«Alle eins sein»: Gebetswoche für die Einheit der Christen steht vor der Tür
Vom 18. bis zum 25. Januar findet wieder die Gebetswoche für die Einheit der Christen statt. Mindestens einmal im Jahr werden Christinnen und Christen erinnert an das Gebet Jesu für seine Jünger, «dass sie alle eins seien, damit die Welt glaube».
Wolfgang Holz
«Ein Leib und ein Geist, wie ihr auch berufen seid zu einer Hoffnung in eurer Berufung» (Eph 4,4) – dieser Bibelvers aus dem Brief an die Epheser soll die theologische Tiefe der christlichen Einheit auf den Punkt bringen.
Die Briefe des Paulus betonen dabei die Bedeutung der Einheit der Christen innerhalb der Kirche und fordern sie auf, ihrer Berufung würdig zu leben, mit Demut, Sanftmut, Geduld und Liebe, schreibt die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in der Schweiz (AGCK.ch) zur bevorstehenden Gebetswoche.
«Heiliger Geist stützt die Gemeinschaft»
«Die Kirche wird als Einheit bezeichnet, die die Grenzen der Geographie, Nationalität, ethnischen Zugehörigkeit und Tradition überwindet. Der Heilige Geist stützt diese Gemeinschaft und befähigt sie, ihre Sendung zu erfüllen.»
Auf diese Weise soll die Ökumene unter den Christen gestärkt werden. Ökumene ist bekanntlich die Zusammenarbeit von Christinnen und Christen, die zwar unterschiedlichen theologischen Traditionen angehören, aber gemeinsam glauben, beten und das Evangelium in Wort und Tat verkünden wollen.
Kardinal Kurt Koch als Ökumene-Chef im Vatikan
In der Schweiz ist die Ökumene bekanntlich weit fortgeschritten. Sie wird unterstützt und gefördert, indem auch die Leitungsgremien der Kirchen öffentlich und regelmässig zusammenkommen. Nicht zuletzt sorgt auch der Schweizer Kurienkardinal Kurt Koch, seit 2010 Präfekt des Dikasteriums zur Förderung der Einheit der Christen im Vatikan, für ein positives Image der Ökumene in der Schweiz.
Mit Blick auf das 1700-Jahr-Jubiläum des Konzils von Nicäa und die ökumenischen Bemühungen zeigte sich Kardinal Koch im letzten Jahr zuversichtlich: «Das Jubiläum des Konzils von Nicäa ist eine Gelegenheit, uns auf das zu besinnen, was uns verbindet, und gemeinsam Schritte auf dem Weg zur Einheit zu gehen.»
Texte der Gebetswoche stammen aus Armenien
Die Texte der Gebetswoche für die Einheit der Christen für dieses Jahr wurden von den Gläubigen der Armenisch-Apostolischen Orthodoxen Kirche zusammen mit ihren Brüdern und Schwestern der Armenisch-Katholischen und der Evangelischen Kirche erarbeitet.
Traditionell findet die Gebetswoche vom 18. bis 25. Januar zwischen den Gedenktagen für das Bekenntnis des Apostels Petrus und die Bekehrung des Apostels Paulus statt. Da der Januar auf der Südhalbkugel Ferienzeit ist, feiern die Kirchen dort die Einheit zu einem anderen Zeitpunkt, zum Beispiel zu Pfingsten, das ebenfalls ein symbolisches Datum für die Einheit ist.
«Einheit der Kirche immer wieder zerbrochen»
Dass die Einheit der Kirche im Laufe der Jahrhunderte immer wieder zerbrochen sei, «ist vielleicht der grösste, auf jeden Fall aber der längste Skandal im ursprünglichen Sinn des Wortes, schreibt Martin Conrad vom Liturgischen Institut in der deutschsprachigen Schweiz in einem Beitrag zur Einheitswoche der Christen.
«Wie will die Kirche ihren wichtigsten Auftrag erfüllen, nämlich die Liebe Gottes zu verkünden, zu feiern und zu leben, wenn sie selbst gespalten und zerstritten ist?» fragt sich Conrad. Wenn sie sich im Laufe der Geschichte immer wieder mit Worten und manchmal auch mit Waffen bekämpft hat? Wenn Ehepartner verschiedener Konfessionen unsicher sein müssen, ob sie gemeinsam an den Tisch des Herrn treten dürfen?»
Schon Jesus bittet um Einheit
Dabei habe schon eine der Hauptaufgaben des Zweiten Vatikanischen Konzils darin bestanden, «die Einheit aller Christen wiederherstellen zu helfen». Wobei die Erkenntnis, dass «die Einheit unser Gebet braucht», so Conrad, allerdings älter sei als das Zweite Vatikanische Konzil.
Schon Jesus selbst bitte im 17. Kapitel des Johannesevangeliums den Vater darum, dass seine Jüngerinnen und Jünger eins sein mögen: «Alle sollen eins sein. Wie du, Vater in mir bist und ich in dir bin, sollen auch sie in uns sein, damit die Welt erkennt, dass du mich gesandt hast.» (Joh 17, 20f).
1908 erste ökumenische Gebetswoche
Seit Mitte des 19. Jahrhunderts habe sich dieses Gebet für die Einheit intensiviert, schreibt Conrad, zunächst vor allem in evangelischen und anglikanischen Kreisen. Schliesslich beschloss die «Weltweite Evangelische Allianz» schon bei ihrer Gründungsversammlung 1846 die Durchführung einer jährlichen internationalen Gebetswoche.
Die erste ökumenische Gebetswoche fand dann vom 18. bis 25. Januar 1908 statt und wurde initiiert von Paul Wattson. Seit den 1920er Jahren gibt es jährliche Gebetswochen auf Initiative der Bewegung für Glaube und Kirchenverfassung. Seit 1941 hat man sich auf das gemeinsame Datum der Gebetswoche vom 18. – 25. Januar geeinigt.
Gebet für die Einheit auch ein Gebet in Einheit
Auf Beschluss des Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK) und des Päpstlichen Einheitsrates werden seit 1973 die liturgischen Materialien jeweils von einer ökumenischen Gruppe eines Landes oder einer Gegend erstellt, gemeinsam von ÖRK und dem Päpstlichen Rat zur Förderung der Einheit der Christen redigiert und in die ganze Welt verschickt. So ist das Gebet für die Einheit auch ein Gebet in Einheit geworden.
Die zur Verfügung gestellten Materialien für die Gebetswoche stehen jedes Jahr unter einem speziellen biblischen Motto. Sie bieten unter anderem eine Vorlage für einen ökumenischen Gottesdienst und acht kurze Meditationen für jeden Tag der Woche, die sowohl in der Gruppe als auch allein gehalten werden können.
Eine bemerkenswerte liturgische Ausnahme in der katholischen Kirche betrifft den Sonntag, der in die Gebetswoche fällt. An diesem Sonntag müssen nicht, so Martin Conrad, wie sonst vorgeschrieben, die Gebete und Lesungen vom entsprechenden Sonntag im Jahreskreis genommen werden. Der Priester darf auch eine der drei Votivmessen «Für die Einheit der Christen» und auch entsprechende Lesungen auswählen. Leider noch kein Gebet in Einheit geworden ist das Eucharistische Hochgebet.
*Weitere Informationen zur Gebetswoche zur Einheit der Christen unter www.agck.ch/gebetswoche.
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