Bistum Basel bat offenbar um Stillschweigen bei Missbrauchsfall
Das Bistum Basel diskutiert über einen Missbrauchsfall: Betroffene kritisieren die monatelange Verzögerung bei der Suspendierung zweier Priester und warnen, mangelnde Transparenz könne weitere Opfer vom Sprechen abhalten.
(KNA/woz) Im Bistum Basel ist ein Missbrauchsfall bekannt geworden, der intern offenbar über Monate zurückhaltend behandelt wurde. Wie der Schweizer «Tages-Anzeiger» am Wochenende berichtet, bat die Bistumsleitung Angestellte ausdrücklich darum, mit dem Fall nicht an die Öffentlichkeit zu gehen.
Suspendierte Priester fast halbes Jahr im Amt
Dem Bericht zufolge wurden im März zwei Priester vom Dienst suspendiert. Ihnen werden laut Staatsanwaltschaft «Straftaten gegen die sexuelle Integrität» eines zum Tatzeitpunkt volljährigen Opfers vorgeworfen. Die Anzeige sei bereits im November 2025 eingegangen und wurde vom Basler Bischof Felix Gmür erstattet. Dennoch blieben die beiden Geistlichen fast ein halbes Jahr – bis März – im Amt.
Hintergrund ist laut Bericht der Ablauf des staatlichen Verfahrens: Erst nach Aufnahme der Ermittlungen und ersten Befragungen habe das Bistum als Anzeigenersteller aktiv werden dürfen.
Kritik von Betroffenen
Als das Bistum schliesslich interne Stellen sowie Gemeindemitglieder über den Fall informierte, verband es dies laut «Tages-Anzeiger» mit der Aufforderung, nicht über den Fall zu sprechen. Betroffene kritisieren nun insbesondere die mehrmonatige Verzögerung zwischen Anzeige und Suspendierung: «Transparenz dient dem Schutz: Informationen über Vorfälle können es weiteren Betroffenen ermöglichen, sich zu melden. Denn viele Betroffene brauchen das Wissen, dass sie nicht allein sind und dass sie ernst genommen werden.»
Eine zurückhaltende Informationspolitik könne hingegen dazu führen, «dass mögliche weitere Betroffene schweigen – und dass das Vertrauen in den Aufarbeitungswillen der Kirche weiter erschüttert wird», so die Betroffenen.
Priester stammen aus Südamerika
Wie das «Bieler Tagblatt» schreibt, zeigen Recherchen, dass die beiden Priester ursprünglich aus Südamerika stammen und für ihr Theologiestudium nach Rom zogen. Sie sind seit mehr als einem Vierteljahrhundert gemeinsam unterwegs, empfingen 2002 gemeinsam die Priesterweihe und waren anschliessend in Lugano als Seelsorger tätig. 2018 kamen sie nach Biel.
Der eine der beiden erhielt eine Leitungsposition der spanisch- und italienischsprachigen Mission in Biel und zog den anderen nach – im kirchlichen Jobsharing sozusagen. Dort sollen sie dann eine erwachsene Person bedrängt haben. In deren Namen erstattete der Bischof nun Anzeige.
Die Staatsanwaltschaft Biel-Seeland hat den Sachverhalt bestätigt. Es gilt die Unschuldsvermutung.
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