Bischofssynode zu Amazonien

Bischofssynode zu Amazonien

Agostina Farias bereitet unter den neugierigen Augen der Enkeltochter das Essen zu | Jürgen Escher, Adveniat

Vom 6. bis 27. Oktober 2019 beraten in Rom Bischöfe und andere Kirchenvertreterinnen und -vertreter über seelsorgliche Fragen des Amazonasgebiets. Das Treffen findet auf Einladung von Papst Franziskus statt und steht unter dem Thema «Amazonien – neue Wege für die Kirche und eine ganzheitliche Ökologie». Es handelt sich um eine sogenannte Spezialsynode für eine bestimmte Weltregion. Ähnliche Sonderversammlungen fanden 2010 für den Nahen Osten oder 2009 für Afrika statt. (kna)

Worum geht es bei der Synode?

Im Mittelpunkt stehen die Lage der Menschen im Amazonasgebiet und Herausforderungen für die katholische Kirche. Das Arbeitspapier der Synode legt Akzente auf die Probleme, die sich durch die Ausbeutung der Rohstoffvorkommen wie Holz, Erdöl, Gas und Edelmetalle und durch Monokulturen vor allem für die indigene Bevölkerung ergeben. Hierzu zählen Landkonflikte und Vertreibung sowie Umweltverschmutzung durch Bergbau und Rodung. Innerkirchliche Themen sind mehr Aufmerksamkeit für indigene Traditionen und die Seelsorge in dem riesigen und schwer zugänglichen Areal. Dabei sollen auch die Weihe verheirateter Familienväter, die Übertragung von Leitungsaufgaben an Laien und neue Ämter für Frauen diskutiert werden.

Wer nimmt an der Synode teil?

An den Beratungen der dreiwöchigen Amazonas-Synode nehmen 283 Personen teil. Synodenmitglieder von Amts wegen sind die Ortsbischöfe der betreffenden Region – also Amazonas-Bischöfe aus Bolivien, Brasilien, Ecuador, Peru, Kolumbien, Venezuela, Französisch-Guayana, Guayana und Suriname sowie die Spitzen von sieben Bischofskonferenzen, Vertreter der römischen Kurie und die Leitung des Panamazonien-Netzwerks Repam sowie die Mitglieder des Vorbereitungsgremiums.

Von den 113 Synodenvätern aus den betreffenden Kirchenbezirken in neun Ländern stammen allein 57 aus Brasilien. Papst Franziskus berief darüber hinaus persönlich 33 weitere Mitglieder vor allem aus Weltregionen mit ähnlichen Problemlagen, etwa dem Kongobecken.

17 indigene Teilnehmer

12 Sondergäste wurden aufgrund ihrer wissenschaftlichen Kompetenz oder als Vertreter oder Vertreterin einschlägiger Institutionen ausgewählt. Hinzu kommen sechs ökumenische Beobachterinnen und Beobachter, 25 Expertinnen und Experten und 55 sogenannte Hörerinnen und Hörer. 17 der gut 280 Teilnehmer sind Indigene. Die Zahl der Frauen beträgt 35; von diesen sind 20 Ordensfrauen.

Von den 283 Teilnehmerinnen und Teilnehmern sind 185 stimmberechtigt. Die Frauen haben kein Stimmrecht. Begründet wird dies mit dem Kirchenrecht.

Wie läuft die Synode ab?

Am 8. Juni 2018 veröffentlichte das vatikanische Synodensekretariat ein Vorbereitungsdokument mit einem Fragenkatalog.

Auf Grundlage der Rückmeldungen, unter anderem aus rund 260 lokalen und regionalen Vorbereitungstreffen, erstellte das Sekretariat das Arbeitspapier. Dieses liegt auch in einer deutschen Übersetzung der Hilfswerke Misereor und Adveniat vor, die nicht vom Vatikan beglaubigt ist.

Die Beratungen selbst umfassen Plenardebatten, an denen auch der Papst teilnimmt, und Kleingruppenarbeit. Eine wichtige Rolle als Moderator spielt der sogenannte Generalrelator, der brasilianische Kardinal Claudio Hummes.

Was macht die Synode für europäische Katholiken wichtig?

Das Amazonasbecken weist das zweitgrösste Waldgebiet der Erde auf und spielt eine wichtige Rolle für das Klima des Planeten. Die Zahl der Pflanzen- und Tierarten in dem 7 Millionen Quadratkilometer grossen Areal ist bis heute nicht annähernd erfasst. Rodung und Umweltverschmutzung in dem ökologisch sensiblen Gebiet haben globale Auswirkungen.

Innerkirchlich könnten neue Wege der Seelsorge im Amazonasgebiet Modellcharakter für schrumpfende Kirchen in Europa haben. Der Vatikan betont aber, dass sich Lösungen aus Lateinamerika nicht einfach kopieren lassen.

Was passiert mit den Ergebnissen der Synode?

Die Synodenteilnehmer verabschieden in der letzten Sitzungswoche ein Schlussdokument, das dem Papst übergeben wird. Es steht ihm frei, dieses Papier zu veröffentlichen. Eine rechtliche Wirkung hat das Dokument nicht. Üblicherweise stützt sich der Papst aber darauf bei der Abfassung eines eigenen nachsynodalen Schreibens.

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