Schweiz

Kontroverse Schweizer Stimmen zum Abschluss der Bischofssynode

Zürich, 25.10.15 (kath.ch) Nach drei Wochen intensiver Gespräche und Beratungen ist die Weltbischofssynode zu Ehe und Familie am Sonntag, 25. Oktober, mit einem Gottesdienst zu Ende gegangen. kath.ch hat einige Schweizer Stimmen zu dem Grossereignis zusammengetragen. Zu Wort kommen nebst anderen die Churer Dogmatikprofessorin Eva-Maria Faber, zwei Kapuziner aus reformorientierten Bewegungen und der Churer Generalvikar Martin Grichting.

Barbara Ludwig

Eva-Maria Faber, Dogmatik-Professorin in Chur, würdigt den Prozess der Synode. Darin zeige sich «eine Kirche, die sich der Mühe des Hörens unterzieht, zur Selbstkritik fähig ist und aufhört, pauschal zu richten, weil sie der Aufgabe der Unterscheidung und des Begleitens Vorrang gibt», teilt Faber auf Anfrage von kath.ch mit. Die spirituelle Haltung dazu beschreibe Papst Franziskus in seiner Abschlussrede.

Franziskus ermuntert zum eigenen Urteil

Positive Worte für die Synode als Prozess findet auch Christian Rutishauser. Der Provinzial der Schweizer Jesuiten hat in der Sendung «Sternstunde Religion» von Schweizer Fernsehen SRF (25. Oktober) Stellung genommen. Unter Verweis auf die Rolle von Papst Franziskus meint er in der Sendung, «die Synode nimmt mich als Mensch ernst, der mitdenkt». Der Papst ermuntere dazu, sich ein eigenes Urteil zu bilden. Franziskus sage den Gläubigen, sie seien erwachsen, er müsse ihnen nicht sagen, was sie tun sollen. Von daher sei er, Rutishauser, gar nicht so «unglücklich», dass das Bischofstreffen wenig «konkrete Resultate» hervorbrachte.

Enttäuscht zeigte sich der Jesuitenprovinzial hingegen beim Thema «Homosexualität». «In unserer Kultur wurde so viel diskutiert darüber, und ich denke, dass sich eine Sexualmoral ändern muss auf eine Beziehungsethik hin, in der ethisches Verhalten wie beispielsweise Treue oder Fürsorge füreinander grosse Werte sind.» Rutishauser bedauert, dass die Synode hier keine neue Perspektive wagte.

«Theologische und pastorale Arbeit vor Ort gefordert»

Willi Anderau, Mitglied im Vorstand der Pfarrei-Initiative Schweiz, stellt fest, dass die Bischofssynode «die Türe zu den Fragen um Ehe, Sexualität und Partnerschaft einen Spalt breit aufgestossen hat». Die meisten Anregungen seien allerdings in der westlichen Kultur und der zeitgenössischen Theologie «sattsam bekannte Erkenntnisse», kritisiert der Kapuziner auf Anfrage gegenüber kath.ch. Wirklich neu sei die Frage der Dezentralisierung: Vor Ort, unter Berücksichtigung der konkreten Situation und der Kultur sollen die Bischöfe eigene Entscheidungen treffen. «Theologische und pastorale Arbeit vor Ort ist jetzt gefordert, passen wir auf, dass der Schuh nicht wieder zurückgezogen wird», mahnt Anderau.

Adrian Müller, Präsident des Vereins Tagsatzung.ch, schätzt den Versuch der Synode, «die Welt auch positiv und nicht nur negativ zu sehen». Dies sei ein «Schritt in die richtige Richtung», teilte Müller auf Anfrage gegenüber kath.ch. mit. Müller, ebenfalls Kapuziner, zeigt sich auch erfreut, dass «Papst Franziskus vom kirchlichen Alleinherrscher Abstand nimmt» und weitere Bischöfe ins «Boot» hole, indem er synodal vorgehe. Allerdings kritisiert er, dass das «Volk Gottes» an der Synode selber untervertreten war, obschon es – immerhin – im Vorfeld konsultiert worden sei.

Grichting: «Firewall des Heiligen Geistes hat kirchliche Lehre geschützt»

Was den Umgang der Kirche mit den wiederverheirateten Geschiedenen betrifft, zeigt sich der Churer Generalvikar Martin Grichtig erfreut über die Ergebnisse des Bischofstreffens. Die Synode halte fest, «auf der Basis der kirchlichen Lehre soll die Seelsorge den zivil Wiederverheirateten zeigen, was ihre volle Einheit mit der Kirche verhindert», so Grichting auf Anfrage gegenüber kath.ch. Grichting stellt fest, die Synode habe die «Gender-Ideologie» und die «hierzulande propagierte Familienvielfalt» abgelehnt. «Die Firewall des Heiligen Geistes hat die kirchliche Lehre gegen schadhafte Software geschützt.»

Katholischer Frauenbund stört sich an «Ausschluss der Frauen»

Der Schweizerische Katholische Frauenbund (SKF) zeigt sich demgegenüber zwar erfreut, dass das Männergremium «erstmals offen redete». «Als Frauenverband finden wir es aber einmal mehr stossend, dass unter Ausschluss der Frauen über Ehe und Familie beraten wurde», so der SKF gegenüber kath.ch. Aus Sicht des Verbandes wird der Weg der Gleichberechtigung «zu langsam» beschritten. Man werde sich aber weiterhin für eine «geschwisterliche Kirche» einsetzen. (bal)

Aktuell und hintergründig: synode15.ch

 

 

 

 

Messe zum Abschluss der Bischofssynode am 25. Oktober 2015 in Rom | © 2015 Andrea Krogmann
25. Oktober 2015 | 17:55
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