Bischofssynode zu Amazonien

Bischofssynode zu Amazonien

Agostina Farias bereitet unter den neugierigen Augen der Enkeltochter das Essen zu | Jürgen Escher, Adveniat

Vom 6. bis 27. Oktober 2019 fand in Rom die Amazonas-Synode statt. Das Bischofstreffen trug den Titel «Amazonien: Neue Wege für die Kirche und eine integrale Ökologie». Thema der internationalen Versammlung waren ökologische und seelsorgerliche Fragen der Amazonas-Region, ausserdem ging es um die Belange der Indigenen und um Menschenrechte. Bei der Amazonas-Synode handelte es sich um eine sogenannte Spezialsynode für eine bestimmte Weltregion.

Worum ging es bei der Synode?

Im Mittelpunkt der Diskussionen stand die Lage der Menschen im Amazonasgebiet und die Herausforderungen für die katholische Kirche. Das Arbeitspapier der Synode legte Akzente auf die Probleme, die sich durch die Ausbeutung der Rohstoffvorkommen wie Holz, Erdöl, Gas und Edelmetalle und durch Monokulturen vor allem für die indigene Bevölkerung ergeben. Hierzu zählen Landkonflikte und Vertreibung sowie Umweltverschmutzung durch Bergbau und Rodung.

Innerkirchliche Themen waren mehr Aufmerksamkeit für indigene Traditionen und die Seelsorge in dem riesigen und schwer zugänglichen Areal. In diesem Zusammenhang waren die Weihe verheirateter Familienväter und die Übertragung von Leitungsaufgaben an Laien und Frauen Diskussionsthema.

Wer nahm an der Synode teil?

An den Beratungen nahmen 283 Personen teil. Synodenmitglieder von Amts wegen waren die Ortsbischöfe der betreffenden Region – also Amazonas-Bischöfe aus Bolivien, Brasilien, Ecuador, Peru, Kolumbien, Venezuela, Französisch-Guayana, Guayana und Suriname sowie die Spitzen von sieben Bischofskonferenzen, Vertreter der römischen Kurie und die Leitung des Panamazonien-Netzwerks Repam sowie die Mitglieder des Vorbereitungsgremiums.

Von den 113 Synodenvätern aus den betreffenden Kirchenbezirken in neun Ländern stammten 57 aus Brasilien. Papst Franziskus berief darüber hinaus persönlich 33 weitere Mitglieder vor allem aus Weltregionen mit ähnlichen Problemlagen, etwa dem Kongobecken.

112 Sondergäste wurden aufgrund ihrer wissenschaftlichen Kompetenz oder als Vertreter oder Vertreterin einschlägiger Institutionen ausgewählt. Hinzu kamen sechs ökumenische Beobachterinnen und Beobachter, 25 Expertinnen und Experten und 55 sogenannte Hörerinnen und Hörer. 17 Teilnehmer waren Indigene. Die Zahl der Frauen betrug 35; von diesen waren 20 Ordensfrauen.

Von den 283 Teilnehmerinnen und Teilnehmern waren 185 stimmberechtigt. Die Frauen hatten kein Stimmrecht. Begründet wurde dies mit dem Kirchenrecht.

Was sind die Resultate?

Zum Abschluss der Amazonas-Synode wurde ein Schlussdokument in spanischer Sprache verfasst. In dem 120 Artikel umfassenden Dokument bekennen sich die Synodalen zum Rückhalt für die amazonischen Völker und deren Lebensweise. Es gelte, sich den Indigenen «auf Augenhöhe zu nähern, ihre Geschichte, ihre Kulturen, ihren Stil des ‹guten Lebens› zu respektieren». Eine «Evangelisierung im Kolonialstil» wird ausdrücklich verworfen.

Papst kündigte eigene Sektion für Amazonien innerhalb der Entwicklungs- und Menschenrechtsbehörde an.

Unter ökologischer Perspektive warb die Synode für einen ganzheitlichen Ansatz. Die Kirche müsse sich mit der Ausbeutung des «gemeinsamen Hauses und seiner Bewohner» auseinandersetzen. Auch die Verteidigung der Menschenrechte wurde als verpflichtend bezeichnet. Das Schlussdokument sprach sich für eine Beobachtungsstelle für Ökologie und Sozialfragen aus, die auch mit nichtkirchlichen Akteuren zusammenarbeiten soll. Papst Franziskus kündigte die Errichtung einer eigenen Sektion für Amazonien innerhalb der Entwicklungs- und Menschenrechtsbehörde des Vatikan an.

Für “viri probati”, gegen Frauendiakonat

Die Synodenväter sprechen sich dafür aus, dass die Bischöfe die Voraussetzungen dafür schaffen, dass für Gemeinden des Amazonasgebiets, die besonders unter Priestermangel leiden, auch entsprechend ausgebildete Seelsorger geweiht werden können, die zuvor als Ständige Diakone tätig waren. Die Weihe zum Diakon steht auch verheirateten Seelsorgern offen. Eine allgemeine Aufhebung des Zölibats ist damit nicht verbunden.

Ein Austausch zum Frauendiakonat wird gewünscht

Zur Zulassung von Frauen zum Diakonat hält das Dokument fest, dass dies in den Beratungen mehrfach gefordert worden war. Der Vorschlag einer Zulassung jedoch wird von der Versammlung nicht explizit unterstützt. Allerdings enthält der Text den Wunsch, mit einer vom Papst im Jahr 2016 eingesetzten Kommission zum Frauendiakonat in Austausch zu treten.

Für jeden der insgesamt 120 Artikel war eine Zweidrittelmehrheit der 181 anwesenden Synodalen notwendig, also 120 Stimmen. Die meisten Gegenstimmen erhielten die Artikel zu den verheirateten Priestern (41 Nein-Stimmen bei 128 Ja-Stimmen) und zum Frauendiakonat (30 Nein-Stimmen bei 137 Ja-Stimmen).

Das auf Spanisch abgefasste Schlussdokument ist nicht bindend; Papst Franziskus kündigte nach der Veröffentlichung an, voraussichtlich bis Jahresende ein eigenes Schreiben mit Folgerungen vorzulegen.

Auszüge aus dem Schlussdokument auf Deutsch.

Wie lief die Synode ab?

Am 8. Juni 2018 veröffentlichte das vatikanische Synodensekretariat ein Vorbereitungsdokument mit einem Fragenkatalog.

Auf Grundlage der Rückmeldungen, unter anderem aus rund 260 lokalen und regionalen Vorbereitungstreffen, erstellte das Sekretariat das Arbeitspapier. Dieses liegt auch in einer deutschen Übersetzung der Hilfswerke Misereor und Adveniat vor, die nicht vom Vatikan beglaubigt ist.

Die Beratungen selbst umfassten Plenardebatten, an denen auch der Papst teilnahm, und Kleingruppenarbeit. Eine wichtige Rolle als Moderator spielte der sogenannte Generalrelator, der brasilianische Kardinal Claudio Hummes.

Was passiert mit den Ergebnissen der Synode?

Die Synodenteilnehmer haben ein Schlussdokument veröffentlicht, das dem Papst übergeben wird. Eine rechtliche Wirkung hat das Dokument nicht. Der Papst wird bis Ende 2019 ein für die katholische Kirchenlehre verbindliches Nachsynodales Schreiben verdassen. In der Regel stützt sich der Papst dabei auf das Abschlussdokument der Synode.

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