Zürcher Religionsdelegierte: «Der interreligiöse Dialog war mir schon immer ein Kernanliegen»
Franziska Driessen-Reding hat sich als oberste Zürcher Katholikin früher gern pointiert geäussert. Nun als Religionsdelegierte sagt sie diplomatisch: «Die verschiedenen Konfliktherde in aller Welt haben auch einen Einfluss auf die Religionsgemeinschaften bei uns im Kanton Zürich.»
Regula Pfeifer
Sie waren früher als Synodalratspräsidentin die oberste Katholikin im Kanton Zürich. Nun sind Sie seit bald zweieinhalb Jahren Religionsdelegierte des Kantons. Was verbindet die beiden Aufgaben?
Franziska Driessen-Reding*: Der interreligiöse Dialog war mir schon immer ein Kernanliegen und auch in meiner früheren Tätigkeit ein Schwerpunkt. Eine grosse Portion Offenheit und die Freude daran, Neues zu entdecken sind sicher Grundvoraussetzungen, sowohl für ein Exekutivamt wie auch für die Arbeit beim Kanton.
«Wir erarbeiten Massnahmen zur Stärkung des Religionsfriedens und der Gleichbehandlung der Religionsgemeinschaften.»
Wofür setzen Sie sich hauptsächlich ein als Religionsdelegierte und Leiterin der kantonalen Fachstelle Religion?
Driessen-Reding: Die Fachstelle Religion unterstützt den Regierungsrat bei der Erreichung seiner Legislaturziele in Bezug auf Religionsgemeinschaften. Wir sind die Verbindungsstelle zwischen den Religionsgemeinschaften und den kantonalen Behörden und Verwaltungseinheiten und zugleich auch Anlaufstelle für Fragen zum Thema Religion. Wir erarbeiten Massnahmen zur Stärkung des Religionsfriedens und der Gleichbehandlung der Religionsgemeinschaften. Und wir setzen uns für die Förderung der Seelsorge in den Spitälern, Gefängnissen und Asylzentren ein. Mit den fünf anerkannten Religionsgemeinschaften arbeiten wir an gemeinsamen Legislaturzielen.
Was gefällt Ihnen an der Aufgabe, empfinden Sie sie als sinnvoll?
Driessen-Reding: Unsere Arbeit bewegt sich in einem gesellschaftlich hochspannenden und sehr relevanten Umfeld. Die Religionslandschaft im Kanton Zürich hat sich stark gewandelt. Aus einer Gesellschaft, in der es im Wesentlichen die zwei christlichen Konfessionen gab, wurde eine äusserst vielfältige Gesellschaft. Heute sind weniger als 50 Prozent der Zürcher Bevölkerung Mitglied in einer der grossen Kirchen. Zum Vergleich: 1970 waren das 95,5 Prozent, im Jahr 2000 76,2 Prozent. Nichtchristliche Religionen dagegen haben an Bedeutung gewonnen. So leben zum Beispiel rund 100’000 Muslim:innen im Kanton Zürich (rund 6,5 Prozent der Bevölkerung). Zudem steigt die Zahl der Konfessionslosen an, im Kanton Zürich beträgt ihr Anteil heute über ein Drittel der Gesamtbevölkerung.
«Der Staat muss sicherstellen, dass alle Religionsgemeinschaften gleichberechtigt am gesellschaftlichen und politischen Leben teilhaben können.»
Gemäss Regierungsrätin Jacqueline Fehr muss eine zukunftsgerichtete und faire Religionspolitik dies abbilden. Sie soll sich an zwei Prinzipien orientieren: Der Teilhabe und der Nichtdiskriminierung. Der Staat darf mit seinem Handeln nicht diskriminieren, er soll alle gleichbehandeln und muss sicherstellen, dass alle Religionsgemeinschaften gleichberechtigt am gesellschaftlichen und politischen Leben teilhaben können. Daran arbeiten wir. Auch im Austausch mit anderen Kantonen und über die Landesgrenzen hinweg. Diese vielseitige Arbeit macht mir grosse Freude.
Was fordert Sie heraus?
Driessen-Reding: Die täglichen Herausforderungen machen meine Arbeit interessant und motivieren mich und mein Team. Die verschiedenen Konfliktherde in aller Welt haben auch einen Einfluss auf die Religionsgemeinschaften bei uns im Kanton Zürich. Ich bin äusserst dankbar, dass sie den interreligiösen Dialog gerade in dieser Zeit intensiv pflegen.
Möchten Sie sie weiterführen – auch nach dem Rücktritt Ihrer Vorgesetzten, Regierungsrätin Jacqueline Fehr, im kommenden Jahr?
Driessen-Reding: Die Zusammenarbeit mit Jacqueline Fehr ist sehr inspirierend, und es steht noch Einiges an – auch über den Wechsel im Vorsitz der Direktion hinaus. Darauf freue ich mich.
«Es sind Freundschaften entstanden, die bleiben.»
Mit welchem Gefühl denken Sie an Ihre Zeit im Synodalrat zurück?
Driessen-Reding: Ich blicke sehr dankbar auf diese Zeit zurück. Was mir besonders in Erinnerung bleibt, sind nebst dem Erreichten die Menschen, mit denen ich gemeinsam unterwegs sein durfte. Es sind Freundschaften entstanden, die bleiben.
*Franziska Driessen-Reding war vom April 2018 bis Anfang Juli 2023 Synodalratspräsidentin der Katholischen Kirche im Kanton Zürich, zuvor Vizepräsidentin. Seit November 2023 arbeitet sie als kantonale Religionsdelegierte und Leiterin Fachstelle Religion.
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