Judaistik-Professur: Christian Rutishauser erhält das «nihil obstat» aus Rom – endlich
Bereits seit Anfang August arbeitet Christian Rutishauser als Professor für Judaistik und Theologie an der Universität Luzern. Nun hat der Jesuit dafür auch das «nihil obstat» aus Rom erhalten. Somit kann er seine Lehrtätigkeit an der Theologischen Fakultät offiziell ausüben.
Francesco Papagni
Professorinnen und Professoren an katholischen Fakultäten benötigen für ihre Lehrtätigkeit ein «nihil obstat» aus Rom. Das ist eine offizielle Bestätigung, wonach ihrer Lehrtätigkeit «nichts im Wege steht». Dabei werden zuvor alle Publikationen der Kandidatin oder des Kandidaten auf Widersprüche mit der römisch-katholischen Lehre geprüft.
Christian Rutishauser, der bereits per Anfang August vergangenen Jahres zum Professor für Judaistik und Theologie an der Theologischen Fakultät der Universität Luzern berufen wurde, hat nun grünes Licht aus Rom erhalten. Das hat kath.ch aus gut unterrichteter Quelle erfahren.
Lehrbefugnis aus Rom nicht selbstverständlich
Bei Rutishauser war das Erlangen des «nihil obstat» keine Selbstverständlichkeit. Im Herbst hatte der Basler Bischof Felix Gmür, in dessen Bistum Luzern liegt, in Rom nachgefragt. Er erhielt die Antwort, das Dossier sei nicht einmal geöffnet worden.
Jetzt ist es plötzlich sehr schnell gegangen, und das war wohl nicht ohne Intervention von oben, vielleicht auch von ganz oben, möglich. Der Jesuit engagiert sich unter anderem im katholisch-jüdischen Dialog, der bei der Kongregation für die Ökumene angesiedelt ist. Der Chef jener Kongregation ist der Schweizer Kardinal Kurt Koch.
Streit um das theologische Verhältnis zum Judentum
Hintergrund der ganzen Sache ist eine kritische Stellungnahme Rutishausers in der «Neuen Zürcher Zeitung» vom 8. Juli 2018 zu einer Publikation von Benedikt XVI., der damals schon Papa Emeritus war. Benedikt XVI. bekräftigte darin zunächst, dass die Juden im «nie gekündigten Bund» mit Gott stünden, sagt dann aber, dies sei nur eine Hilfsformel: an Christus führe kein Weg vorbei, für niemanden.
Rutishausers Kommentar: «Diese Quintessenz erstaunt, weil sie eine Grundüberzeugung des inzwischen heiliggesprochenen Papstes Johannes Paul II. relativiert – und die Aussage des Katechismus der katholischen Kirche.» Der Jesuit bezieht sich auf die Kernaussage des Zweiten Vatikanischen Konzils, wonach dem «Alten Bund» am Sinai der «Neue Bund» in Christus für alle Nichtjuden beigestellt ist.
Einflussreiche Anhänger Benedikts XVI.
Zusätzliche Brisanz gewann diese für Diskussionen unter katholischen Amtsträgern scharfe Aussage dadurch, dass Kurt Koch selbst ein huldvolles Geleitwort zu Benedikts Aufsatz geschrieben hatte. Man kann sich vorstellen, dass der Kardinal als Vorgesetzter Rutishausers keinen Gefallen an dessen Wortmeldung fand. Und natürlich sind die Anhänger Benedikts im Vatikan nach wie vor einflussreich. Sie reagieren gereizt auf alle, die die Theologie ihrer Lichtgestalt zu kritisieren wagen.
«Nihil obstat» beendet Diskussionen
Umso mehr erstaunt jetzt die schnelle Erteilung des «nichts steht im Weg» aus Rom. Die Theologische Fakultät Luzern und Rutishauser selbst werden diese Nachricht mit Erleichterung aufgenommen haben, denn sie setzt einen Schlusspunkt unter die Diskussionen, die im Vorfeld der Lehrstuhlbesetzung geführt worden sind. Christian Rutishauser kann sich jetzt seinem Herzensanliegen widmen, dem jüdisch-christlichen Dialog. Dieser war noch nie so nötig wie heute.
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