Solidarität mit der Ukraine in Zürich.
Rauchzeichen

Krieg in der Ukraine, Davide Pesenti, Aschermittwoch: Was diese Woche wichtig wird

In Europa herrscht Krieg, in der Schweiz gehen die Menschen auf die Strasse. Davide Pesenti fängt als Generalsekretär der Schweizer Bischofskonferenz an. Der Aschermittwoch soll laut Papst Franziskus ein Tag werden, «an dem wir dem Leiden des ukrainischen Volkes nahe sind».

Raphael Rauch

Öffnungsrausch? Die Corona-Pandemie ist noch nicht ausgestanden – und schon sorgt die nächste Krise für Entsetzen. Der Krieg in der Ukraine hat auch Auswirkungen auf die Kirchen, im Grossen wie im Kleinen.

Martin Werlen versus Barbara Hallensleben

Die Schweizer Debatte hat aktuell zwei Pole. Martin Werlen, der frühere Abt von Einsiedeln, hat als erster die Rolle des russischen Patriarchen Kyrill I. kritisiert. Der hatte letzte Woche noch Putin zum «Tag des Verteidigers des Vaterlandes» gratuliert – ein Tag später herrschte Krieg in Europa. Am Wochenende legte Kyrill nach und nannte die Gegner Russlands «Kräfte des Bösen».

Martin Werlen
Martin Werlen

Barbara Hallensleben, Dogmatik-Professorin an der Uni Freiburg, hat enge Verbindungen zum russischen Patriarchat. Metropolit Hilarion, Kyrills Aussenminister, ist sogar Titularprofessor der Freiburger Fakultät. Hallensleben Gastkommentar lesen Sie hier.

Demo in Bern pfeift den Bundesrat aus

Die Menschen in der Schweiz warten nicht, bis sich der Bundesrat bewegt. Sie waren am Wochenende auf den Strassen, um ihre Empörung über die angebliche Neutralität der Schweiz zu bekräftigen. «80 Prozent des russischen Rohstoffhandels laufen über die Schweiz. Die Schweiz hat möglicherweise als einziges Land die wirtschaftlichen Mittel, diesen Krieg zu stoppen», sagt die Theologin Regula Grünenfelder. Am Samstag wurde der Bundesrat auf einer Demonstration in Bern ausgepfiffen. Am Montagnachmittag gab der Bundesrat dann bekannt: Die Schweiz übernimmt nun doch die EU-Sanktionen gegen Russland.

Friedensdemo in Bern am 26. Februar 2022.
Friedensdemo in Bern am 26. Februar 2022.

Die Kirchen in der Schweiz fallen aktuell nicht durch grosse Gesten auf – anders als in Österreich, wo letzten Freitag um 15 Uhr landesweit die Glocken läuteten. Aber an der Basis entstehen Projekte und Gebete. Heute Abend lädt der reformierte Pfarrer Christoph Sigrist zu einem interreligiösen Gebet ein, an dem auch ein Imam und ein Rabbiner teilnehmen werden.

Sehnsucht nach Frieden in Kirchenräumen

Christoph Sigrist macht die Erfahrung, die auch andere Seelsorgerinnen und Seelsorger aus der Schweiz melden: «Kirchenräume sind Resonanzräume für die Seele. Hier werden wir gehört, wenn die Welt um uns verstummt. Ganz Europa ist in einem Bad der Überforderung. Wir wissen nicht, wie wir mit der Situation umgehen können», sagt Christoph Sigrist im kath.ch-Interview. Das Gebet beginnt um 18 Uhr, es gibt einen Livestream. Eine Übersicht über weitere Friedensgebete finden Sie hier.

Kerzen im Zürcher Grossmünster.
Kerzen im Zürcher Grossmünster.

Der katholische Pfarrer von Richterswil, Mario Pinggera, stellte am Wochenende fest: Er hatte ein Drittel mehr Mitfeiernde wie vor der Corona-Pandemie. Die Menschen beschäftigt der Krieg in der Ukraine. Zusammen mit den Reformierten wirkt Mario Pinggera am Sonntag an einem «Wort und Musik»-Benefizgottesdienst mit, die Kollekte geht an die Nothilfe in der Ukraine. Solche Projekte oder Auftritte von Künstlerinnen und Künstlern mit der Ukraine-Flagge im Zürcher Opernhaus sind konkrete Zeichen von Solidarität, von «Fratelli tutti».

Olga Kulchynska und Valeriy Murga erscheinen zum Schlussapplaus am Opernhaus Zürich mit der ukrainischen Flagge.
Olga Kulchynska und Valeriy Murga erscheinen zum Schlussapplaus am Opernhaus Zürich mit der ukrainischen Flagge.

Im Publikum gestern Abend in der Zürcher Oper waren auch Josef Annen, der ehemalige Zürcher Generalvikar, und René Zihlmann, ehemaliger Präsident der Zentralkommission, im Zürcher Opernhaus.

Josef Annen, der ehemalige Zürcher Generalvikar, und René Zihlmann, ehemaliger Präsident der Zentralkommission, im Zürcher Opernhaus.
Josef Annen, der ehemalige Zürcher Generalvikar, und René Zihlmann, ehemaliger Präsident der Zentralkommission, im Zürcher Opernhaus.

«Fratelli tuti» bedeutet auch, Flüchtlinge aufzunehmen

Es wäre falsch zu sagen, Franziskus’ Enzyklika «Fratelli tutti» war noch nie aktueller als heute, denn auch im Jahr 2020 war die Welt nicht wirklich friedlicher – nur waren die Kriegsregionen weiter weg. «Fratelli tutti» bleibt hochaktuell.

Franziskus wiederholt in «Fratelli tutti» mehrmals das Bild des barmherzigen Samariters. Ihm widmet der Papst viele Seiten. Für ihn ist der Samariter keine Option, sondern ein Muss: «Angesichts so viel Schmerzes und so vielen Wunden ist der einzige Ausweg, wie der barmherzige Samariter zu werden.» Das hat Konsequenzen für die Schweizer Flüchtlingspolitik.

Frau auf der Flucht aus Kiew – nach dem Angriff Russlands auf die Ukraine am 24. Februar.
Frau auf der Flucht aus Kiew – nach dem Angriff Russlands auf die Ukraine am 24. Februar.

Aschermittwoch im Zeichen des Krieges

Papst Franziskus hat seinen Appell für einen Gebets- und Fastentag für die Ukraine am Aschermittwoch in den sozialen Netzwerken bekräftigt. Über Twitter rief er auch auf Russisch und Ukrainisch zum Gebet auf. Es solle ein Tag sein, «an dem wir dem Leiden des ukrainischen Volkes nahe sind und an dem wir Gott anflehen, den Krieg zu beenden», schreibt Franziskus:

Kurz vor Beginn der Fastenzeit, am morgigen Dienstag, tritt Davide Pesenti sein Amt als neuer Generalsekretär der Schweizer Bischofskonferenz an. Er stammt aus Italienischbünden, spricht alle vier Schweizer Landessprachen und arbeitete bislang als Journalist in Lausanne. Im November hatte er uns ein Interview gegeben. Wir wünschen einen guten Start!

SBK-Generalsekretär Davide Pesenti will sich nicht einmischen.
SBK-Generalsekretär Davide Pesenti will sich nicht einmischen.

Martin Wey, Stefan Isenecker

Andere Stellenantritte werden weniger klar kommuniziert. So etwa jener von Pesentis Stellvertreter, Martin Wey. Warum informiert die Bischofskonferenz nicht offiziell über eine Personalie, die in Kirchenkreisen ohnehin die Runde macht? Ähnliches gilt für das Bistum Chur, wo man sich schon länger fragt, welche Stelle der Priester Stefan Isenecker antreten wird.

Pfarrer Stefan Isenecker im Gottesdienst in der Kirche Tann ZH.
Pfarrer Stefan Isenecker im Gottesdienst in der Kirche Tann ZH.

«Im Hinblick auf die neuen Aufgaben, die ihm per 1. August 2022 übertragen werden, hat Bischof Bonnemain die Demissionen angenommen», wissen die Gläubigen der Dreifaltigkeitspfarrei Rüti-Dürnten-Bubikon schon länger. Schon länger arbeitet Stefan Isenecker auch für das Zürcher Generalvikariat, läuft sich dort offenbar für die Nachfolge von Tatjana Disteli warm.

Wie lange wird Isenecker noch an der Seitenlinie stehen? Der Sprecher des Zürcher Generalvikariats, Arnold Landtwing, sagt zu kath.ch: «Mit Blick auf die neuen Aufgaben von Stefan Isenecker laufen derzeit noch Gespräche. Erst nach Abschluss dieser Gespräche und entsprechender Vereinbarungen können wir offiziell informieren.»

Podcast «Hingehört» und «Tag der Kranken»

Am Mittwoch erscheint die erste Folge von «Hingehört», dem Podcast zum synodalen Prozess im Bistum Basel. Menschen aus der Jugendarbeit des Bistums Basel haben sich zusammengetan, um ihre Anliegen und Eindrücke festzuhalten. Mehr dazu am Mittwoch auf kath.ch.

Am Sonntag ist Tag der Kranken. Die Botschaft der Schweizer Bischöfe zu diesem Tag lesen Sie hier.

Was wird nächste Woche wichtig? Wir freuen uns über Ihren Input an rauchzeichen@kath.ch.

Die Sehnsucht nach Frieden beschäftigt uns am Aschermittwoch unmittelbarer als sonst. Eine friedvolle Fastenzeit wünscht Ihnen

Ihr

Raphael Rauch


Solidarität mit der Ukraine in Zürich. | © Aki/Katholische Hochschulgemeinde
28. Februar 2022 | 14:54
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