Derzeit wird eine Voruntersuchung gegen den Sittener Bischof Jean-Marie Lovey geführt. Er soll einen Missbrauchsfall vertuscht haben. Die Pilotstudie zeigte zudem: Akten wurden systematisch vernichtet. Das Bistum bestätigt, dass auch der Vorgängerbischof, Norbert Brunner, dies getan hat.
Monika Dommann und Marietta Meier leiten das Forschungsprojekt zum Missbrauch in der katholischen Kirche. Zusammen mit ihrem Mitarbeiter Lucas Federer geben sie Einblicke in ihre Arbeit. Ein Gespräch über Geheimarchive, Aktenvernichtung und die Frage: Warum schaut die Kirche bei Missbrauch weg?
Der Jesuitenpater Hans Zollner war bis 2023 Mitglied der Päpstlichen Kinderschutzkommission. Er äussert sich zur gerade veröffentlichten Missbrauchsstudie der Universität Zürich und sagt, dass «der Bericht ein Weckruf sein soll an alle, die sich dem christlichen Glauben und der katholischen Kirche angehörig fühlen».
Jean César Scarcella wird Missbrauch vorgeworfen. Gegen ihn ermittelt der apostolische Sonderermittler Joseph Bonnemain. Am Mittwochmorgen kündigte Scarcella an, dass er sein Amt ruhen lasse, bis die Ermittlungen abgeschlossen seien. Als Abt der Territorialabtei Saint-Maurice ist Scarcella Mitglied der Schweizer Bischofskonferenz
Der Bericht der Zürcher Historikerinnen und Historiker hat es in sich. Er zeigt: Akten zu sexuellem Missbrauch wurden teilweise vernichtet. Archive wurden unseriös geführt. Das systemische Problem bleibt bestehen, solange die Nuntiatur in Bern und der Vatikan abblocken. Aufarbeitung ist dann nur im Stückwerk möglich.
Die Pilotstudie zu sexuellem Missbrauch in der katholischen Kirche bringt das Ausmass an Vertuschung und des Wegschauens ans Licht. Über 1000 Fälle sind bislang bekannt. Vertreter und Vertreterinnen der Landeskirchen, Interessensgemeinschaften und katholischer Verbände fordern die rasche Umsetzung von Meldestellen, Kulturwechsel und strengere Richtlinien werden nun gefordert.
Die über 1000 Fälle von sexuellem Missbrauch in der katholischen Kirche Schweiz sind erst die «Spitze des Eisbergs», wie die Historikerin Marietta Meier von der Universität Zürich betonte. Bischof Joseph Bonnemain versprach auf der Medienkonferenz zur Pilotstudie, dass Aktenvernichtung nun verboten sei und dass eine nationale Meldestelle für Missbrauchsbetroffene geschaffen werde.
Sie vertreten Missbrauchsbetroffene in der katholischen Kirche – die Gruppe Sapec und die IG Miku. Sie unterstützen die Erkenntnisse der Vorstudie zum sexuellen Missbrauch in der Kirche Schweiz. Diese entsprächen ihren Erfahrungen.
Die Kirche hat Missbrauch vertuscht und verschwiegen. «Das ist zutiefst beschämend», sagt Renata Asal-Steger, Präsidentin der Römisch-Katholischen Zentralkonferenz der Schweiz. Sie will sich für einen «unerlässlichen Kulturwandel in der Kirche» einsetzen.
Die Vorstudie deckt auf: Ein Priester des Bistums St. Gallen soll Jahrzehnte lang Kinder missbraucht haben. Bischof Ivo Fürer ignorierte die Meldungen. Auch sein Nachfolger, Bischof Markus Büchel, agierte nicht. Der Priester wird bis heute als Seelsorger eingesetzt.
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