Papst Benedikt XVI.

Papst Benedikt XVI. am 31. Dezember 2009 im Petersdom

Benedikt XVI. und sein Leben für die Kirche

Papst Benedikt XVI. am 31. Dezember 2009 im Petersdom

Benedikt XVI. hatte im Februar 2013 in einem spektakulären Schritt als erster Papst seit Jahrhunderten auf sein Amt verzichtet. Seitdem lebt er als Altbischof von Rom, «Papa emeritus» genannt, in einem ehemaligen Kloster im Vatikan. Er trägt weiter weisse Gewänder, die nach der Tradition eigentlich allein dem Papst vorbehalten sind.

Biographie

Joseph Ratzinger wurde am 16. April 1927 als Sohn eines Beamten in Marktl am Inn, in der Diözese Passau, geboren. 1951 empfing er zusammen mit seinem 2020 verstorbenen Bruder Georg die Priesterweihe. Mit 30 Jahren wurde Ratzinger Professor für Dogmatik in Freising. Beim Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-1965) war er als theologischer Berater des Kölner Kardinals Josef Frings beteiligt. Anschliessend lehrte er an den Universitäten Bonn, Münster, Tübingen und Regensburg.

Im März 1977 berief Papst Paul VI. Joseph Ratzinger als Nachfolger von Kardinal Julius Döpfner zum Erzbischof von München und Freising. Wenige Wochen später erhielt er bei einem «Extra-Konsistorium» in Rom den Kardinalspurpur.

Im November 1981 betraute Johannes Paul II. ihn mit der Leitung der Glaubenskongregation. In dieser Funktion gehörte der brillante Theologe rasch zu den anerkanntesten Persönlichkeiten im Vatikan. Unter seiner theologischen Ägide erschien unter anderem der neue Katechismus der Katholischen Kirche. Für Aufsehen sorgte in seinen ersten Dienstjahren die Auseinandersetzung mit der Befreiungstheologie. Hier unterschied er scharf zwischen Strömungen, die mit der Glaubenslehre der Kirche vereinbar sind – und solchen, die es nicht sind.

Am Nachmittag des 19. April 2005 wurde Joseph Ratzinger vom Kardinalskollegium zum neuen Papst und Nachfolger des am 2. April 2005 verstorbenen Johannes Paul II. gewählt. Er nahm den Namen Benedikt XVI. an, der auf den Heiligen und Ordensgründer Benedikt von Nursia verweist. Die Wahl löste, auch in seiner Heimat Deutschland, sehr unterschiedliche Reaktionen aus. So schrieb «Der Spiegel» beispielsweise: «Freude bei den konservativen Katholiken, Enttäuschung und Wut bei liberaler Gesinnten und Vertretern anderer Religionen.»

Seine Zeit als Kirchenoberhaupt kann unter dem Titel «Theologen-Papst» gesehen werden. Der Herder-Verlag, in dem auch eine Biografie über Benedikt XVI. erschienen ist, fasste dies so zusammen: «Ihm lag viel an der Bewahrung der katholischen Traditionen, was sich auch in seiner Sicht auf die Liturgie widerspiegelte.» Dies zeigte sich beispielhaft in einer klaren Abgrenzung von der protestantischen Kirche, aber auch kritischen Äusserungen gegenüber dem Judentum und dem Islam. Eine Annäherung gab es während seinem Pontifikat umgekehrt gegenüber den orthodoxen Kirchen.

Für Verwirrung auf der einen, aber auch für Genugtuung auf der anderen Seite sorgte seine Entscheidung, den alten, lateinischen Ritus als «ausserordentliche Form» der Messfeier zuzulassen. Benedikts Amtszeit war zudem geprägt vom Bekanntwerden zahlreicher Missbrauchsfälle von Kirchenvertretern gegenüber Kindern und Jugendlichen sowie Misswirtschaft innerhalb der vatikanischen Behörden.

Am 28. Februar 2013 trat Joseph Ratzinger vom Petrusamt zurück. Er lebt weiterhin im Vatikan. Entgegen seinen Äusserungen beim Rücktritt meldete er sich auch als emeritierter Papst verschiedene Male öffentlich zu Wort. Im Sommer 2020, kurz nach dem Tod seiner Bruders, meldete der Vatikan eine ernsthafte Erkrankung Benedikts. Kurz darauf erfolgte aber eine Meldung, der frühere Papst sei wieder genesen. (wm/ms)

Kurzbiografien von Joseph Ratzinger/Papst Benedikt XVI. finden sich unter anderem auf den Seiten des Bistums Passau und des Vatikans.

Gebete und Zitate

Zur Ökumene (Ansprache zur Vollversammlung des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen)

Die Liebe wird den Christen helfen, den “Durst” nach der vollen Einheit in der Wahrheit stets zu erhalten, und wenn wir fügsam den Eingebungen des Heiligen Geistes folgen, können wir hoffen, bald zu der erwünschten Einheit zu gelangen. Daher spornt uns der Ökumenismus zu einem brüderlichen und grossherzigen Gabenaustausch an, im Bewusstsein, dass die volle Gemeinschaft im Glauben, in den Sakramenten und im Amt der Zweck und das Ziel der gesamten ökumenischen Bewegung bleibt. Bei dieser grossen Aufgabe ist der geistliche Ökumenismus, wie das Zweite Vatikanische ökumenische Konzil deutlich gesagt hat, das schlagende Herz.


Zum Wert der Familie (Botschaft zum VI. Welttag der Familien, 18. Januar 2009)

Die Familie ist ein unverzichtbares Fundament für die Gesellschaft und die Nationen. Ebenso ist sie ein unersetzbares Gut für die Kinder, deren Würde es entspricht, als Frucht der Liebe auf die Welt zu kommen, als Frucht der grossherzigen Ganzhingabe der Eltern. So wie es Jesus gezeigt hat, der die Jungfrau Maria und den Heiligen Josef ehrte, nimmt die Familie einen herausragenden Platz in der Erziehung des Menschen ein. Sie ist eine wirkliche Schule des Menschseins und der unvergänglichen Werte.


Zur Aufgabe und Sendung der Schweizergarde

Zu den vielfältigen Formen der Anwesenheit von Laien in der katholischen Kirche gehört auch jene Präsenz ganz besonderer Art der Päpstlichen Schweizergarde: dieser jungen Männer, die sich, motiviert von der Liebe zu Christus und zur Kirche, in den Dienst des Nachfolgers Petri stellen. Für einige von ihnen ist die Zugehörigkeit zu dem Gardekorps zeitlich begrenzt, für andere dauert sie länger, um für manche schliesslich zur Berufswahl für das ganze Leben zu werden. Bei einigen – und das sage ich mit grosser Freude – hat der Dienst im Vatikan die Antwort auf eine Priester- oder Ordensberufung reifen lassen. Schweizergardist zu sein bedeutet aber für alle, sich vorbehaltlos an Christus und die Kirche zu binden, bereit, sein Leben dafür zu geben. Der aktive Dienst kann zu Ende gehen, aber im Herzen bleibt man immer Schweizergardist. Davon haben rund 80 ehemalige Gardisten Zeugnis gegeben, die vom 7. April bis 4. Mai einen aussergewöhnlichen Marsch von der Schweiz nach Rom zurücklegten, wobei sie weitgehend der historischen Route der Via Francigena folgten.

Werke und Enzykliken

Während seiner Tätigkeit als Theologieprofessor hat Joseph Ratzinger über 600 Publikationen verfasst, die als eigene Werke oder in Schriften von kirchlichen Gremien eingeflossen sind. Der deutsche Herder Verlag hat aus den Publikationen unter dem Titel «Gesammelte Schriften» eine Reihe von 16 Bänden herausgegeben.

In seiner Zeit als Präfekt der Glaubenskongregation verantwortete Joseph Ratzinger unter anderem den Katechismus der Katholischen Kirche (1992) sowie die Öffnung der Archive von Inquisition und Indexkongregation (1998).

Während seines Pontifikats veröffentliche Benedikt XVI. vier Enzykliken, die seine starke theologische Verankerung auch im Papstamt widerspiegeln:

  • «Gott ist die Liebe» (lateinisch: Deus caritas est), 2006. Dieses Schreiben beginnt mit einem Zitat aus dem 1. Johannesbrief «Gott ist die Liebe, und wer in der Liebe bleibt, bleibt in Gott, und Gott bleibt in ihm».
  • «Die Liebe in der Wahrheit» (Caritas in veritate), 2009. Auch in diesem Schreiben nimmt Benedikt die Zuwendung Gottes zum Menschen auf und setzt als Obertitel «Über die ganzheitliche Entwicklung des Menschen in der Liebe und in der Wahrheit».
  • «Das Licht des Glaubens» (Lumen fidei), 2013, wurde durch Papst Franziskus ergänzt und im “Jahr des Glaubens” veröffentlicht. Als Grundlage dient hier der Satz aus dem Johannesevangelium «Ich bin das Licht, das in die Welt gekommen ist, damit jeder, der an mich glaubt, nicht in der Finsternis bleibt».

Auch als emeritierter Papst war er weiterhin wissenschaftlich-theologisch tätig. So veröffentlichte er ein vielbeachtetes dreibändiges Werk mit knapp 1000 Seiten über Jesus von Nazareth.

Auch über Joseph Ratzinger/Papst Benedikt XVI. sind zahlreiche Bücher erschienen. Unter dem Titel «Der Theologenpapst» gab der Dogmatiker Jan-Heiner Tück 2013 nach dem überraschenden Rücktritt des Papstes eine Sammlung von Aufsätzen heraus, die sich als Bilanz oder “kritische Würdigung Benedikts XVI.” versteht. 2020 ist von Peter Seewald eine sehr umfangreiche Biografie des emeritierten Papstes mit dem Titel «Benedikt XVI. Ein Leben» erschienen.

Joseph Ratzinger und Hans Küng

Die Karriere von Joseph Ratzinger weist einen konfliktreichen Bezug zur Schweiz auf: Während seiner Zeit als Präfekt der Glaubenskongregation wurde dem Schweizer Theologen Hans Küng 1979 die Lehrerlaubnis entzogen. Die Begründung: Kritik an der Autorität des Papstes. Bis heute wurde diese Massnahme nicht zurückgenommen.

Ratzinger und Küng sorgten zu Beginn ihrer wissenschaftlichen Karriere als fast gleichaltrige junge Priester und Theologieprofessoren in Tübingen beide für internationales Aufsehen. Beide verfolgten auch als theologische Berater das Zweite Vatikanische Konzil in Rom.

Es war aber auch die Zeit der lauten Studentenbewegungen. Während sich Joseph Ratzinger zu stillerer Arbeit in andere Universitäten zurückzog, blieb der aus dem Kanton Luzern stammende Küng in Tübingen als Rebell, als einer der Wortführer einer Theologie, die auf die Sprengkraft von Glauben und Kirche in der Welt setzte.

Joseph Ratzinger wurde Erzbischof von München und später Vorsteher der Kongregation für die Glaubenslehre in Rom. Diese entzog dem Schweizer Theologen 1979 unter Papst Johannes Paul II. die sogenannte “Missio canonica”, die Erlaubnis, Theologiestudierende auszubilden. Ein Akt, den Küng sein Leben lang als ungerechtfertigte Bestrafung empfand.

1996 wurde Küng, der an der Universität Tübingen trotz Entzug der Lehrerlaubnis weiterhin Ökumenische Theologie unterrichtete, emeritiert. Der damalige Rektor forderte eine “volle Rehabilitierung”, die bis heute aussteht. Über Küngs Tätigkeit als Theologieprofessor hinaus weist auch sein Engagement für das “Projekt Weltethos”.

2005, kurz nach Amtsantritt von Joseph Ratzinger als Papst, wurde Küng auf seinen Wunsch hin in der päpstlichen Sommerresidenz empfangen. Eine Aussprache mit Johannes Paul II. war dem Schweizer Theologen mehrfach verweigert worden. Es war ein mehrstündiges Gespräch unter betagten Theologen – nicht mehr, aber auch nicht weniger. Der Vatikan liess darauf verlauten, “dass es nicht sinnvoll sei, im Rahmen dieser Begegnung in einen Disput über Lehrfragen einzutreten”. (ms)

Hans Küng im Jahr 2015

Die Karriere von Joseph Ratzinger weist einen konfliktreichen Bezug zur Schweiz auf: Während seiner Zeit als Präfekt der Glaubenskongregation wurde dem Schweizer Theologen Hans Küng 1979 die Lehrerlaubnis entzogen. Die Begründung: Kritik an der Autorität des Papstes. Bis heute wurde diese Massnahme nicht zurückgenommen.

Ratzinger und Küng sorgten zu Beginn ihrer wissenschaftlichen Lehrtätigkeit als fast gleichaltrige junge Priester und Theologieprofessoren – Ratzinger als Fundamentaltheologe, Küng als Dogmatiker – in Tübingen beide für internationales Aufsehen. Beide waren sie auch als theologische Berater am Zweiten Vatikanischen Konzil tätig.

Es war aber auch die Zeit der lauten Studentenbewegungen. Während sich Joseph Ratzinger zu stillerer Arbeit in andere Universitäten zurückzog, blieb der aus dem Kanton Luzern stammende Küng in Tübingen als Rebell, als einer der Wortführer einer Theologie, die auf die Sprengkraft von Glauben und Kirche in der Welt setzte.

Joseph Ratzinger wurde Bischof und später Vorsteher der Kongregation für die Glaubenslehre. Diese entzog dem Schweizer Theologen 1979 unter Papst Johannes Paul II. die sogenannte “Missio canonica”, die Erlaubnis, Theologiestudierende auszubilden. Ein Akt, den Küng sein Leben lang als ungerechtfertigte Bestrafung empfand.

1996 wurde Küng, der an der Universität Tübingen trotz dem Entzug der Lehrerlaubnis weiterhin Ökumenische Theologie unterrichtete, emeritiert. Der damalige Rektor forderte eine “volle Rehabilitierung”, die bis heute aussteht. Über Küngs Tätigkeit als Theologieprofessor hinaus weist auch sein Engagement für das “Projekt Weltethos”.

2005, kurz nach Amtsantritt von Joseph Ratzinger als Papst, wurde Küng auf seinen Wunsch hin in der päpstlichen Sommerresidenz empfangen. Eine Aussprache mit Johannes Paul dem II. war dem Schweizer Theologen mehrfach verweigert worden. Es war ein mehrstündiges Gespräch unter betagten Theologen, nicht mehr, aber auch nicht weniger. Der Vatikan liess darauf verlauten “dass es nicht sinnvoll sei, im Rahmen dieser Begegnung in einen Disput über Lehrfragen einzutreten.” (ms)

Newsbeiträge
Medienspiegel

Bilder des emeritierten Papstes Benedikt XVI.

Der emeritierte Papst Benedikt | © pixabay.com CC0
Marco Reichmuth als Vertreter der ehemaligen Schweizergardisten bei Papst Benedikt XVI. | © zVg
Ein gebrechlicher Ex-Papst lässt sich seinem Privatsekretär Kurienerzbischof Georg Gänswein stützen (Aufnahme von 2015). | © KNA
Benedikt XVI. am 65. Jahrestag seiner Priesterweihe 2016 | © KNA
Papst Franziskus besucht Benedikt XVI. an dessen 92. Geburtstag. | © KNA