Familiensynode: Jetzt geht's erst richtig los!

Zürich, 2.11.15 (kath.ch) Die Bischofssynode zu Fragen der Ehe und Familie ist vorüber. Von aussen gesehen ist damit schon alles wieder vorbei. Im Innern der Kirche, in der Seelsorge vor Ort, geht’s aber erst so richtig los. Ein Rück- und Ausblick zur Familiensynode im Kommentar von Martin Spilker.

«Mit fliegenden Fahnen untergegangen», «Völlig inakzeptable Aussagen», «Der Berg hat eine Maus geboren». Diese  Titel von Tageszeitungen am Tag nach Abschluss der Bischofssynode sprechen Bände: Aus Sicht der breiten Bevölkerung – welche durch die Zeitungen wohl abgebildet wird – kann die dreiwöchige Konferenz über Fragen zu Ehe und Familie bereits wieder abgehakt werden. Viele die sonst mit der Kirche nicht mehr viel am Hut haben, hatten hingeschaut, waren gespannt darauf, ob die delegierten Bischöfe aus aller Welt sich auf die vielfältigen gegenwärtigen Fakten in Bezug auf Ehe, Familie und Partnerschaft einlassen würden. Und sie hätten wohl – zumindest in der westlichen Welt – auf mehr Offenheit gegenüber dem gesellschaftlichem Wandel gehofft.

Ermutigende Reaktionen

Wer so dachte, zeigte sich immerhin interessiert an der innerkirchlichen Debatte und schenkte der Bischofssynode Aufmerksamkeit. Andere erwarteten aber schlicht gar nichts von diesem Treffen «alter Männer», welche von partnerschaftlichem Zusammenleben sowieso «keine Ahnung» haben. – Dieses Bild der Kirchenleitung ist leider weiter verbreitet, als manchem Katholiken, mancher Katholikin lieb sein dürfte. Und einige solche (Vor-)Urteile wurden ja auch bestätigt.

Deswegen aber die Familiensynode als Misserfolg abzutun, wäre falsch. Das zeigten die Reaktionen von Schweizer Fachleuten aus Seelsorge und Theologie. Diese haben allerdings nicht mehr dieselbe Öffentlichkeit erhalten wie bildstarke Berichte aus dem Vatikan.

Verantwortung übernehmen

Auch wenn die Reaktionen aus Schweizer Kirchenkreisen nach wie vor sehr unterschiedlich ausfallen, so lässt sich doch eine Tendenz herauslesen. Seelsorgerinnen und Seelsorger nehmen zur Kenntnis, dass bei Themen wie Ehescheidung und Homosexualität, die hierzulande so viele Menschen betreffen, nicht mehr kategorische Verbote ausgesprochen werden. Nein, Seelsorger sollen Entscheidungen treffen und Verantwortung übernehmen, wie es beispielsweise der Basler Bischof Felix Gmür verstanden hat.

Viele haben das schon vor der Synode getan. Manche mussten dafür  einschneidende Reaktionen «von oben»  in Kauf nehmen, wie ein Beispiel im Kanton Uri dieses Jahr gezeigt hat. Solche Konflikte dürfte es auch weiterhin geben.

Suche nach Möglichkeiten

In der Politik heisst es «Nach der Wahl ist vor der Wahl». Dieses Jahr sind die Schweizer Parlamentswahlen zufälligerweise mit einer Bischofssynode zusammengefallen. Und so lässt sich auch für die katholische Kirche – ob im Vatikan oder in der Seelsorge vor Ort – festhalten: Nach der Synode fängt die Arbeit erst an. Denn in dieser sich so schnell wandelnden Zeit wird wohl niemand behaupten, er habe eine Lösung für gesellschaftliche Herausforderungen zu Partnerschaft und Familie für die nächsten 50 Jahre parat.

Das Ringen nach Konsens an einer Synode dürfe nicht mit einem demokratischen Abstimmungsergebnis gleichgesetzt werden, hielt der Schweizer Kardinal Kurt Koch kürzlich fest. Hier gehe es vielmehr darum, zu einer gemeinsamen Sicht zu kommen.

Führen wir diesen Gedanken weiter, so ist diese Synode tatsächlich nicht ein Abschluss, sondern ein Beginn. Ein Anstoss, in der Kirche vor Ort, in den Pfarreien, die Familienseelsorge weiterzuentwickeln. Das heisst: Familien, Männer und Frauen in Partnerschaft, verheiratet, getrennt, geschieden, wiederverheiratet, wieder getrennt lebend, sie alle so zu begleiten, dass sie sich in dieser Kirche an- und aufgenommen fühlen. (ms)

Hintergründe zur Familiensynode

2. November 2015 | 11:28
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