Bischofssynode zu Amazonien

Bischofssynode zu Amazonien

Agostina Farias bereitet unter den neugierigen Augen der Enkeltochter das Essen zu | Jürgen Escher, Adveniat

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Papst Franziskus hat am Mittwoch, 12. Februar 2020, sein mit Spannung erwartetes nachsynodales Schreiben zur Amanzonas-Synode veröffentlicht.

Papst Franziskus und Synodenteilnehmer in der Synodenaula

Vom 6. bis 27. Oktober 2019 fand in Rom die Amazonas-Synode statt. Das Bischofstreffen trug den Titel «Amazonien: Neue Wege für die Kirche und eine integrale Ökologie». Thema der internationalen Versammlung waren ökologische und seelsorgerliche Fragen der Amazonas-Region, ausserdem ging es um die Belange der Indigenen und um Menschenrechte. Bei der Amazonas-Synode handelte es sich um eine sogenannte Spezialsynode für eine bestimmte Weltregion.

Worum ging es bei der Synode?

Im Mittelpunkt der Diskussionen stand die Lage der Menschen im Amazonasgebiet und die Herausforderungen für die katholische Kirche. Das Arbeitspapier der Synode legte Akzente auf die Probleme, die sich durch die Ausbeutung der Rohstoffvorkommen wie Holz, Erdöl, Gas und Edelmetalle und durch Monokulturen vor allem für die indigene Bevölkerung ergeben. Hierzu zählen Landkonflikte und Vertreibung sowie Umweltverschmutzung durch Bergbau und Rodung.

Innerkirchliche Themen waren mehr Aufmerksamkeit für indigene Traditionen und die Seelsorge in dem riesigen und schwer zugänglichen Areal. In diesem Zusammenhang waren die Weihe verheirateter Familienväter und die Übertragung von Leitungsaufgaben an Laien und Frauen Diskussionsthema.

Wer nahm an der Synode teil?

An den Beratungen nahmen 283 Personen teil. Synodenmitglieder von Amts wegen waren die Ortsbischöfe der betreffenden Region – also Amazonas-Bischöfe aus Bolivien, Brasilien, Ecuador, Peru, Kolumbien, Venezuela, Französisch-Guayana, Guayana und Suriname sowie die Spitzen von sieben Bischofskonferenzen, Vertreter der römischen Kurie und die Leitung des Panamazonien-Netzwerks Repam sowie die Mitglieder des Vorbereitungsgremiums.

Von den 113 Synodenvätern aus den betreffenden Kirchenbezirken in neun Ländern stammten 57 aus Brasilien. Papst Franziskus berief darüber hinaus persönlich 33 weitere Mitglieder vor allem aus Weltregionen mit ähnlichen Problemlagen, etwa dem Kongobecken.

112 Sondergäste wurden aufgrund ihrer wissenschaftlichen Kompetenz oder als Vertreter oder Vertreterin einschlägiger Institutionen ausgewählt. Hinzu kamen sechs ökumenische Beobachterinnen und Beobachter, 25 Expertinnen und Experten und 55 sogenannte Hörerinnen und Hörer. 17 Teilnehmer waren Indigene. Die Zahl der Frauen betrug 35; von diesen waren 20 Ordensfrauen.

Von den 283 Teilnehmerinnen und Teilnehmern waren 185 stimmberechtigt. Die Frauen hatten kein Stimmrecht. Begründet wurde dies mit dem Kirchenrecht.

Was sind die Resultate?

Zum Abschluss der Amazonas-Synode wurde ein Schlussdokument in spanischer Sprache verfasst. In dem 120 Artikel umfassenden Dokument bekennen sich die Synodalen zum Rückhalt für die amazonischen Völker und deren Lebensweise. Es gelte, sich den Indigenen «auf Augenhöhe zu nähern, ihre Geschichte, ihre Kulturen, ihren Stil des ‹guten Lebens› zu respektieren». Eine «Evangelisierung im Kolonialstil» wird ausdrücklich verworfen.

Papst kündigte eigene Sektion für Amazonien innerhalb der Entwicklungs- und Menschenrechtsbehörde an.

Unter ökologischer Perspektive warb die Synode für einen ganzheitlichen Ansatz. Die Kirche müsse sich mit der Ausbeutung des «gemeinsamen Hauses und seiner Bewohner» auseinandersetzen. Auch die Verteidigung der Menschenrechte wurde als verpflichtend bezeichnet. Das Schlussdokument sprach sich für eine Beobachtungsstelle für Ökologie und Sozialfragen aus, die auch mit nichtkirchlichen Akteuren zusammenarbeiten soll. Papst Franziskus kündigte die Errichtung einer eigenen Sektion für Amazonien innerhalb der Entwicklungs- und Menschenrechtsbehörde des Vatikan an.

Für “viri probati”, gegen Frauendiakonat

Die Synodenväter sprechen sich dafür aus, dass die Bischöfe die Voraussetzungen dafür schaffen, dass für Gemeinden des Amazonasgebiets, die besonders unter Priestermangel leiden, auch entsprechend ausgebildete Seelsorger geweiht werden können, die zuvor als Ständige Diakone tätig waren. Die Weihe zum Diakon steht auch verheirateten Seelsorgern offen. Eine allgemeine Aufhebung des Zölibats ist damit nicht verbunden.

Ein Austausch zum Frauendiakonat wird gewünscht

Zur Zulassung von Frauen zum Diakonat hält das Dokument fest, dass dies in den Beratungen mehrfach gefordert worden war. Der Vorschlag einer Zulassung jedoch wird von der Versammlung nicht explizit unterstützt. Allerdings enthält der Text den Wunsch, mit einer vom Papst im Jahr 2016 eingesetzten Kommission zum Frauendiakonat in Austausch zu treten.

Für jeden der insgesamt 120 Artikel war eine Zweidrittelmehrheit der 181 anwesenden Synodalen notwendig, also 120 Stimmen. Die meisten Gegenstimmen erhielten die Artikel zu den verheirateten Priestern (41 Nein-Stimmen bei 128 Ja-Stimmen) und zum Frauendiakonat (30 Nein-Stimmen bei 137 Ja-Stimmen).

Das auf Spanisch abgefasste Schlussdokument ist nicht bindend; Papst Franziskus kündigte nach der Veröffentlichung an, voraussichtlich bis Jahresende ein eigenes Schreiben mit Folgerungen vorzulegen.

Auszüge aus dem Schlussdokument auf Deutsch.

Wie lief die Synode ab?

Am 8. Juni 2018 veröffentlichte das vatikanische Synodensekretariat ein Vorbereitungsdokument mit einem Fragenkatalog.

Auf Grundlage der Rückmeldungen, unter anderem aus rund 260 lokalen und regionalen Vorbereitungstreffen, erstellte das Sekretariat das Arbeitspapier. Dieses liegt auch in einer deutschen Übersetzung der Hilfswerke Misereor und Adveniat vor, die nicht vom Vatikan beglaubigt ist.

Die Beratungen selbst umfassten Plenardebatten, an denen auch der Papst teilnahm, und Kleingruppenarbeit. Eine wichtige Rolle als Moderator spielte der sogenannte Generalrelator, der brasilianische Kardinal Claudio Hummes.

Was passiert mit den Ergebnissen der Synode?

Die Synodenteilnehmer haben ein Schlussdokument veröffentlicht, das dem Papst übergeben wird. Eine rechtliche Wirkung hat das Dokument nicht. Der Papst wird bis Ende 2019 ein für die katholische Kirchenlehre verbindliches Nachsynodales Schreiben verdassen. In der Regel stützt sich der Papst dabei auf das Abschlussdokument der Synode.

Was steht im Papstschreiben Querida Amazonia zur Synode?

Fragen und Antworten

Krempelt der Papst Franziskus die katholische Kirche um, wie es im Vorfeld von manchen erhofft, von anderen befürchtet wurde?

Eindeutig nein. Es wird vorerst weder die Lockerung des Zölibats noch die Diakonen- oder gar Priesterweihe für Frauen geben. Den Vorschlag der Bischofssynode, eine Priesterweihe für verheiratete Diakone einzuführen, empfiehlt er zur Lektüre, ohne ihn in sein eigenes Schreiben zu übernehmen.

Welchen Stellenwert hat das Schreiben? An wen ist es gerichtet?

«Querida Amazonia» ist die vorläufige Antwort und Deutung des Papstes zu den Überlegungen, die durch die Amazonas-Synode angestossen wurden. Diese sollen ausdrücklich weitergehen. Franziskus macht sich weder das Abschlussdokument der Synodenteilnehmer unmittelbar zu eigen, noch will er es ersetzen durch seine Aussagen. Die ersten drei Kapitel richten sich «an alle Menschen guten Willens», das vierte Kapitel über die Kirche in Amazonien vornehmlich an Kirchenverantwortliche und Gläubige.

Was sind die wichtigsten Aussagen des Papstes?

Die Kirche steht auf der Seite der Schwachen und Unterdrückten. Angesichts der dramatischen Lage für Menschen und Natur braucht es einen respektvollen Dialog aller Beteiligten und energisches Handeln. Dabei wendet sich der Papst gegen jede romantische Verklärung.

Indigene Kultur und moderne Technik müssen sich zu nachhaltiger Entwicklung ergänzen. Die Kulturen Amazoniens haben ihre eigene Würde. Die Kirche dort muss dies noch stärker beachten: bei der Ausbildung ihrer Mitarbeiter, in der Leitung von Gemeinschaften, in Seelsorge und Liturgie. Ausnahmen von der Zölibatspflicht für Priester oder Weiheämter für Frauen sind dabei kein angemessener, erst recht kein vorrangiger Weg.

Wie geht es weiter mit dem Zölibat, also der Pflicht zur Ehelosigkeit für katholische Priester?

Zunächst bleiben die bisherigen Regelungen bestehen: In der römisch-katholischen Kirche des westlichen Ritus können nur unverheiratete Männer zu Priestern geweiht werden, in den katholischen Ostkirchen auch verheiratete. Auch können anglikanische und evangelische verheiratete Geistliche, die konvertieren, katholische Priester werden. Für die römische Kirche hält der Papst die Diskussion offen, aber gegen den Priestermangel in entlegenen Gebieten empfiehlt er erst einmal andere Massnahmen. Auch wenn die Öffentlichkeit stark darauf schaut, spielte das Thema Zölibat auf der Synode selbst wie im aktuellen Papstschreiben nur eine Nebenrolle.

Öffnet Franziskus Türen für innerkirchliche Reformen – etwa bei der Rolle der Frauen in der Kirche oder bei der Mitarbeit von Laien?

Franziskus fordert Reformen, nur stellt er sich darunter etwas Anderes vor als viele andere. Ein Weiheamt für Frauen, etwa ein weibliches Diakonat, empfiehlt der Papst nicht. Er will aber, dass die Kirche vor Ort spezifisch weibliche, institutionalisierte und öffentlich anerkannte Dienste und Aufgaben entwickelt, zu denen Frauen eigens beauftragt werden. Damit sollen sie auch Leitungsverantwortung erhalten und mit entscheiden. Das Gleiche gilt für männliche Laien.

Warum sagt der Papst nicht deutlich Ja oder Nein zu den strittigen Themen?

Zum einen hält er bestimmte Fragen noch nicht reif für eine definitive Entscheidung und möchte, dass die Anhänger der verschiedenen Meinungen weiter gemeinsam darum ringen. Zum anderen ist er dagegen, alles in der Kirche von Rom her zu entscheiden.

Bestimmte Dinge sollen unterschiedlich gehandhabt werden können, um den seelsorglichen und kulturellen Situationen vor Ort besser gerecht zu werden. Als Papst will er gewisse Verschiedenartigkeiten zulassen, zugleich aber verhindern, dass sich Gruppen voneinander trennen. Im Übrigen hat die katholische Weltkirche schon in rüheren Jahrhunderten nicht alles einheitlich geregelt.

Was sagt der Papst zu den Umwelt- und Menschenrechtsproblemen in Amazonien?

Er wiederholt seine scharfe Kritik an bloss profitorientierter Ausbeutung der Umwelt und an der Zerstörung indigener Völker und Kulturen. Er ist gegen eine völkerrechtliche Internationalisierung Amazoniens als grüne Lunge des Planeten, wie sie auf der Synode einige gefordert hatten. Vielmehr fordert er die Nationalstaaten auf, ihrer Verantwortung für das Gemeinwohl aller gerecht zu werden. Franziskus setzt auf eine Synthese traditionellen Wissens indigener Völker und den Erkenntnissen moderner Wissenschaft, um den Amazonas als Lebensraum nachhaltig zu nutzen. In diesem Sinn soll die Kirche prophetisch mahnen und solidarisch mit den Armen handeln.

Was bedeutet das Schreiben für den Reformdialog Synodaler Weg in Deutschland?

Franziskus möchte, dass die gesamte Weltkirche von den Diskussionen und Erfahrungen Amazoniens lernt. Jeweilige Konsequenzen müsste die Kirche in Deutschland oder andernorts sich aber selbst erarbeiten. «Querida Amazonia» gibt dafür neue Impulse. Änderungen beim Zugang zu kirchlichen Ämtern greifen zu kurz.

Für den Synodalen Weg könnte dies heissen: Änderungen beim Zugang zu kirchlichen Ämtern allein greifen zu kurz. Das Priesteramt bleibt unersetzlich, soll aber auf seinen rein religiösen Wesenskern konzentriert werden. Für mehr Mitverantwortung von Frauen und anderen Nichtklerikern in Diözesen und Gemeinden sollten neue Formen gesucht werden. Die Kultur und Lebenswelt der Menschen soll überzeugend mit der christlichen Botschaft in Verbindung gebracht werden.

Roland Juchem, Korrespondent der deutschen Nachrichten-Agentur KNA und Büroleiter in Rom .

Das nachsynodale Schreiben «Querida Amazonia» in offizieller deutscher Übersetzung.

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Impressionen

Papst Franziskus mit indigenen Teilnehmern der Amazonassynode im Vatikan | © KNA
Papst Franziskus und Synodenteilnehmer in der Synodenaula.
Gerodete Waldfläche im Amazonas-Urwald | © Adveniat
Teilnehmer an der Amazonas-Bischofssynode 2019. | © KNA
Gottesdienst an der Amazonas-Synode | © KNA
Das Schlussdokument zur Amazonassynode
Dichter Amazonas-Urwald im Distrikt Roraima, Brasilien | © Adveniat