Jürg Stadelmann, Historiker und Ausstellungsmacher

Bestattungskultur im Wandel: Das Krematorium Luzern ist 100 Jahre alt

Eine Ausstellung auf dem Friedhof Friedental in Luzern schlägt den Bogen vom Literaturnobelpreisträger Carl Spitteler, der sich als Erster einäschern liess, bis zu Menschen, die ihre letzte Ruhe in einem Gemeinschaftsgrab suchen. Warum der Bau des Krematoriums einen Streit bis vor Bundesgericht auslöste, erzählt der Historiker und Ausstellungsmacher Jürg Stadelmann.

Weitere Themen:

  • Katholikinnen und Katholiken durften sich bis 1963 nicht kremieren lassen. Warum?
  • Heute ist Kremation völlig normal: 90% aller Verstorbenen lassen sich in Luzern verbrennen. Wie ist dieser Wandel zu erklären?
  • Das Friedental ist heute ein Friedhof für alle fünf Weltreligionen. Wie funktioniert Integration konkret?
  • Hindus verbrennen ihre Verstorbenen auf dem Scheiterhaufen. Das ist in der Schweiz verboten. Welchen Kompromiss hat man gefunden?
  • Seit 2008 gibt es im Friedental muslimische Gräber, die nach Mekka ausgerichtet sind. Wer hat sich zuvor dagegen gesträubt?
  • Bestattungen: Mit welcher Bevölkerungsgruppe hat das Friedhofspersonal oft den grössten Aufwand?
  • Heute entscheiden sich 40% aller Kremierten für ein Gemeinschaftsgrab. Warum?
  • Seit ein paar Jahren kann man auch im Gemeinschaftsgrab den Namen anzeigen lassen. Warum sind Erinnerungsorte wichtig?
  • Die Ausstellung «Frieden im Tal. 100 Jahre Krematorium Luzern» dauert bis zum 15. November und ist täglich von 9 bis 17 Uhr geöffnet.
Transcript
Speaker:Jürg Stadelmann [:

Dieser Gegensatz zwischen diesem

2

:

Fighten um das Krematorium, die Auseinandersetzungen. 

Heute muss ich sagen, ich bin sogar Bürger jetzt

3

:

neuerdings, dieses Luzern ist offen. Luzern 

will integrieren, hat aber Regeln. Man hat

4

:

Kompromisse. Ich habe gestaunt bei den Muslimen, 

die haben zum Teil per Handschlag Dinge abgemacht,

5

:

Lösungen gesucht, dass es beiden geht, und 

das ist für mich zutiefst schweizerisch.

6

:Sandra Leis [:

7

:

Das sagt der Historiker und Geschichtsvermittler 

Jürg Stadelmann. Zusammen mit seinem Team hat

8

:

er auf dem Friedhof Friedental in Luzern eine 

Ausstellung konzipiert, die den gesellschaftlichen

9

:

Wandel bei Bestattungen in den letzten 100 

Jahren dokumentiert. Anlass ist der 100.

10

:rtstag des Krematoriums. Seit:

Katholikinnen und Katholiken offiziell erlaubt,

11

:

sich kremieren zu lassen. Die Schau schlägt in den 

Bogen vom Literaturnobelpreisträger Carl Spitaler,

12

:

der sich als Erster in Luzern einäschern ließ, 

bis zu Menschen, die ihre letzte Ruhe in einem

13

:

Gemeinschaftsgrab suchen. Jürg Stadelmann, 

herzlich willkommen zu unserem Gespräch.

14

:Jürg Stadelmann [:

Vielen Dank.

15

:Sandra Leis [:

Wir stehen im Herzstück

16

:

der Ausstellung im alten Krematorium. 

Stilvoll präsentiert werden Urnen, Kerzen,

17

:

Grabschmuck und historische Dokumente wie Baupläne 

oder auch Zeitungsausschnitte. Kurz erklärt,

18

:

was soll den Besucherinnen und 

Besuchern hier vermittelt werden?

19

:Jürg Stadelmann [:

Wir sind in der ehemaligen Abdankungshalle

20

:

des alten Krematoriums, das heute bereits 

seit über 20 Jahren nicht mehr in Betrieb ist.

21

:

Darin wollen wir die Entwicklung der 

Kremation von ihren Anfängen und insbesondere,

22

:

was in Luzern in den letzten 100 Jahren 

geschehen ist, zur Darstellung bringen.

23

:Sandra Leis [:

Am Boden gibt es eine Zeittafel.

24

::errichtet,:

25

:

statt für das Krematorium. In den 40 

Jahren dazwischen hat ein heftiger

26

:

Kulturkampf stattgefunden. Wo 

sind die Frontlinien verlaufen?

27

:Jürg Stadelmann [:

Wir haben da eine Treppe installiert und

28

:

die will zeigen, wie schwer das gewesen ist. Es 

standen sich zwei Lager gegenüber, auf der einen

29

:

Seite mehrheitlich das katholisch-konservative 

Lager, auf der anderen Seite das liberale Lager,

30

:

und dort hatte es auch Freimauer dabei, die 

versuchten, die Kremation, wie sie schon rundherum

31

:

in Betrieb war, auch nach Luzern zu bringen. Die 

Auseinandersetzung hat noch eine zweite Dimension.

32

:

Nicht nur die beiden Lager, sondern es war auch 

Stadt gegenüber Restkanton. Der Restkanton,

33

:

mehrheitlich katholisch-konservativ und die 

Stadt in einem Mehrheitsverhältnis liberal.

34

:

Und die liberale Stadt hat bereits bei der Planung 

:

35

:

scheiterte dann, weil es in der Verfassung, in der 

Verordnung hiess: ausschliesslich Erdbestattung.

36

:Sandra Leis [:

Also die Konflikte, die waren sehr heftig, es gab

37

:

aber offensichtlich auch ästhetische Bedenken. Ein 

Zitat, das man in der Ausstellung sieht, das sehr

38

:

prominent platziert ist, da heißt es, das geplante 

Krematorium würde den Friedhof verunzieren und das

39

:

Friedhofbild stören. Wie hat man sich denn vor 

100 Jahren das ideale Friedhof-Bild ausgemalt?

40

:Jürg Stadelmann [:

Ich bin mir nicht so sicher,

41

:

ob es ein Ideal war oder vielleicht vor 

allem zu bewahren, wie etwas gewesen ist.

42

:Sandra Leis [:

Befürworter und Gegner des Krematoriums

43

:

haben sich bis vor Bundesgericht bekämpft. 

Ist das nicht ein Stück weit erstaunlich,

44

:

wenn man bedenkt, dass es in der Schweiz 

bereits 16 andere Krematorien gegeben hat?

45

:Jürg Stadelmann [:

Das ist beeindruckend. Gleichzeitig

46

:

muss man auch wieder eingestehen, es gab in 

katholischen Gebieten noch kein Krematorium,

47

:

aber das allererste Krematorium 

wurde:

48

:Sandra Leis [:

Und das ist ja sehr katholisch. Deshalb. . .

49

:Jürg Stadelmann [:

Ja. Und deshalb, Ich glaube, es ist noch wichtig:

50

:

Eigentlich geht es beim Kremieren nicht nur 

um die religiöse Vorstellung im Katholizismus,

51

:

sondern um die Vorstellung, dass man quasi 

vor dem Jüngsten Gericht mit ganzem Körper

52

:

auftauchen will. Es gibt noch andere 

Gründe. Einerseits ist es die Erscheinung,

53

:

dass es sehr viel mehr Leute gibt. Wir 

haben eine enorme Bevölkerungszunahme,

54

:

es braucht mehr Platz. Also das ist 

ein Kriterium, ein zweites Kriterium.

55

:

Möglicherweise ist das auch eine Besonderheit der 

Zentralschweiz, der katholischen Ausrichtung. Ich

56

:

bin mir nicht mehr so sicher, ob es nicht 

auch ein L’art pour l›art gewesen ist,

57

:

einfach zu kämpfen. Was die anderen wollen, wollen 

wir nicht. Wir haben ein Dossier zusammengestellt

58

:

mit Pro- und Kontra-Argumenten. Wir waren zum 

Teil verdattert, wie die Pro eigentlich gar

59

:

nicht so gut argumentieren. Und das Kontra bringt 

Aspekte rein, die uns zum Teil erstaunt haben,

60

:

aber vielleicht in Kürze: Das Antireligiöse des 

Kremierens war sicher wichtig, aber nicht nur.

61

:Sandra Leis [:

Der Erste, der sich hier hat kremieren lassen,

62

:

das ist der bekannte Schriftsteller und einzige 

Literaturnobelpreisträger der Schweiz, Carl

63

:

Spitteler. Und pikant daran ist, er starb kurz 

nach Weihnachten:

64

:

kremieren. Also zwei Jahre, fast zwei Jahre vor 

der offiziellen Eröffnung des Krematoriums. Was

65

:

erzählen die Quellen über diese erste Kremation? 

Wissen Sie als Historiker etwas darüber?

66

:Jürg Stadelmann [:

Es ist erstaunlich wenig bekannt. Wir

67

:

haben Fotografien gefunden, wir stehen gerade vor 

einer beim Eingang. Man hat den hochdekorierten

68

:

Sargwagen gezeigt, den Bundesratskranz, der 

da gewesen ist. Und man muss natürlich sagen,

69

:

für diese Bewegung war Carl Spitteler das 

Marketing-Event sondergleichen. Es war allerdings

70

:

so, die Hülle standen, der Ofen funktionierte, 

aber das Ganze war noch nicht fertig.

71

:Sandra Leis [:

Es war ein Gerüst noch.

72

:Jürg Stadelmann [:

Genau. Und man weiss,

73

:

da muss ich ehrlich gesagt sagen, 

wir haben nachgesucht, aber wir

74

:

haben bisher wenig gefunden, wie eigentlich 

Herr Spitteler selber das argumentiert hat.

75

:

DIESE PASSAGE NOCHMALS ANHÖREN

Sandra Leis [:

76

:

Genau, das wäre nämlich meine 

nächste Frage. Wissen Sie,

77

:

warum er das gemacht hat? Also was ich weiß, ist, 

dass er protestantische Theologie studiert hat,

78

:

gleichzeitig sich aber als Atheist 

bezeichnet hat. Könnte es auch sein,

79

:

dass er einfach die katholische Bevölkerung 

provozieren wollen? Wäre das denkbar?

80

:Jürg Stadelmann [:

Ich bin nicht der grosse Spezialist,

81

:

aber 19 war ja das 100-Jährige von ihm, und ich 

habe da verschiedene Dinge, die er hinterlassen

82

:

hat, etwas kennengelernt, und er war ein 

Grandseigneur und hat gleichzeitig auch,

83

:

beispielsweise war er einer, der 

in der Badeanstalt gewesen ist,

84

:

er hatte eine Muse oder zwei um sich, also 

das war einer, und ich kann mir vorstellen,

85

:

ich kann es aber nicht belegen, dass ihm das 

fast gelegen gekommen ist, dieser Abgang.

86

:Sandra Leis [:

Für die Katholikinnen und

87

:

Katholiken war es bis zum Zweiten 

Vatikanischen Konzil verboten,

88

:

sich kremieren zu lassen. Warum eigentlich? 

Weshalb war das so nicht gestattet?

89

:Jürg Stadelmann [:

Meines Wissens, ich bin nicht Theologe,

90

:

ich bin Historiker, ausschlaggebend war das 

jahrhundertelange Argumentieren auch mit dem

91

:

Jüngsten Gericht. Da würden Engel kommen, 

und man würde da aus den Gräbern kommen.

92

:

Die Stadt ist voll von solchen Bildern 

aus jener Zeit auch. Das ist das eine,

93

:

vor Gott muss man mit einem ganzen Körper 

kommen. Das Zweite, das wir auch kennen,

94

:

das war ja in Luzern buchstäblich furchtbar, 

man hat gezielt so bestraft. Man hat gerädert,

95

:

gevierteilt, und die schlimmste Strafe war 

verbrennen. Das heisst, man hat mit diesem

96

:

Abschreckungspotenzial versucht, indirekt zu 

erziehen. Die Hölle alleine hat nicht gereicht,

97

:

und man hat da unweit, etwa einen Kilometer, 

eine alte Richtstätte ausgegraben. Und man

98

:

hat da gefunden, dass man die Leute dann 

noch auf dem Bauch beerdigt hat oder die

99

:

geteilten Glieder nebeneinander, um als 

Abschreckung quasi diesseitig zu erziehen

100

:Sandra Leis [:as war denn das Hauptargument:

101

:

katholische Kirche offiziell die Kremation erlaubt 

hat? Da habe ich nämlich nichts dazu gefunden.

102

:Jürg Stadelmann [:

Also wir haben dort schon danach gesucht,

103

:

aber die katholische Kirche jetzt als 

Grundsatz mal reagiert ja meistens 20,

104

:

30 Jahre verspätet auf Erscheinungen, die 

doch schon weit verbreitet gewesen sind.

105

:

Und es ist ja auch da bei unserem 

Zeitstrahl, zeigen wir ja, dass die

106

:

Anfänge tatsächlich über den Gotthard 

gekommen sind, also aus Norditalien.

107

:Sandra Leis [:

Mailand.

108

:Jürg Stadelmann [:

Und das sind Städte, die quasi eine

109

:

ganz andere Anforderung hatten und die Friedhöfe. 

Und in dieser Beziehung, meine ich, war es so eine

110

:

Art Nachvollziehen. Und denken Sie daran, das 

war im Rahmen des Zweiten Vatikanischen Konzils.

111

:Sandra Leis [:

Genau, das ist klar.

112

:Jürg Stadelmann [:

Das war ja ein Aufbruch. Das ist von

113

:

heute her immer noch beeindruckend, 

was dort alles angegangen wurde.

114

:Sandra Leis [:

Heute ist Kremation völlig normal, 90% aller

115

:

Verstorbenen in Luzern lassen sich verbrennen. Wie 

erklären Sie sich denn diesen eklatanten Wandel?

116

:Jürg Stadelmann [:

Wir haben da in der Ausstellung das visualisiert,

117

:

24 sieht man eine Person und 25 ist das über 

zwei Meter proportional. Wieso? Ich denke,

118

:

im Bereich der Individualisierung ist sehr 

vieles gelaufen. Und in dieser Beziehung ist

119

:

es so, dass wir im Moment noch knapp 10% 

Erdbestattungen haben, der Rest ist quasi

120

:on. Dann muss man sagen, seit:

wir bei dieser Kurve, die man da sieht, gezeigt,

121

:. Es ist ja nicht so, dass ab:

plötzlich dieser Dammbruch kommt. Aber man sieht,

122

:

dass es kommt. Und dann kommt, glaube ich schon, 

das ist mir so ein Anliegen gewesen bei der

123

:

Bestattungskultur. Ich selber habe gerade noch, im 

Freiamt aufgewachsen, die klassische Art und Weise

124

:

der Beerdigung mitgekriegt als Dorfereignis mit 

allem Drum und Dran. Ich glaube, fast wie in einer

125

:

Art Pendel ist das heute das Gegenteil. 

Man liest ja, hat schon stattgefunden.

126

:Sandra Leis [:

Ja, ja. Im engsten Familienkreis.

127

:Jürg Stadelmann [:

Alle diese Dinge. Ich muss ehrlich gestehen,

128

:

ich habe das erst jetzt realisiert. Vorher war 

mir das etwas wurscht, aber das Abschiednehmen

129

:

gehört meines Erachtens zum menschlichen Leben 

wie das Beginnen. Und da in diesem Moment,

130

:

glaube ich, ist im Moment auch so etwas eine, 

ich behaupte mal, eine Entwicklung im Gange, die

131

:

tendenziell eher etwas zurückschlägt. Einerseits 

die großen Austritte aus den Kirchen. Andererseits

132

:

wimmelt es von Trauerbegleitenden, die sich 

da anbieten, die es zum Teil sehr gut machen.

133

:Sandra Leis [:

Und dazu habe ich auch

134

:

schon eine Podcast-Folge gemacht. Das ist 

wirklich eine spannende Angelegenheit.

135

:Jürg Stadelmann [:

136

:

Und gleichzeitig decken die 

etwas ab, das offenbar. . .

137

:Sandra Leis [:

Ein Bedürfnis ist. Eine

138

:

letzte Frage hier im alten Krematorium, 

nachher gehen wir nach draußen auf den

139

:Friedhof.:

Vorschriften zur Luftreinhaltung ein neues

140

:

Krematorium in Betrieb genommen. 

Gab es da noch weitere Gründe?

141

:Jürg Stadelmann [:

Ich bin ein Kind des Waldsterbens.

142

:Sandra Leis [:

Also Sie sind etwa 65, nehme ich an.

143

:Jürg Stadelmann [:Ja, ich bin Jahrgang:

144

:

noch so mitgekriegt, und da sehe ich plötzlich 

in dieser Thematik drin eine Folgeerscheinung.

145

:

Seit den 80er Jahren gibt es verschärfte 

Bedingungen, Regelungen für Abgase. In einem

146

:

Gespräch haben wir das festgestellt, hat dazu 

geführt, dass die rechtliche Seite, der Staat,

147

:

sagt, das geht nicht mehr so in dieser Art. Auf 

der anderen Seite der Denkmalschutz, der sagt: Wir

148

:

wollen da nichts ändern. Da war die Quintessenz 

der Betreibenden, das ist erstaunlich in Luzern,

149

:

das ist immer noch eine private Organisation. 

Die haben dann gesagt, okay, wir bauen ein neues.

150

:Sandra Leis [:

Jürg Stadelmann, lassen

151

:

Sie uns jetzt nach draußen in den Friedhof 

gehen. Er ist sehr, sehr groß. Wir sehen in

152

:

diesem Friedhof stattliche Familiengräber aus dem 

Anfang des 20. Jahrhunderts. Gleichzeitig gibt es

153

:

aber auch viele Gemeinschaftsgräber, wo nicht 

einmal mehr der Name der Verstorbenen genannt

154

:

ist oder aufgeführt ist. Das heißt, heute 

ist im Unterschied zu vor 100 Jahren sehr

155

:

viel mehr möglich. Und die Begräbniskultur ist 

vielfältiger und individueller geworden. Doch wo

156

:

sind die Grenzen, oder anders gefragt, 

was geht gar nicht auf dem Friedhof?

157

:Jürg Stadelmann [:

158

:

Also was mich beeindruckt hat, hier in Luzern im 

Jahr:

159

:

und gleichzeitig aber den Anspruch, es gibt eine 

Ordnung, und man versucht, Ideen und Ansprüche

160

:

zu integrieren. Und jetzt kommt die politische 

Überlegung, dieser Friedhof war von Anfang an

161

:

weg vom alten Kirchhof, vom alten Friedhof um die 

Kirche herum. Das Konzept des Zentralfriedhofs,

162

:

das haben Sie in allen Städten, wurde ja da nolens 

volens gemacht, weil man zu wenig Platz hatte.

163

:Sandra Leis [:

In der Innenstadt. Heute

164

:

ist es hier laut. Man hört die 

Eisenbahn, man hört die Autobahn,

165

:

aber früher war das eben ausserhalb 

der Stadt. Aber nochmals zurück zu

166

:

meiner Frage. Sie sagen es, es ist sehr viel 

möglich, man versucht alles zu integrieren,

167

:

aber gibt es auch Grenzen der Integration? 

Was ist verboten hier auf dem Friedhof.

168

:Jürg Stadelmann [:

Es gibt klare Vorstellungen, wie lange ein Grab

169

:

existieren kann. Die Nachkommen werden ein Jahr im 

Voraus informiert, dass das Grab abgeräumt wird.

170

:Sandra Leis [:

Aber das war früher auch schon so.

171

:Jürg Stadelmann [:

Das war grundsätzlich.

172

:Sandra Leis [:

Ausser bei Familiengräbern natürlich.

173

:Jürg Stadelmann [:

Als Zweites, was nicht möglich ist,

174

:

ist mir aufgefallen, alles, was quasi 

die ganz grossen Weltreligionen ausmacht,

175

:

das wird ermöglicht, aber man will nicht 

irgendwie bevorteilen, aber man pendelt

176

:

zwischen integrieren, Segregation, akzeptieren und 

assimilieren. Das sind so die Herausforderungen.

177

:Sandra Leis [:

Aber können Sie ein konkretes

178

:

Beispiel machen, wo Wünsche geäußert wurden, 

die dann eben nicht erfüllt werden können?

179

:Jürg Stadelmann [:

Es war spannend. Wir haben

180

:

mit den Leuten geredet, wir haben Interviews 

gemacht, die auch heute zugänglich sind. Und

181

:

dort haben wir herausgehört, dass eigentlich, 

ich habe gefragt, wer macht am meisten Probleme?

182

:Sandra Leis [:

Ja genau, das ist auch meine Frage!

183

:Jürg Stadelmann [:

Dann kommt die Antwort,

184

:

wie aus der Kanone, die 

sogenannten Konfessionsneutralen.

185

:Sandra Leis [:

Das sind doch rund 30% heute in Luzern, oder?

186

:Jürg Stadelmann [:

Ja. Und dort gäbe es immer wieder

187

:

quasi Hinweise, man würde das gerne machen, 

beispielsweise einen grossen Kreis ausgemäht,

188

:

dass man da händchenhaltend gemeinsam ein Ritual 

vollziehen könne. Und grundsätzlich haben sie

189

:

gesagt, normalerweise bei Katholiken, bei allen 

weiss man, in etwa einer Stunde ist das durch.

190

:

Und dort müssen sie quasi damit rechnen, dass das 

ausufert, und da ist man offensichtlich – haben

191

:

wir gehört – aufgetreten und hat gesagt, man will 

das nicht. Man will absprechen, man versucht, dass

192

:

alles möglich ist, aber dass man sich selber nicht 

tangiert. Das Zweite, wo ich so etwas hin und her

193

:

gerissen bin, Sie haben es kurz angesprochen, 

ist das ganz grosse Gemeinschaftsgrab. Das

194

:

wurde in den 90er Jahren konzipiert für 

15'000 Menschen. Eine unglaubliche Zahl,

195

:

wenn man sich das vorstellt. Heute ist das so im 

Bereich von 11›000, 12›000 ausgefüllt. Dort ist

196

:

immer die Frage, was passiert, wenn das voll ist? 

Mein Informationsstand: Es wird abgeschlossen,

197

:

und man überlegt sich eine neue Form. Jetzt 

ist es aber noch wichtig, bei Ihrer Frage habe

198

:

ich etwas herausgehört, es sei nicht mehr quasi 

angeschrieben. Man findet den Namen nicht mehr.

199

:Sandra Leis [:

Ja, ich meine, nur ein klares

200

:

Namensschild oder so.

201

:Jürg Stadelmann [:

Das muss man sagen, das hat man

202

:

in Luzern aufgenommen, das ist seit fünf, sechs 

Jahren so. Man kann in ein Gemeinschaftsgrab,

203

:

das haben Sie weiter untern im Osten mit 

Namensschildern. Man ist dann auf einem Feld.

204

:

Jene Leute, die dabei gewesen sind, die wissen, 

in etwa liegt die Person dort. Aber grundsätzlich

205

:

hat man dieses Bedürfnis aufgenommen. Auch für 

Erdbestattungen übrigens. Dass man versucht,

206

:

das, weil es eben offensichtlich ein Bedürfnis 

ist, irgendwo einen Ort zu haben. Da kommt

207

:

vielleicht noch ein Credo meinerseits: Wir in der 

Geschichte, insbesondere in der Auseinandersetzung

208

:

mit Kriegen, haben festgestellt, dass 

Erinnerungsorte unglaublich wichtig sind,

209

:

auch für Leute, für einzelne Personen, die 

verloren gegangen sind, verstorben sind. Ich

210

:

habe das im Jugoslawienkrieg etwas mitgekriegt, 

was es heisst, einen Ort haben, wo man weiss,

211

:

da ist mindestens ein Teil von diesen Menschen vor 

Ort. Da kommt in der Schweiz natürlich plötzlich

212

:

die Frage: Sind wir schon so dekadent, weil 

wir so lange keine Kriege mehr gehabt haben,

213

:

dass wir eigentlich alleine den Menschen als 

Individuum sehen? Das ist für mich eine Frage,

214

:

die in der Auseinandersetzung entstanden ist, auch 

mit meinen Kolleginnen. Wem gehört eigentlich der

215

:

Überrest eines Menschen? Ist das nur er? Ist 

das die Gemeinschaft, ist das die Religion,

216

:

die bestimmt, oder wer ist das? Und uns 

ist das eigentlich so ein Anliegen. Wir

217

:

wissen die Antwort nicht. Aber mir ist einfach 

aufgefallen, an Orten, die mit Gewalt und Kriegen

218

:

auseinandergesetzt sind, ist ein Grab, ein Ort des 

Erinnerns, des permanenten Abschied nehmen können,

219

:

sehr wichtig. Und bei uns ist es in 

einer Bandbreite individualisiert,

220

:

wo ich mich selber nicht so recht einordnen kann. 

Ich hatte früher da freiheitliche Vorstellungen,

221

:

heute habe ich das Gefühl, jeder Einzelne muss 

sich schon vorstellen, wir sind Teil einer

222

:

Gemeinschaft. Und wenn wir weg sind, da gibt 

es immer Leute, die möchten Abschied nehmen.

223

:Sandra Leis [:

Das man eben auch an die Hinterbliebenen denkt.

224

:Jürg Stadelmann [:

Ja, ja.

225

:Sandra Leis [:

Jürg Stadelmann, Sie haben

226

:

es vorhin gesagt, der Friedhof Friedental, das ist 

ein Zentralfriedhof für alle fünf Weltreligionen.

227

:

Und ich war vor wenigen Tagen hier, habe mir 

die Ausstellung schon angeschaut und war über

228

:

eine Gepflogenheit wirklich erstaunt, 

weil ich es echt nicht wusste. Hindus,

229

:

die verbrennen ihre Verstorbenen traditionell 

auf dem Scheiterhaufen. In der Schweiz ist das

230

:

verboten. Hier in Luzern dürfen die 

Angehörigen, wenn sie das möchten,

231

:

den Startknopf für den Kremationsofen drücken. 

Das heisst also schon, dass man sich hier in

232

:

Luzern bemüht, den Bedürfnissen der Menschen 

wirklich entgegenzukommen. Ist das eigentlich

233

:

ein Beweis dafür? Mit diesem Knopf, das hat mich 

beeindruckt, wenn ich mir das vorgestellt habe.

234

:Jürg Stadelmann [:

Wir waren eben oben im alten Krematorium,

235

:

und die Stadt versucht ja seit vier, fünf 

Jahren, irgendeine Nutzung hinzukriegen,

236

:

und eine ist da, man hat sich abgesprochen mit der 

emeinschaft, sie können seit:

237

:

10 können sie in ihre Art des Rituals, aber 

angepasst, das wäre wieder der Anspruch,

238

:

kremieren darf man in der Schweiz nur im Sarg. Das 

ist auch eine Bedingung, die überall gilt. Da war

239

:

die Lösung: Das Krematorium ist jeweils an einem 

Tag reserviert. Dann ist da der Leichnam offen.

240

:

Es gibt grosse Besuchende. Es ist farbig, 

es wird gegessen etc. Und nachher hat man

241

:

quasi eine kleine Prozession vom alten zum neuen 

Krematorium. Dort unten wird entweder der Sohn

242

:

oder der Älteste oder ausgewählte männliche 

Zuständige, der darf die Kremation auslösen.

243

:

Ab dem nächsten Tag kann man die Urne abholen. Und 

Luzern hat eine Möglichkeit unten an der Reuss,

244

:

dass die Zeremonie in der Übergabe ins Wasser 

durchgezogen wird. Und das hat mich beeindruckt.

245

:Sandra Leis [:

Mich auch, deshalb erwähne ich es.

246

:Jürg Stadelmann [:

Und das ist ja dieser Gegensatz

247

:

zwischen diesem Fighten um das Krematorium, die 

Auseinandersetzungen. Und heute muss ich sagen,

248

:

dieses Luzern, ich bin sogar Bürger jetzt 

neuerdings, dieses Luzern ist offen,

249

:

dieses Luzern will integrieren, hat 

aber Regeln, man hat Kompromisse. Ich

250

:

habe gestaunt bei den Muslimen, die haben 

zum Teil per Handschlag Dinge abgemacht,

251

:

Lösungen gesucht, dass es beiden geht. Und 

das ist für mich zutiefst schweizerisch.

252

:Sandra Leis [:

Stichwort Muslime. Die

253

:dürfen erst seit:Toten begraben. Warum erst:

254

:Jürg Stadelmann [:

Die Gegenfrage ist,

255

:

wieso schon so früh? Also wenn 

ich die Schweiz anschaue. . .

256

:Sandra Leis [:

Der Thurgau hat Probleme,

257

:

das haben wir jetzt überall 

gelesen, aber trotzdem.

258

:Jürg Stadelmann [:

Ja. Ich denke, ich mache jetzt einen

259

:

Bezug zu meinem Leben. Wann habe ich das erste Mal 

realisiert, dass in der Schweiz Muslime leben? Da

260

:

muss ich ehrlich sagen, vor den 70er Jahren war 

mir das gar nicht bewusst. Zu uns sind ja Muslime

261

:

vor allem gekommen – in Luzern natürlich Touristen 

schon früher – aber grundsätzlich als Arbeitende,

262

:

die uns unterstützt haben. Und die kommen in 

einem gewissen Alter. Und jetzt eigentlich seit

263

:

den Nuller-, Zehnerjahren sind die ähnlich wie 

ich jetzt auch im Pensioniertenalter, sterben

264

:

dann. Und lange war es üblich, die kommen ja und 

wollen am Schluss zurück, wo sie hergekommen sind.

265

:

Da gab es einen eigenen Industriezweig, der 

funktioniert heute noch, wo sterbende Muslime,

266

:

die müssen innerhalb von 24 Stunden begraben 

werden. Da kann man quasi organisiert zurück

267

:

aus dem Gebiet, wo man hergekommen ist. Und jetzt 

kommt langsam die Leute, die haben ihre Familien

268

:

da, leben da, ihre Kinder sind da, und die wollen 

einen Erinnerungsort. Und dann war die Entwicklung

269

:

spannend. Man hat ganz clever, meines Erachtens, 

eine Lösung gefunden für ein öffentliches Feld

270

:

innerhalb des Friedhofs für die Muslime. Aber 

mit Regeln, ich bin nicht mehr ganz sicher,

271

:

10 oder 15 Jahre. Und dann wird die Markierung 

aufgehoben, aber das Grab lässt man belassen. Für

272

:

einige ist das zu kurz. Zunehmend beginnt man eben 

festzustellen, wenn wir da gerade rüberschauen,

273

:

zunehmend kommen Leute, die sagen, wir wollen eiin 

Familiengrab. Zunehmend hat es da, neben Christen

274

:

liegen Muslime. Man steht vor dem Grab, der eine 

Christ ist orientiert nach der Friedhofsordnung,

275

:

und die anderen schauen nach Mekka. Wir haben 

versucht, das in der Ausstellung zu zeigen.

276

:Sandra Leis [:

Allerdings, ich kenne jetzt

277

:

die genauen Umstände nicht, aber meinen Sie 

nicht, es hat auch:

278

:Jürg Stadelmann [:

Ja, das ist eben noch witzig.

279

:Sandra Leis [:

Ich kann mir kaum vorstellen,

280

:

dass das nicht so gewesen ist damals.

281

:Jürg Stadelmann [:

Es war eben noch spannend. Eine ganz

282

:

kleine Geschichte: Man hat in Absprache mit der 

muslimischen Gesellschaft ihnen ein Feld gegeben,

283

:

in dem 80 Jahre lang Christen begraben waren. 

Man musste die Erde auswechseln. Logischerweise

284

:Sandra Leis [:

Ja, das kann man natürlich

285

:

dann politisch verwerten.

286

:Jürg Stadelmann [:

Wir hatten einen sehr cleveren Stadtrat,

287

:

und die haben das mit Verhandlungen hingekriegt. 

Man wollte ursprünglich zwei Meter tief alles

288

:

abgraben. Jetzt hat man irgendeine Zwischenlösung 

gefunden. Jetzt wurde das gemacht, man hat einen

289

:

Vertrag abgeschlossen und es gab einen Musiker, 

Angy Burri, der hatte seine Frau verloren. Der

290

:

ist jeden Tag mit seiner Harley da hinaus, hat das 

Grad besucht und sieht, fährt er diesem Lastwagen

291

:

nach. Und dieser Lastwagen hat eben nicht wie 

angegeben, sondern irgendwo einen Halde hinunter

292

:

quasi die Erde entsorgt. Zwei, drei Tage nachher, 

in der «Schweizerzeit», Mörgeli: «Luzerner. . .»

293

:Sandra Leis [:

Der SVP-Politiker Christoph Mögeli.

294

:Jürg Stadelmann [:

«Luzerner entsorgen ihre Christen für

295

:

Muslime». Und als Clou war noch eine Karikatur, wo 

der Wasserturm als Minarett gefällt, jetzt gezeigt

296

:

wurde. Aber erstaunlicherweise im Grossstadtrat, 

es gab keine Gegenstimme, es gab Enthaltungen.

297

:

Und da muss ich sagen, Chapeau Luzern, es 

ging und es läuft seit:

298

:

wie die Friedhofsverwaltung mit ihnen 

umgeht, das ist Augenhöhe. Und das ist

299

:

ein Akzeptieren. Das ist für mich fast eine 

Art politisches Ideal, wenn das möglich ist.

300

:Sandra Leis [:

Zum Schluss, Jürg Stadelmann,

301

:

Sie haben sich für diese Ausstellung 

intensiv mit Begräbniskultur der letzten

302

:

100 Jahre beschäftigt. Wie möchten 

Sie selber dereinst beerdigt werden?

303

:Jürg Stadelmann [:

Das ist eine gute Frage, mit meiner

304

:

Frau habe ich das etwas besprochen. Ich habe mich 

nicht festgelegt, aber ich meine, kremieren wäre

305

:

für mich möglich. Es gibt ja jetzt verschiedenste 

neue Formen, die überzeugen mich noch nicht so.

306

:Sandra Leis [:

Was meinen Sie jetzt mit neusten Formen?

307

:Jürg Stadelmann [:

Ja, Terramation. Also das gibt

308

:

so eine Art Erde zu Erde, das ist das Prinzip. 

Das wird angestrebt. Es gibt Orte, meine ich

309

:

in Deutschland, aber auch in der Schweiz, wo 

man versucht, das zu legalisieren. Ich habe

310

:

mir das mal erklären lassen, vielleicht ist das 

eine Zukunft. Ich grundsätzlich gehe davon aus,

311

:

ich meine, was von mir übrigbleibt, würde 

ich gerne in einen Friedhof bringen.

312

:

Vermutlich meine Frau und ich haben die Tendenz 

in ein Gemeinschaftsgrab, aber mit Nummerierung.

313

:Sandra Leis [:

Wo man weiss, wer hier liegt.

314

:

Ja, genau.

315

:Jürg Stadelmann [:

Ich bin nicht religiös, ich zahle

316

:

meine Beiträge bei den Römisch-Katholischen. 

Ich war über 45 Jahre lang Lehrer, und mir war

317

:

quasi die Kultur und die Vermittlung und was vom 

Christentum da war, ist für mich zentraler Inhalt,

318

:

hat mich immer auch sehr interessiert. 

Ich meine, ich muss einen Ort haben,

319

:

aber weiter habe ich es mir noch nicht überlegt. 

Es ist auch etwas, was ich mit den Kindern – sie

320

:

sind zwar jetzt auch schon um die 30 – noch 

diskutieren möchte. Aber das scheint mir

321

:

noch ein Grundanliegen zu sein: Also Menschen, 

wenn ihr kommt, diese Ausstellung anzuschauen,

322

:

erwartet nicht Wahrheiten, sondern wir fragen, 

wir offerieren, wir zeigen, was gemacht wird.

323

:

Und ich meine auch, wenn es anregend ist, dass man 

sich darüber überhaupt auseinandersetzt, das ist

324

:

das Anliegen, das wir gerne hätten. Und wir gehen 

natürlich von einer Alphabetisierung aus. Ich habe

325

:

ehemalige Schüler gesehen, Muslime. Bei einem war 

ich eingeladen, der seine Mutter beerdigt hat.

326

:

Es war so traurig zu sehen, wie dieser Imam 

denen ständig sagen musste, was sie zu tun haben.

327

:Sandra Leis [:

Weil sie selber nicht wussten,

328

:

wie sie sich verhalten sollten.

329

:Jürg Stadelmann [:

Jawohl. Und wir brauchen doch,

330

:

wenn Sie das anschauen, das ist Luzern. 

Luzern mit fünf Weltreligionen, und die

331

:

grösste Dynamik haben die Konfessionslosen. 

Das Luzern, das ist aber auch die Schweiz.

332

:

Wir sollten doch minimal etwas wissen, 

wie die sich das so vorstellen. Wir haben

333

:

versucht, das anzusprechen. Wir zeigen, dass da 

verschiedene Zeichen und Traditionen da sind. Das

334

:

muss ja nicht eins zu eins so auch sein. Aber 

mindestens etwas wissen, das war unser Anliegen.

335

:Sandra Leis [:

Ja. Also in grossen grünen

336

:

Tafeln wird hier erklärt, was ich sehr gut finde, 

es gibt Text, aber es ist nicht zu viel Text. Es

337

:

gibt ja auch Ausstellungen, da wird man wirklich 

bombardiert mit Text, und das ist hier nicht so.

338

:Jürg Stadelmann [:

Ja, wir haben daran gelitten.

339

:Sandra Leis [:

Das ist mir klar,

340

:

dass Sie als Historiker daran leiden.

341

:Jürg Stadelmann [:

Wir haben daran geleitet.

342

:Sandra Leis [:

Es wird wirklich von den

343

:

verschiedenen Weltreligionen das Wichtige 

zusammengefasst, man sieht diese Tafeln gut,

344

:

es sind markante Pfeiler hier auf dem 

Friedhof. Man kann sie nicht verfehlen

345

:

und dann noch die Videos dazu. Jürg Stadelmann, 

vielen Dank für Ihre fundierten Ausführungen.

346

:Jürg Stadelmann [:

Merci vielmal.

347

:Sandra Leis [:

Ich weiß, Sie könnten noch viel,

348

:

viel länger sprechen, aber die Zeit des 

Podcasts ist schon um. Das ist die 74. Folge

349

:

des Podcasts «Laut + Leis». Zu Gast war Jürg 

Stadelmann. Er leitet das Büro für Geschichte,

350

:

Kultur und Zeitgeschehen und hat zusammen mit 

seinem Team die Ausstellung «Frieden im Tal.

351

:

100 Jahre Krematorium Luzern» konzipiert. Sie 

dauert bis zum 15. November und ist täglich von

352

:

9 bis 17 Uhr geöffnet. Über Feedback freuen wir 

uns: Schreibt gerne per Mail an podcast@kath.ch

353

:

oder per WhatsApp auf die Nummer 078 251 67 

83. Und: Abonniert den Podcast und bewertet ihn

354

:

positiv, wenn er euch gefällt. In der nächsten 

Folge von «Laut + Leis» geht’s ums Verzeihen.

355

:

Das ist oft harte Arbeit. Insbesondere 

dann, wenn es um schwere physische oder

356

:

psychische Gewalt geht oder um einen massiven 

Vertrauensbruch. In seinem neuen Buch zeigt

357

:

der führende Psychiater und Psychoanalytiker 

Joachim Küchenhoff, wie Verzeihen gelingen

358

:

kann. Zum Beispiel an Gisèle Pelicot. Bis in zwei 

Wochen, und bleibt laut und manchmal auch leise.

Jürg Stadelmann, Historiker und Ausstellungsmacher | © Sandra Leis
14. August 2026 | 05:30
Lesezeit : ca. 17  Min.
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