Ein Lied und ein Gebet – im Gedenken an die Brandopfer von Crans-Montana

Die Westschweiz ist besonders vom verheerenden Brand in Crans-Montana betroffen. Nun hat eine Waadtländer Seelsorgerin das eindringliche Lied «Vous dansez encore…» komponiert. Und die Evangelisch-Reformierte Kirche der Waadt hat ein Gebet verfasst, welches auch das Bistum Chur zum Gedenken empfiehlt.

Regula Pfeifer

«Et je vous imagine, main dans la main, passant la porte du ciel sans vous lâcher », singt ein Sänger den Refrain des Liedes, das die reformierte Waadtländer Seelsorgerin Véronique Julier komponiert hat. Auf Deutsch: «Und ich stelle mir vor, wie ihr Hand in Hand durch die Türe zum Himmel geht, ohne euch loszulassen.»

Das Lied «Vous dansez encore… » (Ihr tanzt noch immer…) ist ein feines, eindringliches Chancon. Es erzählt in poetischen Worten von Eindrücken, welche die Brandkatastrophe in Crans-Montana womöglich bei Menschen hinterlassen hat. Von der Vorstellung, wie die Betroffenen erst feierten und dann mitten aus dem Leben gerissen wurden.

Véronique Julier hat das Lied in der Nacht vom 5. Januar zu Ehren der Opfer der Brandkatastrophe von Crans-Montana verfasst – als Beitrag zur Solidaritätsbewegung, die aus der Tragödie der Silvesternacht entstand. Das Lied wurde bereits im Rahmen verschiedener Feierlichkeiten verwendet, berichtet cath.ch.

Bewusst keine religiösen Texte

Sie habe ein Lied schreiben wollen, das sowohl in Gottesdiensten, als auch bei «Menschen ausserhalb der Kirche» ankommt, sagt Julier gegenüber cath.ch. «Ich habe bewusst keine religiösen Texte geschrieben und nach modernen Klängen gesucht, damit sich jeder mit diesem Lied identifizieren kann. Unsere übliche liturgische Musik, insbesondere die Orgel, die man oft bei Trauergottesdiensten hört, ist nicht unbedingt für die Sensibilität junger Menschen geeignet.»

Der folgenschwere Brand erschütterte die Seelsorgerin auch, weil sie einen besonderen Bezug zum Skiort hat. «Als ich jung war, habe ich zwei Jahre lang als Skilehrerin in Crans gewohnt, direkt über der Bar Constellation», erzählt sie cath.ch. «Dort habe ich viele schöne Abende mit Freunden verbracht.»

Véronique Julier ist Seelsorgerin in der ökumenischen Gefängnisseelsorge des Kantons Waadt und Musikerin. Sie spielt in einer Lobpreisband und ist Schlagzeugerin. Da alles rasch gehen musste, komponierte sie die Melodie mit der Software Suno und nahm die Stimmen anhand von Samples auf. Sie gab es vor der Publikation einer betroffenen Mutter. Diese habe gesagt: «Es ist eine Hymne für unsere verstorbenen Kinder, das hilft uns, das führt uns zum Licht.»

Bistum Chur mit Gebet der Waadtländer reformierten Kirche

Die evangelisch-reformierte Kirche des Kantons Waadt ihrerseits hat bereits am 2. Januar ein Gebet online gestellt, das sich auf das dramatische Ereignis in Crans-Montana bezieht.

Der Synodalrat der Evangelisch-reformierten Kirche des Kantons Waadt, die Römisch-katholische Kirchenföderation des Kantons Waadt und die Israelitische Gemeinde von Lausanne und dem Kanton Waadt vereinen sich im Gebet angesichts des Dramas von Crans Montana, schreibt die reformierte Kirche dazu. Dementsprechend ist das Gebet interreligiös ausgerichtet.

Das Bistum Chur hat das Gebet am 7. Januar auf seiner Webseite in einem Hinweis auf den nationalen Trauertag vom 9. Januar aufgenommen – und in einer Übersetzung publiziert. Hier das Gebet im Wortlaut:

O Gott,

angesichts des Ausmasses der Tragödie in Crans Montana, des Leidens der Betroffenen und unseres Gefühls der Ohnmacht beginnen wir damit, vor dir still zu werden.

(Getragene Stille)

Wir bitten dich für alle Familien von hier und anderswo, die in schrecklicher Ungewissheit leben, ob ihre Kinder noch am Leben sind; die fürchten, sie könnten zwischen Leben und Tod schweben; die von ihnen getrennt sind, weil sie fern von zu Hause behandelt werden.

Vater des Himmels und der Erde,
höre den Schrei des Schmerzes und der Hoffnung, der aus jeder und jedem aufsteigt.

(Stille)

Unter den Opfern waren viele Lernende, Gymnasiastinnen und Gymnasiasten, Studentinnen und Studenten. Wir bitten dich für ihre Freundinnen und Freunde, die von diesem Unglück in dieser Nacht, die ein Tag des Festes und der Freundschaft hätte sein sollen, hart getroffen sind.

Vater des Himmels und der Erde,
höre den Schrei des Schmerzes und der Hoffnung, der aus jeder und jedem aufsteigt.

(Stille)

Wir bitten dich in Dankbarkeit für alle Menschen, die sich seit der Tragödie unermüdlich eingesetzt haben: die Feuerwehrleute, die Polizistinnen und Polizisten, die Ärztinnen und Ärzte, das Pflegepersonal, die Krisenstäbe, die Freiwilligen, die Politikerinnen und Politiker, die Ermittlerinnen und Ermittler.

Vater des Himmels und der Erde, erneuere in allen die Kraft und die nötige Einsicht, um in dieser Krise Entscheidungen zu treffen.

(Stille)

Wir vertrauen dir alle Menschen an, die in dieser Zeit Opfer von bekannten oder unbekannten Dramen sind und niedergeschlagen, hilflos, ohne jeden Halt geworden sind.

Vater des Himmels und der Erde, schenke jeder und jedem, dass sie an ihrer Seite Menschen finden, die zuhören, unterstützen und mitfühlen.

(Stille)

Gepriesen seist du, der du uns in unseren Gemeinden, unserem Kanton und unserem Land zur Einheit rufst – über unsere konfessionellen, religiösen, politischen oder persönlichen Unterschiede hinaus.

Möge diese Gemeinschaft unser Miteinander prägen, nicht nur in diesen düsteren Tagen, sondern auch durch all die Jahre hindurch, die du uns zu leben gibst.

(Stille)

Dieses Drama – und so viele andere – erschüttert unseren Glauben.
Wir fühlen uns klein und zerbrechlich, ohnmächtig angesichts des Leids dieser Tragödie und so vieler anderer, die in uns manchmal ein tiefes Gefühl der Sinnlosigkeit aufsteigen lassen.

Du, Quelle allen Segens, und du, der du alle menschliche Einsicht übersteigst;
du, der du die Schreie der Opfer hörst und die Zweifel der Menschen nicht scheust: Wir bitten dich, bewahre uns davor, in solchen Situationen wohlfeile und allzu einfache Tröstungen auszusprechen, und rufe uns deine grenzenlose Liebe in Erinnerung, die allein die Niedergeschlagenen aufrichten kann.

Gib uns zu glauben, dass nichts uns von deiner Liebe trennen wird.

Gepriesen seist du, Herr, unser Gott, Vater des Himmels und der Erde, für dein Wort, das unseren Weg erhellt, wie einst die Wolke dein Volk in der Wüste begleitet hat.

Amen

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8. Januar 2026 | 15:00
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