Rom, 1.10.15 (kath.ch) Nach heftigen Debatten im Vorfeld beginnt am Sonntag, 4. Okober, im Vatikan die Weltbischofssynode zu Ehe und Familie. Drei Wochen lang diskutieren rund 300 Bischöfe und etwa 120 Experten in Anwesenheit des Papstes. Der Walliser Bischof Jean-Marie Lovey vertritt die Schweiz.

In Rom geht es unter anderem um heisse Eisen wie den Umgang der katholischen Kirche mit wiederverheirateten Geschiedenen und mit Homosexuellen. Diese in Deutschland besonders beachteten Themen gelten bei vielen Beobachtern als Gradmesser für die Reformfähigkeit der Kirche. Allerdings hat Papst Franziskus sich dagegen ausgesprochen, die Debatte auf diese Themen zu verengen.

Der Papst will mit der Synode Ehe und Familie in der modernen Gesellschaft stärken. Bedroht wird das Familienleben aus Sicht der Kirchenoberen unter anderem durch Kriegs- und Armutsmigration und generell durch die wachsende Mobilität in der modernen Gesellschaft. Auch die grundsätzliche Infragestellung der klassischen Ehe von Mann und Frau wird als Gefahr gesehen. Ferner gilt aus katholischer Sicht die traditionelle Vielehe in afrikanischen Kulturen als Bedrohung des christlichen Familien-Ideals. Ausserdem haben zwei vom Papst angeregte Umfragen gezeigt, dass viele Katholiken die katholische Lehre zu Ehe und Sexualität in der Praxis nicht befolgen.

Sind Änderungen möglich?

Umstritten ist, ob diese Lehre deshalb in einigen Punkten neu interpretiert oder gar verändert werden soll. Manche plädieren dafür, wiederverheiratete Geschiedene nach intensiver Prüfung wieder zur Kommunion zuzulassen. Andere wollen positive Aspekte dauerhafter homosexueller Beziehungen hervorheben.

Viele, darunter afrikanische und osteuropäische Bischöfe, lehnen jegliche Änderung als Angriff auf die Unauflöslichkeit der Ehe ab. Für Beschlüsse der Synode ist eine Zweidrittelmehrheit erforderlich. Unklar ist noch, welche Veränderungen Papst Franziskus will und welche Empfehlungen der Synode er am Ende übernehmen wird.

Stattliche deutsche Delegation

Unter den Teilnehmern sind neun Deutsche: Die Deutsche Bischofskonferenz entsendet ihren Vorsitzenden, Kardinal Reinhard Marx, sowie den Berliner Erzbischof Heiner Koch und den Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode. Dazu kommt der Benediktiner-Erzabt Jeremias Schröder als Vertreter aus den Ordensgemeinschaften. Als Kurienkardinal nimmt Gerhard Ludwig Müller von Amts wegen teil, ferner hat der Papst Kardinal Walter Kasper in die Synode berufen. Ausserdem sind der evangelische Theologe Thomas Schirrmacher und das katholische Ehepaar Petra und Aloys Buch dabei. Mit 16 anderen Paaren aus aller Welt sollen sie ihre Erfahrungen aus dem Alltag einbringen. (kna)

Familie | © Alexandra H. / pixelio.de)
1. Oktober 2015 | 11:33
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