Mönche der Zisterzienserabtei Hauterive im Kanton Freiburg beim Gebet, 2025
Schweiz

Auch Mönche und Nonnen werden älter – was das für die Klöster bedeutet

Werden Ordensleute älter, bringt das einige Herausforderungen mit sich: Umzüge in Altersheime, Störungen des Gebetslebens, Kompromisse mit der Tradition. Wie versuchen Ordensleute in der Schweiz, sich darauf einzustellen? Eine Studie liefert dazu Erkenntnisse.

Raphäel Zbinden (cath.ch)

Bruder Constant (Pseudonym) hört nicht mehr besonders gut. Auch sein Gedächtnis lässt nach. Seine Tätigkeit als Verantwortlicher für die Pforte wird dadurch in Frage gestellt. Die Ordensbrüder kommen daher zusammen, um zu entscheiden, wie weiter vorzugehen ist. Einer der Brüder schlägt vor, die Telefonzentrale von einem Unternehmen betreiben zu lassen.

Für die einen ist dies ein Verrat an der klösterlichen Tradition der Gastfreundschaft, für andere eine unausweichliche Entwicklung angesichts des Nachwuchsmangels. Die Diskussion endet ohne Konsens und hinterlässt viele offene Fragen.

14 Gemeinschaften begleitet

Die Szene wird von Laurent Amiotte-Suchet gegenüber dem Westschweizer Nachrichtenportal cath.ch geschildert. Der Waadtländer Religionssoziologe hat sie im Rahmen seiner Studie «Leben und Altern abseits der Welt – Strategien zur Erhaltung der Ordensgemeinschaften» erlebt.

Der Forscher arbeitet an der Waadtländer Hochschule für Gesundheit (Hesav). Zusammen mit seiner Kollegin Annick Anchisi begleitete er fast vier Jahre lang 14 Gemeinschaften in der Westschweiz und im benachbarten Frankreich.

Klausurbereich wird durchlässig

Die beiden haben dabei eine Reihe von Erkenntnissen gewonnen. Die erste: Das Kloster ist kein abgeschotteter Raum. «Das Klosterleben wurde immer als Alternative zu einer sich wandelnden Welt beschrieben und definiert, als ein Ort ausserhalb der Zeit», sagt Laurent Amiotte-Suchet. Doch dies stimme nicht. Diese Orte seien mit denselben Herausforderungen konfrontiert wie der Rest der Gesellschaft, etwa mit dem Älterwerden.

Eines der offensichtlichsten Anzeichen dieser Entwicklung ist die neue «Durchlässigkeit» des Klausurbereichs. Seit langem wird das Zutrittsverbot für Laien nicht mehr so streng gehandhabt. Das Altern von Ordensleuten erfordert, dass insbesondere medizinisches Personal Zugang zu Abteien und Klöstern erhält. Und umgekehrt verlassen Ordensschwestern und Ordensbrüder diese Einrichtungen regelmässiger, insbesondere für Arzttermine.

«Die Ordensbrüder mussten sich an die Realität eines überwiegend weiblichen Pflegepersonals gewöhnen.»

«Dieser Wandel vollzog sich in den Männergemeinschaften viel schneller und deutlicher», sagt Laurent Amiotte-Suchet. «Die Ordensbrüder mussten sich an die Realität eines überwiegend weiblichen Pflegepersonals gewöhnen. Die Ordensschwestern in Klausur waren mit diesem Problem weniger konfrontiert, da ein Teil von ihnen eine Ausbildung zur Krankenschwester absolviert hatte und sie dies intern bewältigen konnten.»

Laurent Amiotte-Suchet stellt fest, dass Kompromisse betreffend die Klausur mittlerweile weitgehend zur Gewohnheit geworden sind, auch wenn sie manchmal noch Gegenstand von Absprachen sind. «Wenn möglich, versuchen die Männerklöster, Männer heranzuziehen, und die Frauenklöster Frauen.» Der Soziologe erwähnt zudem eine Männergemeinschaft, die eigens eine Tür für das Pflegepersonal eingerichtet hat, um diesem den Zugang zur Krankenstation zu ermöglichen, ohne dass es das Kloster betreten muss.

«Stabilitas loci» gefährdet

Das Älterwerden stellt auch das Gelübde der «stabilitas loci» auf die Probe. In der klösterlichen Tradition verpflichten sich Ordensleute zusätzlich zu den Gelübden von Armut, Gehorsam und Keuschheit dazu, ihre lokale Gemeinschaft nicht zu verlassen.

Dieser Grundsatz ist immer weniger umsetzbar. Und der Umzug einer Schwester oder eines Bruders in eine Einrichtung sei sicherlich die «schmerzlichste» Auswirkung des Alterns, stellt Laurent Amiotte-Suchet fest. Denn Ordensfrauen und Ordensmänner hätten ihr Leben einer Gemeinschaft gewidmet, die für sie oft eine «Familie» darstelle.

Viele Ordensgemeinschaften sind mit den Herausforderungen des Alterns konfrontiert.
Viele Ordensgemeinschaften sind mit den Herausforderungen des Alterns konfrontiert.

Laurent Amiotte-Suchet bewundert jedoch generell die Anpassungsfähigkeit und Kreativität, die Ordensleute im Umgang mit dem Älterwerden an den Tag legen. Ein Aspekt, der sich insbesondere in der medizinischen Versorgung der Älteren widerspiegelt. Zahlreiche Klöster haben Vorkehrungen getroffen, die es den Älteren ermöglichen, bestmöglich am Gemeinschaftsleben teilzunehmen.

Jüngere müssen mehr arbeiten

Nichtsdestotrotz führt die Überalterung laut Studienbericht zu einer erhöhten Arbeitsbelastung für die Jüngeren, die sich um ihre Älteren kümmern müssen. Dies kann den Alltag beeinträchtigen. Manchmal kann auch der Weggang einer einzigen «Schlüsselperson» dazu führen, dass das gesamte Gefüge zusammenbricht, auf dem eine Gemeinschaft aufgebaut ist.

Besonders schwer wiegt dies, wenn es sich um eine kontemplative Berufung handelt. «Je nach individueller oder gemeinschaftlicher Situation sind manche Gemeinschaften gezwungen, die Zeiten, die Dauer oder die Anzahl der Gebete im Stundengebet anzupassen», stellen Laurent Amiotte-Suchet und Annick Anchisi fest.

Drei Gemeinschaften haben ihre Pforten geschlossen

Bleibt der Nachwuchs aus, führt das Altern der darin lebenden Ordensleute schliesslich zum Ende eines Klosters. Laut Laurent Amiotte-Suchet haben von den 14 besuchten Gemeinschaften drei im Laufe der vierjährigen Forschungsphase ihre Pforten geschlossen. (Übersetzt aus dem Französischen, gekürzt und adaptiert von bal)

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Mönche der Zisterzienserabtei Hauterive im Kanton Freiburg beim Gebet, 2025 | © Maurice Page
16. August 2026 | 17:00
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