Ausland

Papst Franziskus auf diplomatischer Mission

Zürich/Kuba, 22.9.2015 (kath.ch) Papst Franziskus ist nicht nur als kirchlicher Hirte, sondern auch als Staatsoberhaupt international unterwegs. Die Amerikareise dient vor allem der Diplomatie und dem Dialog zwischen Kuba und den USA, meint Charles Martig, Direktor des Katholischen Medienzentrums in seinem Kommentar. Dennoch sind in den kommenden Tagen auch deutliche Signale aus Washington, New York und Philadelphia zu erwarten.

Charles Martig

Es ist ein starkes Zeichen, dass der Papst auf dem Platz der Revolution in Havanna einen Gottesdienst gefeiert hat. Hier befindet sich das Zentrum der kubanischen Revolution. Ein Bildnis von Ernesto «Che» Guevara dominiert den Platz, der für Veranstaltungen der Kommunisten reserviert ist. Papst Franziskus setzt damit ein Zeichen, das weit ausstrahlt. Er kann jedoch nicht alle Hoffnungen erfüllen. Die Dissidenten kann er in Kuba nicht treffen, denn er ist auf einer diplomatischen Mission.

Diplomatie unterstützt das kubanische Volk

Anders als vielfach wahrgenommen ist der Papst nicht nur kirchliches Oberhaupt der katholischen Kirche, sondern auch ein Staatsoberhaupt. Der Vatikan betreibt eine aktive Diplomatie weltweit. Hauptziel der Amerikareise scheint es zu sein, die Verbindungen und den Dialog zwischen Kuba und den USA weiter aufzubauen und zu verbessern. Denn Papst Franziskus weiss, dass er nur so dem kubanischen Volk und den Ärmsten im Land wirklich helfen kann.

Signale aus Philadelphia für die Familiensynode

Gespannt sind wir Europäer allerdings auf die Rede im Kongress in Washington (Stichwort: Kapitalismuskritik), an der UNO in New York (Stichwort: Friedensmission) und am katholischen Weltfamilienkongress in Philadelphia. Für die Familiensynode in Rom vom 4.–25. Oktober sind die Signale aus Philadelphia von grösster Bedeutung. Hier zeigt sich, wie sich Franziskus politisch gegenüber den einflussreichen US-Bischöfen verhält, wie er sie in die Synode einbinden will. Er ist ein Meister der symbolischen Gesten und Zeichen. Nach Washington und New York braucht er diese Fähigkeit auch in Philadelphia. Es ist ihm diplomatisches Geschick und tatkräftige Mithilfe vom Heiligen Geist zu wünschen!

Charles Martig

Direktor Katholisches Medienzentrum

Papst Franziskus und Raul Castro auf dem Flughafen in Havanna | © 2015 KNA
22. September 2015 | 04:29
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